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Schächten

Schächten

Das Schächten ist ein Schlachtverfahren zur Fleischgewinnung aus der Haustierhaltung von Wiederkäuern und Geflügel. Es ist seit jeher fester Bestandteil jüdischer Lebensführung und wurde vor rund 1.700 Jahren von siedelnden Juden in die Regionen nördlich der Alpen mitgebracht. Der Begriff „Schächten“ (Schechita) kommt aus dem Hebräischen und wird vom Verb „schachach“ abgeleitet, das „hin- und herziehen“ (des Messers) bedeutet. Schächter waren vom Rabbiner bestellte Gemeindebeamte. Überall in Europa sah sich das als „unmenschlich“ empfundene Schächten seit Jahrhunderten einer gewaltigen Opposition gegenüber.

Schon seit dem Mittelalter wurde Juden Grausamkeit und Blutdurst unterstellt, was immer wieder dazu genutzt wurde, Integrationsbestrebungen in die deutschen Gesellschaften durch offen antisemitische Zurückweisungen, rechtliche Benachteiligungen und gewaltsame Ausschreitungen zu ver- oder zumindest zu behindern.

Das betraf auch die Praxis des Schächtens. Erstmals Gegenstand parlamentarischer Debatten war es bereits 1864 im Landtag von Baden. Auch in weiteren Länderparlamenten sowie auf Reichsebene wurden Gesetzesvorlagen zum Verbot des Schächtens eingereicht, die jedoch allesamt abgewiesen wurden. Einzig das Königreich Sachsen erließ 1892 ein Schächtverbot.

1894 veröffentlichte das drei Jahre zuvor ins Leben gerufene „Komitee zur Abwehr des Antisemitismus“ Äußerungen von 250 unabhängigen europäischen Experten aus Universitäten, Veterinärämtern und Schlachterinnungen, die zu dem Schluss kamen, dass Schächten nach jüdischem Vorbild die humanste aller gegenwärtigen Schlachtmethoden sei. Bereits ein Jahr zuvor war in Preußen verfügt worden, dass sämtliche lokalen Schächtverbote zu annullieren seien; 1910 wurde schließlich auch das sächsische Schächtverbot zurückgenommen.

In der Folge wurde Schächten deutschlandweit zur Standardmethode beim Schlachten. Metzgerinnungen und Großschlächtereien stellten sich entsprechend um und christliche Schlachter erlernten das Schächten bei Juden.

Ab Ende der 1920er Jahre griffen dann die aufstrebende NS-Bewegung das Thema erneut auf. In einem Vortrag mit dem Titel „Kampf der NSDAP gegen Tierquälerei. Tierfolter und Schächten“ bezeichnete der Arzt Albert Eckhard 1931 in Hannover das Schächten als archaisch, grausam, blutrünstig, abartig und als von Juden einzig aus Geldgier betrieben - allesamt seit dem Mittelalter für antisemitische Hetze typische Attribute.

Mit zunehmendem NS-Einfluss wurde Schächten in mehreren Länderparlamenten erneut verboten; ab Mai 1933 dann im gesamten Reichsgebiet. Schächten wurde von einem Tag auf den anderen kriminalisiert und als Tierquälerei diffamiert und im Sommer 1933 wurden sämtliche Schächtmesser konfisziert. Schnell wurde koscheres Fleisch knapp, erst recht, nachdem Importe aus Dänemark und Südamerika 1936 verboten worden waren. Es breitete sich ein regelrechter Schwarzmarkt für koscheres Fleisch aus.

Nach 1945 verzichtete die bundesrepublikanische Nachkriegsgesetzgebung auf eine Veränderung des NS-Tierschutzgesetzes. Daher ist Schächten bis heute in Deutschland gesetzlich verboten.

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