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Jawne (Reformrealgymnasium)

Die Jwane war ein 1919 eingerichtetes jüdisch-orthodox orientiertes Gymnasium in Köln.

In der St. Apernstraße 29-31 unterhielt die jüdisch-orthodoxe Gemeinde „Adass Jeschorun" eine Synagoge und ein Schulgebäude, in dem das jüdische Lehrerseminar, die ihm angegliederte Volksschule Morijah sowie das Reformrealgymnasium Jawne untergebracht waren. Damit stellte dieser Gebäudekomplex eines der Zentren jüdischen Lebens in Köln dar.

Die Jawne war 1919 auf Innitiative des Rabbiner Dr. Emanuel Carlebach und Dr. Benedikt Wolf gegründet worden. Sie verstand sich als höhere Schule mit jüdisch-orthodoxer Orientierung. Träger der Schule war der Verein Jawne e.V., in dem die jüdische Kölner Großgemeinde und die Trennungsgemeine „Adass Jeschorun" eng zusammenarbeiteten. Seit 1929 wurde die Jawne von Dr. Erich Klibansky geleitet, der 1939 die Auswanderung mehrer Klassen der Schule aus Deutschland nach England organisieren konnte. Klibansky selbst blieb in Köln und wurde mit seiner Familie deportiert und ermordet.

Im Jahre 1937 hatte die Jawne, die einzige jüdische höhere Schule des Rheinlands, mit über 400 Jungen und Mädchen die seit ihrer Gründung im Jahre 1919 höchste Schülerfrequenz aufzuweisen. Viele Schüler kamen täglich aus Orten des gesamten Rheinlandes; von 1932/33 bis 1938 stieg der Anteil auswärtiger Schüler von 7 auf 25 Prozent. Die Bemühungen, den Unterricht den Erfordernissen einer Vorbereitung auf das Leben in der Emigration anzupassen, führten vor allem zu einer Intensivierung des Fremdsprachenunterrichts. Mit Beginn des Schuljahres 1937/38 wurde zum ersten Mal der Versuch unternommen, durch Einrichtung von Klassen mit englischer Unterrichtssprache Absolventen der Untersekunda die Prüfung für das Cambridge School Certificate, das u.a. für den Zugang zu akademischen Studien im Ausland von Bedeutung war, zu ermöglichen. Interessanterweise gewann auch die lateinische Sprache (als „Grundsprache aller romanischen Sprachen") gegenüber dem Französischunterricht an Gewicht. Der hebräische und jüdische Unterricht wurde im Hinblick auf die geplante Einwanderung nach Palästina besonders gepflegt. Im Verlauf des Jahres 1938 sah sich die „Jawne“ wachsenden Schwierigkeiten gegenüber. Sinkende Schülerzahlen erzwangen Sparmaßnahmen wie z. B. die Zusammenlegung von Klassen. Die Pogromnacht, in der es zur Verhaftung einiger Lehrer kam und das Innere der Schule schwer beschädigt wurde, bedeutete auch für die Jawne den Beginn ihrer letzten Phase. Der Schulbetrieb konnte zwar nach kurzer Zeit - zunächst mit den nicht verhafteten Lehrern - wiederaufgenommen werden, doch sank die Schülerzahl infolge der Auswanderungen bis zum März 1939 auf ca. 160. Das Reifezeugnis der jüdischen Schulen wurde im Deutschen Reich nicht mehr anerkannt. Angesichts der sich verschlechternden politischen Lage forcierte Klibansky zu Beginn des Jahres 1939 seine Bemühungen um eine Übersiedlung der Schule nach England. In London erreichte er die Einrichtung eines Internats für seine Schüler. Anfang Mai 1939 begleitete er selbst die ersten Schüler nach London. Später schlossen sich auch einige Lehrer an. Die Gesamtzahl der auf diese Weise Geretteten (die Zahlen schwanken) dürfte bis zum Kriegsausbruch, der weiteren Transporten ein Ende bereitete, bei 70 bis 100 Kindern liegen. Im Juni 1940 sprach die Regierung den jüdischen höheren Schulen das Recht ab, Reifeprüfungen abzuhalten. Fortan durften nur noch „Leistungsprüfungen" durchgeführt werden. Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland forderte die Direktoren der in Deutschland noch existierenden höheren Schulen zur Schließung der kostspieligen, schwach besetzten Klassen auf. Aufgrund von Einsprüchen konnte zwar noch erreicht werden, dass die wenigen Absolventen der Jawne im April 1941 an der in Berlin abgehaltenen „Leistungsprüfung" teilnehmen konnten, doch entschloss sich Klibansky (vermutlich Mitte des Jahres) 1941 zur Schließung der Jawne, als er erfuhr, dass nicht einmal die Hebräische Universität in Jerusalem die „Leistungsprüfung" als vollwertig anzuerkennen bereit war.

1943 fiel das Schulgebäude, in dem längst keine jüdischen Kinder mehr unterrichtet wurden, einem Bombenangriff zum Opfer. Im Mai des Jahres erwarb die Stadt Köln das Grundstück für 93.000 RM von der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland", wobei sich deren den „Verkauf" beglaubigende Vertreter zu diesem Zeitpunkt bereits im Sammellager „Fort V" in Köln-Müngersdorf befand.

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