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Rubensstraße 33: Jüdisches Wohlfahrtsamt

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Köln eine große Vielfalt jüdischer karitativer Initiativen, die sich nach 1900 noch erweiterte und ausdifferenzierte.[1] Um die verschiedenen Einrichtungen zu koordinieren, gründete die Synagogen-Gemeinde 1902 eine übergreifende Organisation, in der die meisten karitativen Vereine zusammengefasst waren. Seit Mitte der 1920er Jahre trug diese Organisation die Bezeichnung Israelitisches Wohlfahrtsamt. Die Leitung des Amts hatte von 1929 bis 1935 der Kaufmann Karl Kaiserblüth inne, seine Stellvertreterin war seit 1934 Ida Auerbach.

Nachdem schon 1912 erste jüdische Wohlfahrtseinrichtungen in das um 1894 errichtete Gebäude Rubensstr. 33 eingezogen waren, konnte die Synagogen-Gemeinde das Haus 1930 erwerben. Mit dem Umbau zum sozialen Zentrum wurde der in Köln tätige jüdische Architekt Robert Stern beauftragt. In den folgenden Jahren waren hier unter anderem untergebracht: das Jugendamt, die Jüdische Winterhilfe, der Israelitische Frauenverein und der Ortsverein des Jüdischen Frauenbundes, die Arbeits-, Zimmer- und Wohnungsvermittlung, die Volks- und Mittelstandsküche sowie eine Kleiderkammer. Seit 1933 nahmen die Aufgaben dieser Einrichtungen erheblich an Umfang und Bedeutung zu, da die jüdische Bevölkerung zunehmend verarmte und immer mehr Menschen auf Unterstützung durch jüdische Hilfsorganisationen angewiesen waren.

Im Haus Rubensstraße 33 hatte auch die lokale Niederlassung des Palästina-Amts ein Büro eingerichtet. Gegründet durch die Zionistische Weltorganisation, war das Amt für die Organisation der Auswanderung von Deutschland nach Palästina zuständig, vergab die notwendigen Visa und organisierte die Reise. Die Zentrale, die ihren Sitz in Berlin hatte, konnte bis 1941 arbeiten, wie lange die Geschäftsstelle in Köln tätig war, ist nicht bekannt.

Das Gebäude Rubensstr. 33 wurde im Pogrom 1938 beschädigt, danach aber von der jüdischen Gemeinde weitergenutzt. Von Ende 1938 bis Ende 1942 hielten hier einige der wenigen als „Krankenbehandler“ zugelassenen jüdischen Ärzte ihre Sprechstunden ab, seit Mitte 1941 war es zudem eines der zahlreichen Gettohäuser im Griechenmarktviertel. Im Juni 1942 wurde die „Bezirksstelle der Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ - Nachfolgeorganisation der Synagogen-Gemeinde - von der Roonstraße hierher verlegt, jedoch bereits Ende des Jahres gezwungen, zunächst weiter in das Gettohaus Utrechter Str. 6, dann schließlich in das Sammellager in Köln-Müngersdorf umzuziehen. Nachdem das Gebäude Rubensstraße 33 im Juni 1942 für Zwecke der Polizeiverwaltung Köln beschlagnahmt worden war, wurde es 1943 vom Deutschen Reich käuflich erworben – also „arisiert“.

Nach Kriegsende wurde das Haus an die Synagogen-Gemeinde zurückgegeben. Die ursprüngliche Nr. 33 ist auch heute noch trotz umfassender Umbauten in den Grundstrukturen vorhanden. Allerdings wurde die Fassade völlig geglättet und die Innenarchitektur weitgehend verändert. Vor dem Haus liegen zwölf Stolpersteine.

Fußnoten

[1] Becker-Jákli, jüdisches Köln, S. 180f.

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