[1] Vgl. Jüdisches Schicksal, S. 15. Die über die Kölner Stadtgrenzen hinausreichende Synagogengemeinde zählte rund 19.500 Mitglieder. Zu den übrigen Städten vgl. Struck, Abschlussbericht, S. 6.
[2] Vgl. Horst Matzerath, Köln in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945, Köln 2009, S. 403. Die Zahl der Angehörigen der Synagogengemeinde waren von rund 19.500 bis 1937 auf 13.054 zurückgegangen.
[3] Vgl. Matzerath, Köln, S. 383 und Horst Matzerath, Der Weg der Kölner Juden in den Holocaust: Versuch einer Rekonstruktion; in: Die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Köln. Gedenkbuch, Köln 1995, S. 530-553, hier S. 551. Die Volkszählung vom 17.5.1939 machte die Rasseunterteilung der Nürnberger Gesetze erstmals zum Erhebungskriterium. Danach lebten zu diesem Zeitpunkt im Einzugsbereich der Kölner Synagogengemeinde 613 „Volljuden“ mit christlicher Konfession, 1.478 „Mischlinge I. Grades“ und 890 „Mischlinge II. Grades“. Während von den insgesamt 25.735 noch in der Rheinprovinz lebenden Jüdinnen und Juden 92,4% einer Synagogengemeinde, dagegen lediglich 2,9% der evangelischen und weitere 2,8% der katholischen Kirche angehörten, verhielt es sich bei den 5.477 „Mischlingen I. Grades“ genau umgekehrt: Lediglich 8,7% von ihnen bekannten sich zum Judentum, während 40,5% Mitglieder der evangelischen und 42,0% der katholischen Kirche waren. In diesem Zahlenverhältnis, so Sigrid Lekebusch, sei „der geringere Verfolgungsdruck auf christliche Mischlinge“ zum Ausdruck gekommen, was auch deren niedrigere Emigrationsrate erkläre. Ohne Datumsangabe, aber wohl für einen ähnlichen Zeitpunkt ermittelte sie für den Kirchenkreis Köln insgesamt 1.088 christlich getaufte Juden und „Mischlinge I. Grades“. 474 der insgesamt 533 getauften „Volljuden“ waren katholisch, lediglich 59 evangelisch. Von den 555 „Mischlingen I. Grades“ ließ sich lediglich für 84 eine katholische und für 70 eine evangelische Orientierung ermitteln, während bei 401 die Konfession unbekannt ist. (Lekebusch, Not, S. 23ff.).
[4] Vgl. Matzerath, Köln, S. 408. Es wurden 4.609 (57,6%) Menschen weiblichen und 3.391 (42,4%) männlichen Geschlechts gezählt.
[5] Jüdisches Schicksal, S. 284 und Matzerath, Köln, S. 410. Die Synagogengemeinde Köln zählte am 31.8.1941 5.931 Mitglieder. (Vgl. Matzerath, Weg, S. 551).
[6] Angabe nach „Bevölkerungsentwicklung in den Kultusvereinigungen und Bezirksstellen der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“, Oktober 1941 (http://www.statistik-des-holocaust.de/stat_ger_jkv.html (29.4.2019)). Vgl. dort auch zu den folgenden Angaben.
[7] Zusammengestellt nach den Aufstellungen der Kultusvereinigungen und den Bezirksstellen der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in ZIH 112/21b, 32 und 137a, Stadtarchiv Mainz, NL Oppenheim 52/28 sowie YVA O.8/14. Online zugänglich unter http://www.statistik-des-holocaust.de/stat_ger_jkv.html (29.4.2019). Mitte Mai 1941 trat eine neue Bezirkseinteilung in Kraft. Dadurch wurde der alte „Bezirk Köln“ unter dem Dach der Reichsvereinigung zum „Bezirk Rheinland“. Ab Juni 1941 gab es dann vorübergehend offenbar eine Aufteilung in die „Kultusvereinigung Köln“ und den Bezirk Rheinland. Ab Mai 1941 wurden die Erhebungskriterien um eine neue Rubrik „Binnenwanderung“ („einschließlich: sonstige Veränderungen (neu erfasste Personen, zurückgekehrte Kinder aus Belgien und Holland, Austritte aus dem Judentum)“) ergänzt, die hier – mal als Zuzug, mal als Weggang - nicht eigens erfasst, aber bei der Gesamtzahl berücksichtigt wird. Für Juli und August 1942 liegen keine Zahlen vor. Ab September 1942 hatte sich die Struktur erneut verändert. Es tauchten nun keine Kultusvereinigungen aus Großstädten mehr auf, sondern ausschließlich die Bezirksstellen der Reichsvereinigung, in denen die Kultusvereinigungen aufgegangen waren. Sie werden in dieser Tabelle nicht unter „Rheinland“, sondern unter „Köln“ erfasst. Auch nun gab es immer noch „Karteibereinigungen“, die nicht auf Deportationen zurückzuführen waren.
[8] Vgl. Matzerath, Köln, S. 417f.
[9] Vgl. Kingreen, Verfolgung, S. 190. In Frankfurt war die jüdische Gemeinde bis 1941 auf 10.592 Personen geschrumpft. Vgl. Schrafstetter, Flucht, S. 81. Anfang Oktober 1942 lebten hier nur noch 817 von ihnen. (Vgl. Beer, Banalität, S. 114f.).
[10] Vgl. Schrafstetter, Flucht. Von den Anfang November 1941 noch in München lebenden 3.240 Juden waren dort Ende 1942 nur noch 645 offiziell gemeldet.
[11] In Berlin, dessen jüdische Gemeinde im Juni 1933 noch 160.564 Mitglieder gezählt hatte, gelang rund 90.000 Juden die Emigration. (Vgl. Lutjens, Untertauchen, S. 49). Die Sonderstellung Berlins hing mit einer Reihe von Faktoren zusammen. Der wahrscheinlich wichtigste Grund war wohl die Ungleichzeitigkeit der Deportationen in den einzelnen Regionen des Reichsgebiets. Anfang Oktober 1942, als die Deportationen in vielen Städten bereits weitgehend abgeschlossen waren, lebten in der Reichshauptstadt noch über 40.000 Juden. Das bedeutet auch, dass Juden in Berlin besser über die Folgen der Deportationen informiert waren, was eine wichtige Motivation zum Untertauchen dargestellt haben dürfte. (Vgl. Beer, Banalität, S. 114f.).
[12] Vgl. Schrafstetter, Flucht, S. 81f. In einer Mitteilung der Synagogengemeinde Köln an die Reichsvereinigung der Juden in Berlin vom 4. Januar 1942 wird die Zahl der zu diesem Zeitpunkt noch im Stadtgebiet lebenden Juden mit 2.580 angegeben. Grund für die Erhebung war der seitens der Kölner Gestapo formulierte Auftrag, „sämtliche Juden in das Fort V und das Barackenlager umzusiedeln und zwar sofort beginnend“. Zur Zahl von 2.580 waren nach Angabe der Synagogengemeinde noch die jüdischen Partner der auf rund 300 bezifferten „Mischehen“ hinzuzurechnen, womit sich die Gesamtzahl Anfang Januar 1942 auf etwa 2.880 belaufen haben dürfte. (Vgl. BAB, R 8150/127, Bl. 88f.: Jüdische Kultusvereinigung – Synagogengemeinde Köln an Reichsvereinigung der Juden, 4.1.1942).
[13] Vgl. hierzu http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420720.html, http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420727.html, http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420905.html und http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_43t.html (2.5.2019). Angesichts der rapide sinkenden Zahl der Gemeindemitglieder wurde die Synagogengemeinde Köln auf Anweisung von Adolf Eichmann bereits im Oktober 1942 aufgelöst. (Vgl. Langrock, Frage, S. 128). Zahlen zu Deportationen bleiben stets mit einigen Unsicherheiten belastet. Vgl. etwa die Aufstellung bei Dieter Corbach, 6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz, Deportation 1938-1945. Deportationen 1938-1945, Köln 1999, S. 57, und deren kritische Kommentierung ebenda, S. 191ff. Danach stammten beim Transport nach Izbica am 15. Juni 1942 lediglich 318 der insgesamt 1.066 Deportierten aus Köln selbst, während sich der am gleichen Tag nach Theresienstadt fahrende Zug mit 963 Insassen offenbar ausschließlich aus Kölner Jüdinnen und Juden zusammensetzte. Ein von Asaria auf den 1. Oktober 1944 datierter Transport von 580 Personen (300 Männer und 280 Frauen) nach Theresienstadt wird in den Unterlagen der dortigen Gedenkstätte nicht erwähnt, während H.G. Adler, Theresienstadt 1941–1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 708, zuvor lediglich die Anzahl der Deportierten angezweifelt hatte.
[14] Vgl. Lekebusch, Not, S. 37ff. Zwischen 1927 und 1935 waren in Köln 409 Mischehen geschlossen worden, bei denen in 275 Fällen der „arische“ Ehepartner katholisch, in den übrigen 134 evangelisch war. Seit 1934 waren solche Eheschließungen drastisch zurückgegangen und wurden, weil sie nach den Nürnberger Gesetzen nun als „Rassenschande“ galten, gänzlich verboten. Zwischen 1930 und 1938 wurden – mit deutlichem Schwerpunkt auf dem letztgenannten Jahr - in Köln 122 der Mischehen wieder geschieden, während die weitaus meisten dieser Verbindungen dem Verfolgungsdruck standhielten.
[15] Lekebusch, Not, S. 39.
[16] BAB, R 8150/32. Entnommen aus http://www.statistik-des-holocaust.de/stat_ger_pop.html (29.4.2019). Köln wies damit zu diesem Zeitpunkt nach Berlin (5.849) und Hamburg (873) die höchste Zahl an noch verbliebenen Jüdinnen und Juden auf. Es folgten Breslau (695), Düsseldorf (616), München (457) und Frankfurt (403). Anders als für viele andere Städte liegen für Köln für die Zeit bis zum Kriegsende keine weiteren Zahlen mehr vor, was unmittelbar mit der noch ausführlich darzustellenden „September-Aktion“ zusammenhängen dürfte. In Frankfurt waren am 1.1.1945 noch 406, in München am 1.2.1945 sogar noch 513 und in Hamburg am 1.3.1945 noch 651 Juden registriert. Für Berlin wurden zum 1.3.1945 insgesamt 6.284 angegeben.
[17] Zvi Asaria, Die Juden in Köln von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart, Köln 1959, S. 399.
[18] Vgl. hierzu Grübel, Monika: Nach der Katastrophe. Jüdisches Leben in Köln 1945 bis 1949; in: Günther B. Ginzel/Sonja Güntner (Hgg.), „Zuhause in Köln …“. Jüdisches Leben 1945 bis heute, Köln/Weimar/Wien, 1998, S. 42-54, hier S. 42. Grübel erwähnt hier auch eine am 23. März 1945 im „Aufbau“ abgedruckte Notiz, nach der etwa 200 Juden „aus den Ruinen Kölns zum Vorschein gekommen“ seien. Am 26.3.1945 gab die Militärregierung 251 Lebensmittelkarten an Kölner jüdischen Glaubens aus. (Diese Zahl nach Reinhold Billstein/Eberhard Illner, You are now in Cologne. Compliments. Köln 1945 in den Augen der Sieger. Hundert Tage unter amerikanischer Kontrolle, Köln 1995, S. 47). Eine am 13. April 1945 an gleicher Stelle veröffentlichen Aufstellung „Die Geretteten von Köln - Erste Liste“ umfasste dann 157 Namen, brach aber beim Buchstaben „N“ ab. Hierbei dürfte es sich um die oben bereits vorgestellte „List of Jews Liberated at Cologne“ gehandelt haben, die in ihrer ersten Version 277 Namen von Menschen umfasste, die - einschließlich etwaiger nicht-jüdischer Ehepartner - nach NS-Kriterien als Juden oder „Mischlinge 1. Grades“ galten und deshalb verfolgt worden waren.
[19] BAK, Z 42-V-0668, Bl. 177. Vielleicht bezog sich Goldschmidt hierbei auf die hier bereits erwähnte, Ende 1947/Anfang 1948 entstandene Aufstellung der „Gemeindemitglieder der Synagogengemeinde Köln“.
[20] Hinzu kamen dann jene Überlebenden, die ab Juni 1945 aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern - insbesondere aus Theresienstadt - nach Köln zurückkehrten. Vgl. hierzu Grübel, Katastrophe, S. 43f.