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Jüdisches Leben in Köln

1925 zählte die Synagogengemeinde Köln 16.091 Mitglieder, womit sie nach Berlin (172.000), Frankfurt (29.000), Breslau (23.000) und Hamburg (20.000) die fünftgrößte im Reichsgebiet war.[1]Bis zur Volkszählung am 16. Juni 1933 war diese Zahl in Köln bereits auf 14.816 zurückgegangen, während in den umliegenden Landkreisen Köln-Land (422), Bergheim (335), Siegkreis (568), Rheinisch-Bergischer Kreis (85) und Oberbergischer Kreis (41) zu diesem Zeitpunkt noch insgesamt 1.451 Juden lebten, von denen die meisten aber bald in die Anonymität versprechende Großstadt übersiedelten. In den folgenden Jahren ging der jüdische Bevölkerungsanteil durch Emigration erheblich zurück. Allein zwischen 1933 und 1937 reduzierte sich die Kölner Zahl trotz der Zuwanderung aus dem Umland um rund 5.000.[2]

Laut Volkszählung wohnten dann Mitte 1939 im Kölner Stadtgebiet noch 7.975 Menschen jüdischer Konfession, zu denen noch 588 laut NS-Rassenideologie nunmehr als Juden eingestufte Personen hinzukamen, so dass sich deren Gesamtzahl zu diesem Zeitpunkt auf 8.563 addierte. Außerdem wohnten in Köln nach der Kategorisierung der Nürnberger Gesetze noch 1.541 sogenannte „Mischlinge 1. Grades“.[3] Ihr Zusammensetzung entsprach exakt der reichsweiten Verteilung: Die sich nunmehr in den Bezirken Altstadt-Süd, Neustadt-Süd und Neustadt-Nord konzentrierende jüdische Bevölkerung war weitgehend verarmt, überaltert und überwiegend weiblich[4].

Beim Beginn der Deportationen im Oktober 1941 lebten in Köln noch 6.277 jüdische Menschen, weitere rund 1.400 im Kölner Regierungsbezirk.[5] Nach eigener Angabe zählte die Kölner Synagogengemeinde am 1. Oktober 1941 noch 5.908 Mitglieder.[6] Danach ging der Anteil der jüdischen Bevölkerung aufgrund der großen Deportationen drastisch zurück.

 

Wie viele Kölner Juden letztlich deportiert und ermordet wurden, lässt sich nicht mehr exakt und endgültig klären. Allein die von hier abfahrenden Züge transportierten rund 11.000 Menschen, die jedoch nicht sämtlich aus dem Stadtgebiet stammten. Die langjährigen und wohl nie endgültig abzuschließenden Arbeiten am Kölner Gedenkbuch ergeben die Zahl von etwa 7.000 zwischen 1933 und 1945 in der Stadt gemeldeten Jüdinnen und Juden, die Opfer des Holocaust wurden. Von ihnen wiederum lebten zum Zeitpunkt der Deportation allerdings längst nicht mehr alle in ihrer Heimatstadt.[8] Bei allen Unsicherheiten ist festzustellen, dass die großen Deportationen in Köln – wie etwa auch in Frankfurt[9] und München,[10] aber anders als in Berlin[11] - bereits 1942 abgeschlossen und von den rund 7.600 Jüdinnen und Juden, die im Oktober 1941 noch im Großraum Köln gelebt hatten, bis Juli 1942 etwa 6.500 verschleppt worden waren.[12] Laut Angabe der Kultusvereinigung Köln war die Anzahl der ihr zugehörigen Mitglieder bis Ende Juni 1942 auf 1.878 gesunken. Danach bricht die Überlieferung von allein auf das Stadtgebiet bezogenen offiziellen Zahlen ab. Da am 20. und 27. Juli 1942 zwei weitere große Deportation mit 1.164 bzw. 1.165 Menschen – davon 701 bzw. 354 aus Köln - nach Minsk und Theresienstadt erfolgten, lebten danach offiziell noch höchstens 823 Juden in Köln. Zwischen dem 5. September und dem 3. Oktober 1942 folgten noch fünf weitere, allerdings weitaus kleinere Transporte nach Theresienstadt, von denen nochmals insgesamt 235 Kölner Jüdinnen und Juden betroffen waren, deren Anzahl im Stadtgebiet damit auf 588 zurückgegangen war. Im Frühjahr folgten vier über Berlin führende Deportationen nach Auschwitz mit mindestens weiteren 77 Kölnern. Außerdem wurden zwischen Januar 1943 und April 1944 nochmals 168 Jüdinnen und Juden aus Köln nach Theresienstadt verschleppt, so dass sich die Zahl der in der Stadt Verbliebenen im Frühjahr 1944 auf höchstens 420 reduziert hatte.[13]

Eine genaue Analyse dieser Zahlen ist insofern schwierig, als die verbliebenen Repräsentanten der jüdischen Gemeinde mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließlich „Glaubensjuden“ - also solche, die der Gemeinde angehörten – aufgenommen haben werden, während alle zum Christentum Konvertierten und insbesondere die mehrheitlich christlich getauften „Mischlinge“ aus Mischehen in diesen Zahlen nicht enthalten sein dürften. Für 1939 konnten für den Kirchenkreis Köln – allerdings bei lückenhafter Quellenlage - insgesamt 435 Mischehen nachgewiesen werden, wobei in 378 Fällen der jüdische Ehepartner auch der jüdischen Konfession angehörte – also seitens der Synagogengemeinde mitgezählt wurde -, während 23 Mitglied der evangelischen und 34 der katholischen Kirche waren.[14] 1941 lebten – vor Beginn der Deportationen – weiterhin 367 der 435 im Mai 1939 erfassten jüdischen Ehepartner in Köln. Zu diesem Zeitpunkt wurden sie vom Rassenpolitischen Amt der NSDAP registriert, um sie zur Zwangsarbeit heranziehen zu können. Zu diesem Zeitpunkt gehörten 327 von ihnen der jüdischen, 30 der katholischen und zehn der evangelischen Konfession an. 20 von Ihnen – also rund 5,5 Prozent - wurden nachweisbar deportiert. Vor diesem Hintergrund stellt Sigrid Lekebusch „trotz aller Unmenschlichkeit solcher Rechnerei“ fest, dass der Status als Angehöriger einer Mischehe Jüdinnen und Juden auch im Rheinland einen relativ hohen Schutz boten. „Der Prozentsatz der Opfer aus Mischehen ist umgekehrt proportional zu den Opfern der Synagogengemeinden. Hier überlebten in der Regel nur 5%.“[15]

 

Näheren Aufschluss über Größenordnung und Zusammensetzung der gegen Kriegsende noch in Köln weilenden jüdischen Bevölkerung ermöglicht eine Statistik auf dem Stand vom 1. September 1944.[16]

Zunächst scheint diese Aufstellung eher noch neue Fragen aufzuwerfen, aber es ist davon auszugehen, dass mit der Zahl der 733 Personen in Mischehen auch die daraus erwachsenen „Mischlinge I. Grades“ erfasst wurden. Da diese – wie oben gezeigt – zu weit über 80 Prozent christlich getauft waren, fanden sie in den von jüdischer Seite geführten Statistiken keine Berücksichtigung. Insofern muss den sich stark unterscheidenden Zahlen von Überlebenden nicht zwangsläufig ein Widerspruch oder gar ein Irrtum innewohnen.

Beharrlich hält sich dabei die bereits 1959 von Zvi Asaria übermittelte Zahl von 40 bis 50 jüdischen Menschen, die „in Köln während der ganzen Zeit bis zur Befreiung verborgen bleiben konnten“, weil sie dort von „großherzigen Mitbürgern“ betreut worden seien.[17] Mit hoher Wahrscheinlichkeit legte der damalige Kölner Rabbiner bei der Ermittlung der Zahl von Überlebenden einen strengen Maßstab an und fasste nur jene darunter, die als Angehörige der Synagogengemeinde und „Volljuden“ in rein jüdischen Partnerschaften bereits seit Oktober 1941 von Deportation und Ermordung bedroht waren, während er die jüdischen Teile von Mischehen und daraus entsprungene Kinder – zumindest jene, die nicht als „Geltungsjuden“ geführt wurden - offenbar außer Acht ließ. Die New York Times schrieb auf Grundlage der Schätzung eines Köln-stämmigen US-Soldaten, der seine Eltern am 6. März 1945 in den Trümmern der Stadt lebend wiederfand, von rund 100 überlebenden Kölner Juden.[18] Eine weitaus höhere Zahl an Überlebenden nannte im Juli 1948 Moritz Goldschmidt. Im Spruchgerichtsverfahren gegen den berüchtigten Gestapobeamten Heinrich Engels sagte der langjährige Nachkriegsvorsitzende der Synagogengemeinde aus, von den rund 11.800 bei Kriegsbeginn noch in Köln lebenden Juden seien im Laufe der Jahre etwa 11.000 deportiert worden, während bei Kriegsende „noch 950 da gewesen“ seien – allerdings ohne diese wohl deutlich zu hoch gegriffene Zahl näher zu erläutern.[19] Die tatsächliche Zahl der in der Stadt selbst überlebenden Jüdinnen und Juden wird sich nicht mehr verlässlich klären lassen. Nach heutigem Kenntnisstand wird man davon ausgehen können, dass sich einschließlich der „Mischlinge I. Grades“ bei Kriegsende noch 400 bis 500 von ihnen in Köln oder der näheren Umgebung aufgehalten haben dürften. Sie lebten allesamt im Untergrund und waren auf fremde Hilfe angewiesen.[20]

Fußnoten

[1] Vgl. Jüdisches Schicksal, S. 15. Die über die Kölner Stadtgrenzen hinausreichende Synagogengemeinde zählte rund 19.500 Mitglieder. Zu den übrigen Städten vgl. Struck, Abschlussbericht, S. 6.

[2] Vgl. Horst Matzerath, Köln in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945, Köln 2009, S. 403. Die Zahl der Angehörigen der Synagogengemeinde waren von rund 19.500 bis 1937 auf 13.054 zurückgegangen.

[3] Vgl. Matzerath, Köln, S. 383 und Horst Matzerath, Der Weg der Kölner Juden in den Holocaust: Versuch einer Rekonstruktion; in: Die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Köln. Gedenkbuch, Köln 1995, S. 530-553, hier S. 551. Die Volkszählung vom 17.5.1939 machte die Rasseunterteilung der Nürnberger Gesetze erstmals zum Erhebungskriterium. Danach lebten zu diesem Zeitpunkt im Einzugsbereich der Kölner Synagogengemeinde 613 „Volljuden“ mit christlicher Konfession, 1.478 „Mischlinge I. Grades“ und 890 „Mischlinge II. Grades“. Während von den insgesamt 25.735 noch in der Rheinprovinz lebenden Jüdinnen und Juden 92,4% einer Synagogengemeinde, dagegen lediglich 2,9% der evangelischen und weitere 2,8% der katholischen Kirche angehörten, verhielt es sich bei den 5.477 „Mischlingen I. Grades“ genau umgekehrt: Lediglich 8,7% von ihnen bekannten sich zum Judentum, während 40,5% Mitglieder der evangelischen und 42,0% der katholischen Kirche waren. In diesem Zahlenverhältnis, so Sigrid Lekebusch, sei „der geringere Verfolgungsdruck auf christliche Mischlinge“ zum Ausdruck gekommen, was auch deren niedrigere Emigrationsrate erkläre. Ohne Datumsangabe, aber wohl für einen ähnlichen Zeitpunkt ermittelte sie für den Kirchenkreis Köln insgesamt 1.088 christlich getaufte Juden und „Mischlinge I. Grades“. 474 der insgesamt 533 getauften „Volljuden“ waren katholisch, lediglich 59 evangelisch. Von den 555 „Mischlingen I. Grades“ ließ sich lediglich für 84 eine katholische und für 70 eine evangelische Orientierung ermitteln, während bei 401 die Konfession unbekannt ist. (Lekebusch, Not, S. 23ff.).

[4] Vgl. Matzerath, Köln, S. 408. Es wurden 4.609 (57,6%) Menschen weiblichen und 3.391 (42,4%) männlichen Geschlechts gezählt.

[5] Jüdisches Schicksal, S. 284 und Matzerath, Köln, S. 410. Die Synagogengemeinde Köln zählte am 31.8.1941 5.931 Mitglieder. (Vgl. Matzerath, Weg, S. 551).

[6] Angabe nach „Bevölkerungsentwicklung in den Kultusvereinigungen und Bezirksstellen der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“, Oktober 1941 (http://www.statistik-des-holocaust.de/stat_ger_jkv.html (29.4.2019)). Vgl. dort auch zu den folgenden Angaben.

[7] Zusammengestellt nach den Aufstellungen der Kultusvereinigungen und den Bezirksstellen der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in ZIH 112/21b, 32 und 137a, Stadtarchiv Mainz, NL Oppenheim 52/28 sowie YVA O.8/14. Online zugänglich unter http://www.statistik-des-holocaust.de/stat_ger_jkv.html (29.4.2019). Mitte Mai 1941 trat eine neue Bezirkseinteilung in Kraft. Dadurch wurde der alte „Bezirk Köln“ unter dem Dach der Reichsvereinigung zum „Bezirk Rheinland“. Ab Juni 1941 gab es dann vorübergehend offenbar eine Aufteilung in die „Kultusvereinigung Köln“ und den Bezirk Rheinland. Ab Mai 1941 wurden die Erhebungskriterien um eine neue Rubrik „Binnenwanderung“ („einschließlich: sonstige Veränderungen (neu erfasste Personen, zurückgekehrte Kinder aus Belgien und Holland, Austritte aus dem Judentum)“) ergänzt, die hier – mal als Zuzug, mal als Weggang - nicht eigens erfasst, aber bei der Gesamtzahl berücksichtigt wird. Für Juli und August 1942 liegen keine Zahlen vor. Ab September 1942 hatte sich die Struktur erneut verändert. Es tauchten nun keine Kultusvereinigungen aus Großstädten mehr auf, sondern ausschließlich die Bezirksstellen der Reichsvereinigung, in denen die Kultusvereinigungen aufgegangen waren. Sie werden in dieser Tabelle nicht unter „Rheinland“, sondern unter „Köln“ erfasst. Auch nun gab es immer noch „Karteibereinigungen“, die nicht auf Deportationen zurückzuführen waren.

[8] Vgl. Matzerath, Köln, S. 417f.

[9] Vgl. Kingreen, Verfolgung, S. 190. In Frankfurt war die jüdische Gemeinde bis 1941 auf 10.592 Personen geschrumpft. Vgl. Schrafstetter, Flucht, S. 81. Anfang Oktober 1942 lebten hier nur noch 817 von ihnen. (Vgl. Beer, Banalität, S. 114f.).

[10] Vgl. Schrafstetter, Flucht. Von den Anfang November 1941 noch in München lebenden 3.240 Juden waren dort Ende 1942 nur noch 645 offiziell gemeldet.

[11] In Berlin, dessen jüdische Gemeinde im Juni 1933 noch 160.564 Mitglieder gezählt hatte, gelang rund 90.000 Juden die Emigration. (Vgl. Lutjens, Untertauchen, S. 49). Die Sonderstellung Berlins hing mit einer Reihe von Faktoren zusammen. Der wahrscheinlich wichtigste Grund war wohl die Ungleichzeitigkeit der Deportationen in den einzelnen Regionen des Reichsgebiets. Anfang Oktober 1942, als die Deportationen in vielen Städten bereits weitgehend abgeschlossen waren, lebten in der Reichshauptstadt noch über 40.000 Juden. Das bedeutet auch, dass Juden in Berlin besser über die Folgen der Deportationen informiert waren, was eine wichtige Motivation zum Untertauchen dargestellt haben dürfte. (Vgl. Beer, Banalität, S. 114f.).

[12] Vgl. Schrafstetter, Flucht, S. 81f. In einer Mitteilung der Synagogengemeinde Köln an die Reichsvereinigung der Juden in Berlin vom 4. Januar 1942 wird die Zahl der zu diesem Zeitpunkt noch im Stadtgebiet lebenden Juden mit 2.580 angegeben. Grund für die Erhebung war der seitens der Kölner Gestapo formulierte Auftrag, „sämtliche Juden in das Fort V und das Barackenlager umzusiedeln und zwar sofort beginnend“. Zur Zahl von 2.580 waren nach Angabe der Synagogengemeinde noch die jüdischen Partner der auf rund 300 bezifferten „Mischehen“ hinzuzurechnen, womit sich die Gesamtzahl Anfang Januar 1942 auf etwa 2.880 belaufen haben dürfte. (Vgl. BAB, R 8150/127, Bl. 88f.: Jüdische Kultusvereinigung – Synagogengemeinde Köln an Reichsvereinigung der Juden, 4.1.1942).

[13] Vgl. hierzu http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420720.html, http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420727.html, http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420905.html und http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_43t.html (2.5.2019). Angesichts der rapide sinkenden Zahl der Gemeindemitglieder wurde die Synagogengemeinde Köln auf Anweisung von Adolf Eichmann bereits im Oktober 1942 aufgelöst. (Vgl. Langrock, Frage, S. 128). Zahlen zu Deportationen bleiben stets mit einigen Unsicherheiten belastet. Vgl. etwa die Aufstellung bei Dieter Corbach, 6.00 Uhr ab Messe Köln-Deutz, Deportation 1938-1945. Deportationen 1938-1945, Köln 1999, S. 57, und deren kritische Kommentierung ebenda, S. 191ff. Danach stammten beim Transport nach Izbica am 15. Juni 1942 lediglich 318 der insgesamt 1.066 Deportierten aus Köln selbst, während sich der am gleichen Tag nach Theresienstadt fahrende Zug mit 963 Insassen offenbar ausschließlich aus Kölner Jüdinnen und Juden zusammensetzte. Ein von Asaria auf den 1. Oktober 1944 datierter Transport von 580 Personen (300 Männer und 280 Frauen) nach Theresienstadt wird in den Unterlagen der dortigen Gedenkstätte nicht erwähnt, während H.G. Adler, Theresienstadt 1941–1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 708, zuvor lediglich die Anzahl der Deportierten angezweifelt hatte.

[14] Vgl. Lekebusch, Not, S. 37ff. Zwischen 1927 und 1935 waren in Köln 409 Mischehen geschlossen worden, bei denen in 275 Fällen der „arische“ Ehepartner katholisch, in den übrigen 134 evangelisch war. Seit 1934 waren solche Eheschließungen drastisch zurückgegangen und wurden, weil sie nach den Nürnberger Gesetzen nun als „Rassenschande“ galten, gänzlich verboten. Zwischen 1930 und 1938 wurden – mit deutlichem Schwerpunkt auf dem letztgenannten Jahr - in Köln 122 der Mischehen wieder geschieden, während die weitaus meisten dieser Verbindungen dem Verfolgungsdruck standhielten.

[15] Lekebusch, Not, S. 39.

[16] BAB, R 8150/32. Entnommen aus http://www.statistik-des-holocaust.de/stat_ger_pop.html (29.4.2019). Köln wies damit zu diesem Zeitpunkt nach Berlin (5.849) und Hamburg (873) die höchste Zahl an noch verbliebenen Jüdinnen und Juden auf. Es folgten Breslau (695), Düsseldorf (616), München (457) und Frankfurt (403). Anders als für viele andere Städte liegen für Köln für die Zeit bis zum Kriegsende keine weiteren Zahlen mehr vor, was unmittelbar mit der noch ausführlich darzustellenden „September-Aktion“ zusammenhängen dürfte. In Frankfurt waren am 1.1.1945 noch 406, in München am 1.2.1945 sogar noch 513 und in Hamburg am 1.3.1945 noch 651 Juden registriert. Für Berlin wurden zum 1.3.1945 insgesamt 6.284 angegeben.

[17] Zvi Asaria, Die Juden in Köln von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart, Köln 1959, S. 399.

[18] Vgl. hierzu Grübel, Monika: Nach der Katastrophe. Jüdisches Leben in Köln 1945 bis 1949; in: Günther B. Ginzel/Sonja Güntner (Hgg.), „Zuhause in Köln …“. Jüdisches Leben 1945 bis heute, Köln/Weimar/Wien, 1998, S. 42-54, hier S. 42. Grübel erwähnt hier auch eine am 23. März 1945 im „Aufbau“ abgedruckte Notiz, nach der etwa 200 Juden „aus den Ruinen Kölns zum Vorschein gekommen“ seien. Am 26.3.1945 gab die Militärregierung 251 Lebensmittelkarten an Kölner jüdischen Glaubens aus. (Diese Zahl nach Reinhold Billstein/Eberhard Illner, You are now in Cologne. Compliments. Köln 1945 in den Augen der Sieger. Hundert Tage unter amerikanischer Kontrolle, Köln 1995, S. 47). Eine am 13. April 1945 an gleicher Stelle veröffentlichen Aufstellung „Die Geretteten von Köln - Erste Liste“ umfasste dann 157 Namen, brach aber beim Buchstaben „N“ ab. Hierbei dürfte es sich um die oben bereits vorgestellte „List of Jews Liberated at Cologne“ gehandelt haben, die in ihrer ersten Version 277 Namen von Menschen umfasste, die - einschließlich etwaiger nicht-jüdischer Ehepartner - nach NS-Kriterien als Juden oder „Mischlinge 1. Grades“ galten und deshalb verfolgt worden waren.

[19] BAK, Z 42-V-0668, Bl. 177. Vielleicht bezog sich Goldschmidt hierbei auf die hier bereits erwähnte, Ende 1947/Anfang 1948 entstandene Aufstellung der „Gemeindemitglieder der Synagogengemeinde Köln“.

[20] Hinzu kamen dann jene Überlebenden, die ab Juni 1945 aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern - insbesondere aus Theresienstadt - nach Köln zurückkehrten. Vgl. hierzu Grübel, Katastrophe, S. 43f.

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