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Emigration

Emigration

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 die Macht übernommen hatten, setzte eine Flucht- und Emigrationsbewegung ein. Bis 1945 verließen etwa 500.000 Menschen den deutschsprachigen Raum, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Mehr als 90 Prozent davon waren jüdischer Herkunft.

Die Menschen flohen in etwa 80 Länder in allen Kontinenten, zuerst aber meist in die Nachbarländer des Deutschen Reiches, später vornehmlich in die USA. Die jüdische Emigration führte hauptsächlich in die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Palästina, später auch nach Lateinamerika und Shanghai. Nach dem Novemberpogrom 1938 erreichte die Fluchtbewegung ihren Höhepunkt, bis im Oktober 1941 jegliche Auswanderung verboten wurde.

Die Anzahl der politischen Flüchtlinge betrug etwa 30.000 bis 40.000, die überwiegend in der Zeit unmittelbar nach der Machtergreifung emigrierten. Viele kamen mit einer illegalen Flucht einer Inhaftierung im KZ zuvor. Neben politischen Aktivisten wie Kommunisten, Sozialisten und Gewerkschafter emigrierten zahlreiche Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler.

Während das Schicksal der politischen Flüchtlinge mittlerweile vergleichsweise gründlich erforscht ist, wurde die jüdische Auswanderung mit ihren ungezählten Problemen und Einzelschicksalen weit weniger intensiv behandelt. Erschwerend hinzukommt, dass jüdische Emigration stets auch die Auswanderung von Menschen einer sehr heterogenen Bevölkerungsgruppe bezeichnet, die – außer der seitens des NS-Regimes unterstellten Abstammung – oft wenig gemeinsam hatten.

Genaue Zahlenangaben zur Zahl jüdischer Emigranten sind nicht möglich, da weder deutsche Behörden und noch jüdische Verbände hierzu umfassend Daten erhoben haben. Nach seriösen Schätzungen haben im Zeitraum zwischen 1933 und 1945 zwischen 250.000 bis 300.000 Jüdinnen und Juden Deutschland verlassen. Die größte Auswanderungswelle wurde 1938 durch das Novemberpogrome ausgelöst: zwischen 33.000 und 40.000 Menschen emigrierten bereits 1938 aus Deutschland, ein Jahr darauf betrug die Zahl der jüdischen Auswanderer 75.000 bis 80.000. Als dann am 23. Oktober 1941 ein Auswanderungsverbot erlassen wurde, hielten sich innerhalb der Grenzen des „Altreiches“ noch 75.816 Jüdinnen und Juden auf.

Bezüglich der jüdischen Auswanderung aus Deutschland betrieb das NS-Regime eine widersprüchliche Politik, indem es einerseits bis in die ersten Kriegsjahre die Auswanderung forcierte und permanent versuchte, die jüdische Bevölkerung durch Gesetze und öffentliche Diskriminierung hierzu zu bewegen. Gleichzeitig behinderten andererseits aber zahlreiche Abgaben und restriktive Ausfuhrbestimmungen die Emigration, wodurch die meisten Ausreisewilligen nahezu mittellos waren.

Die hieraus resultierenden materiellen Probleme, die Ungewissheit über zurückgelassene Angehörige und die erzwungene Emigration in eine unbekannte und ungewisse Zukunft brachten viele Emigranten an den Rand ihrer Belastbarkeit und ließen viele von ihnen auch verzweifeln.

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