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Mauritiussteinweg 11: Jüdisches Jugendheim

1929 wurde am Mauritiussteinweg 11 ein Jugendheim für die jüdischen Jugendorganisationen Kölns eingerichtet, das zum vielgenutzten Treffpunkt sämtlicher Jugendbünde der Stadt wurde.[1]

Im Jahr 1926/27 war in Köln das „Jüdische Jugendamt“ gegründet worden, das dem Wohlfahrtsamt der Synagogengemeinde angegliedert war. Es war eine Ergänzung zum städtischen Kölner Jugendamt und nahm eine Mittlerposition zwischen jüdischer Jugendbewegung und jüdischer Gemeinde ein. Ende 1927 wurde aus Mitgliedern von Kölner Jugendbünden in Zusammenarbeit mit dem jüdischen Jugendamt die „Arbeitsgemeinschaft für soziale Fragen“ gebildet. Diese „Arbeitsgemeinschaft“ regte die Einrichtung eines jüdischen Jugendheims für Köln an. Seit Mai 1928 wurde das Vorhaben in der Synagogengemeinde diskutiert, und Anfang 1929 fiel die Entscheidung, das Haus am Mauritiussteinweg 11 mit städtischer Unterstützung für 88.000 RM zu kaufen, das bis dahin als Wohnhaus genutzt worden war. Der Kölner jüdische Architekt Robert Stern erhielt den Auftrag zum Umbau des Hauses, und die Synagogengemeinde und private Spender kamen für die Einrichtung und Ausstattung des Jugendheims auf, das im September 1929 mit einer Feier offiziell eingeweiht wurde. Offiziell hieß das Jugendheim nach dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde „Emil-Blumenau-Haus“ – eine Bezeichnung, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch nicht durchsetzen konnte. Die Kölner jüdische Presse berichtete in der Folgezeit, dass seit der Gründung des Heims sämtliche Veranstaltungen, die die Kölner jüdische Jugend betrafen, in dem Heim stattgefunden hätten.

Jedem Jugendbund wurde ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Daneben gab es einen Vortragssaal, einen Lesesaal, in dem man jüdische und allgemeine Zeitungen lesen konnte, und ein Spielzimmer, ausgestattet mit einem Radio und Gesellschaftsspielen. Für Jugendliche, die keinem Bund angehörten, gab es zwei Reservezimmer. In der Wirtschaftskrise durften auch sämtliche jüdische Arbeitslose, egal welchen Alters, das Heim – z. B. den Lesesaal oder das Spielzimmer – nutzen. Eine wichtige Funktion übernahm das Jugendheim ab 1932, als hier die Schule der jüdischen Jugend entstand, die in verschiedenen Lehrgängen biblisches Hebräisch und Neuhebräisch, Bibelkurse sowie Kurse zur Geschichte des Judentums anbot.

Mit dem Jahr 1933 wurde das Vereinshaus am Mauritiussteinweg für viele jüdische Jugendliche zum Mittelpunkt ihres Lebens. Ausgeschlossen von allen anderen Sport- und Jugendorganisationen und von nicht jüdischen Altersgenossen oft angefeindet, fanden sie hier einen Schutzraum. Die Arbeit der jüdischen Jugendvereine veränderte sich rasch. An die Stelle weltanschaulicher Abgrenzung untereinander traten Bemühungen um enge Zusammenarbeit, zudem gewannen nun zionistische Gruppen an Einfluss. Gemeinsam mit überregionalen jüdischen Einrichtungen bereiteten die Kölner Jugendvereine ihre Mitglieder auf eine Emigration vor und wirkten auch konkret an der Organisation der Auswanderung mit. Zur Vorbereitung der Jugendlichen auf eine Emigration wurden etwa Kurse in Hebräisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch angeboten. Auch konnte man sich im Jugendheim zu Fragen zur Auswanderung beraten lassen. Hunderte Kölner Jugendliche konnten mit solcher Hilfe aus Deutschland entkommen.

 

Das Gebäude, das während des Pogroms im November 1938 vermutlich verwüstet. Ab Sommer 1941 wurde es als Ghettohaus genutzt. Die meisten der zwangseingewiesenen Bewohner wurden Ende des Jahres in die Gettos in Litzmannstadt und Riga sowie im Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert. Bis etwa Mitte 1942 wurde das jüdische Jugendheim auch noch als Wohnheim für auswärtige Jugendliche genutzt, die in Köln eine handwerkliche Ausbildung absolvierten.

Obwohl die Stadt Köln 1943 ein Kaufinteresse zeigte, kam es nicht zu einem Verkauf. Während des Krieges wurde das Gebäude völlig zerstört und im Zuge des Wiederaufbaus durch ein Wohngebäude ersetzt.

Fußnoten

[1] Die Darstellung folgt Vgl. Döpp 1997, S. 135-138, Jüdisches Schicksal, S. 345, Becker-Jákli, Köln, S. 345 und BeckerJákli, jüdisches Köln, S. 183ff.

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