Der Sicherheitsdienst der SS berichtet
In den „Meldungen aus dem Reich“ (Nr. 374) heißt es am 8. April 1943 u.a.:
„Erfolge der Kirche in der Jugendbeeinflussung.
II. Gottesdienste und Andachten, Jugendfeiern, Unterhaltungsabende und konfessionelles Schrifttum im Dienste der christlichen Jugenderziehung.
Der Beitrag, der in den letzten Meldungen aus dem Reich enthalten war, hat die kirchlichen Unterweisungsmittel wie Seelsorge- und Glaubensstunden, die erweiterten Konfirmations- und Kommunionstunden, die religiösen Arbeitsgemeinschaften, Bibelstunden und Christenlehre, die Messdienerschulung und Erteilung von Privatunterricht durch Geistliche und Ordensangehörige herausgestellt, Methoden des Vordringens der Kirche, in denen die schulmäßigen Mittel des Klerus im Vordergrund stehen.
Die zweite Hauptform, der sich die Kirche bei der Beeinflussung der Jugend bedient, ist eine neue Ausgestaltung der Kindergottesdienste, Andachten und Jugendfeiern, bei denen die kultische Handlung, und die Abhaltung besonderer Film-, Musik-, Theater-, Lese- und Bastelabende, in denen der unterhaltende Teil den Mittelpunkt des Interesses bildet.
Die Meldungen bestätigen, dass diese Methoden eine noch stärkere Anziehung auf die Jugend auszuüben vermögen als die rein schulmäßige Unterweisung.
1. Kindergottesdienste und Kinderpredigt-Gottesdienst für Schulanfänger.
Eine weitere Gelegenheit zur Vertiefung des Glaubensgutes im Rahmen der religiösen Gesamtausbildung der Jugend sieht die katholische Kirche in den zahlreichen, meist festlich gestalteten Kindermessen mit ihren Kurzpredigten und Ansprachen. Zu ihnen gehören die Schulanfängergottesdienste und die sonntäglichen Kindergottesdienste und Andachten.
Jedes Jahr werde zu Beginn des neuen Schuljahres von beiden Kirchen besonders auf die Wichtigkeit der Schulanfängergottesdienste hingewiesen. Biete sich doch hier Gelegenheit, nicht nur den Eltern ein nachdrückliches Wort über Wert und Notwendigkeit christlicher Erziehung zu sagen, sondern auch den Schulneulingen eine kurze religiöse Unterweisung zuteilwerden zu lassen. Die Kleinen würden - den Meldungen zufolge - für diese Gottesdienste gewonnen durch Aushändigung kleiner Geschenke, selbst durch Vorführung farbiger Lichtbilder und Filmstreifen im Anschluss an den Gottesdienst und Aushändigung eines Gedenkblattes. Die Bedeutung dieser Gottesdienste wird von den Kirchen durch die Herausgabe besonderer Richtlinien für die Ausgestaltung dieser Messen und Anweisungen über die Kurzpredigt unterstrichen.
‚Im sonntäglichen Kindergottesdienst empfiehlt es sich, auch kurze Ansprachen einzuflechten. Sie bieten dem Seelsorger eine willkommene Gelegenheit, um auf die Seelen der Kinder einzuwirken. Dabei ist zu beachten, dass sich diese Kinderpredigten nur mit einem Gedanken befassen und ein klares Ziel erkennen lassen. Ein Zuviel würde an Auffassungsgabe und Gedächtnis der Kinder zu hohe Anforderungen stellen. Trotzdem darf in keinem Fall auf eine kurze, packende Kinderpredigt, durch die im Laufe eines Jahres viel zur Vertiefung des katholischen Glaubensgutes getan werden kann, verzichtet werden. Auch die Erwachsenen ziehen aus dieser kindertümlichen kurzen Unterweisung großen Nutzen. Sie können bei der Erziehung der Kinder auf das hinweisen, was sie in der Predigt gehört haben. Zu beachten ist auch, dass die kirchlichen Gewänder bei Kindermessen festlicher als bei gewöhnlichen Feiern gewählt werden.’(Aus dem Referat des Leiters eines Seelsorgeamtes) (Linz, ähnlich: Graz).
Die Durchführung der Gottesdienste für Schulanfänger erfolgt in durchaus neuartiger Form.
‚In vielen Orten sind die Gottesdienste für Schulanfänger im Laufe der Jahre zur Regel geworden. Zur Teilnahme am Gottesdienst werden die Gemeindemitglieder durch Anzeige in den Tageszeitungen (Gottesdienstordnung), durch Hinweise in den sonntäglichen Gottesdiensten, aber auch durch persönliche Einladungen aufgefordert. In manchen Gemeinden würden besondere religiöse Weihen für die Schulneulinge durchgeführt, zu denen die Schulanfänger mit ihren Müttern in der Kirche erschienen waren. In einem Falle wurden die Kinder außerdem mit ihren Eltern nach Beendigung des Gottesdienstes und Aushändigung eines Gedenkblattes unter Vorantritt des Pfarrers und unter Glockengeläute bis zum Schuleingang gebracht, wo sich der Geistliche von jedem einzelnen Kind und der Mutter durch Handschlag verabschiedete. Vielfach erfolgte auch eine feierliche Einholung der Kinder und ihrer Eltern in die Kirche. Gleichzeitig wurde in einer Kurzpredigt für die Jugendseelsorgestunde geworben. Die Kirchen selbst zeigten meist reichen Blumenschmuck.’ (Breslau, ähnlich: Nürnberg, Hamburg, Münster, Bayreuth).
2. Schülergottesdienste und Jugendandachten.
Für die älteren Jugendlichen bilden die Schülergottesdienste und die gewöhnlich an einem Sonntagnachmittag oder -abend stattfindenden Jugendandachten einen festen Bestandteil der religiösen Gesamtausbildung und Erziehung der Jugend. Nach den Angaben der Meldungen dienen sie nicht nur der Vermittlung christlichen Glaubensgutes, sondern werden auch als zusätzliche Stunden für den Erstbeicht-, Kommunion-und Firmungsunterricht benützt.
‚Die Schülergottesdienste und Andachten sind nicht Ersatz für den Schulunterricht in Religion, sondern gleichwertiger Zusatz zur Willens- und Gemütsbildung. Sie sind darum nicht etwa ein Provisorium oder ein Notbehelf, sondern sind und bleiben ein wesentlicher Bestandteil der religiösen Gesamtbildung, ein Weg zur Vermittlung des christlichen Glaubensgutes und der christlichen Sittenlehre, zur Erziehung zum Tatchristen.’ (Aus einem bischöflichen Rundschreiben) (Linz).
Die Agitation der Kirche für den Besuch dieser Schülergottesdienste und Andachten geht weit über den Rahmen der sonst üblichen Werbung hinaus, ein Zeichen für den Wert, der auf den regelmäßigen Besuch dieser Einrichtungen gelegt wird.
‚In allen größeren Gemeinden werden regelmäßig zwei- bis dreimal in der Woche Schulmessen abgehalten, soweit nicht die Frühmesse als Schülergottesdienst gilt. Die Werbung für den Besuch dieser Frühmessen durch die Ortsgeistlichen nimmt weithin ein verstärktes Ausmaß an. Nicht nur im Kirchenanzeiger, sondern auch hei gelegentlichen Hausbesuchen, vor allem aber in den Konfessionsstunden, im Beichtstuhl und in Predigten werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um den Besuch dieser Messen durch die Schüler zu fördern. Vielfach dringen aber die Mütter auch von sich aus auf den Besuch dieser Gottesdienste, soweit sie die Kinder nicht selbst in die Messe begleiten. Die Kinder selbst werden auch unter dem Vorwand dazu angehalten, für den Vater oder den Bruder, der im Felde steht, zu beten, eine Aufforderung, der sie sich aus Gewissensgründen kaum zu entziehen vermögen. Der Besuch dieser Schülergottesdienste werde auch von konfessionell gebundenen Lehrkräften unterstützt.
Um einen besseren Besuch der Schülermessen und Andachten zu erreichen, erwähnen die Geistlichen in Religionsstunden und Christenlehren auch diejenigen Kinder namentlich, die fleißig die Schulmessen besuchen, oder händigen ihnen Geschenke irgendwelcher Art aus (Bilder, kleine Schriften usw.), eine Art der Werbung, die besonders bei Mädchen ihre Wirkung nicht verfehlt. In einem Falle wurde sogar jedem Kinde, welches das Jahr über fleißig die Schulmesse besuche, ein Weihnachtsgeschenk von RM10,- versprochen. Wenn auch der Besuch der Schulmessen meist nur auf Druck von Seiten des Elternhauses oder der Schule erfolgt, so geht der stärkere Besuch jener Schülergottesdienste, die als Singmessen (Engelämter) abgehalten werden, wesentlich auf die Freude am Mitsingen zurück. Daneben spielt auch die Ausschmückung der Kirche an hohen Festtagen wie z. B. in der Weihnachtszeit mit Krippendarstellungen usw. eine gewisse Rolle.’ (München).
3. Kirchliche Jugendfeiern als religiöses Erziehungsmittel.
Wie die Meldungen zeigen, haben die Kirchen es mit Erfolg verstanden, die Feier in den Mittelpunkt ihrer Jugendseelsorge zu stellen. Die katholische Kirche versuche nicht nur jede einfache Unterweisungsstunde in eine kleine Feier zu verwandeln, -ganz abgesehen von den hochfestlichen Tagen der Erstkommunion und Firmung - sondern nütze auch jede sonstige Gelegenheit aus, um die katholische Jugend zu Jugendfeiern zusammenzuziehen, auf welche die Bevölkerung in den Predigten oder auch durch besondere Einladungsschreiben hingewiesen werde.
Die Feier selbst stehe unter irgend einem religiösen Motto und werde durch musikalische Darbietungen, Sprechchöre, Prozessionen, symbolische Handlungen und eine reiche Ausschmückung der Kirche zu einem persönlichen Erlebnis für die Beteiligten. In den Berichten heißt es darüber u. a.:
‚Die Einladungen der Jugend zu besonderen kirchlichen Feiern werden immer in einem ansprechenden Tone gehalten und oft durch die Post als Einschreibebriefe zugestellt. Um eine gute Teilnahme zu erreichen, werden außerdem in den Tagen vor der eigentlichen Feier Einführungsvorträge und Schulungsabende veranstaltet, wobei Filmvorführungen (Farbfilme) bei Jugendlichen den Wunsch nach Teilnahme wecken sollen. Der Grund, warum sehr oft diesen Feiern gegenüber Veranstaltungen der HJ. den Vorzug gegeben wird, dürfte wohl daran liegen, dass dem Einzelnen mehr geboten, ihm mehr Freiheit und freiwillige Unterordnung gelassen wird.’ (Bayreuth).
‚Die Erfolge der kirchlichen Jugendarbeit zeigen sich klar und eindeutig bei den im vergangenen Jahre abgehaltenen kirchlichen Feiern, bei denen die Jugend trotz aller Anstrengungen der HJ. meist gleich stark, teilweise noch stärker wie im Jahre vorher vertreten war. Das ergab sich schon aus der Beteiligung und Ausgestaltung des >Weißen Sonntags < und setzte sich über die Glaubensfeiern, die Maiandachten und den vielen sonstigen Jugendfeiern bis zur Fronleichnamsprozession fort. Die starke Beteiligung der Jugend ist auch von den Bischöfen selbst als Erfolg der kirchlichen Arbeit anerkannt und gewertet worden.’ (Frankfurt/Main).
‚Durch besonders gepflegte, gut vorbereitete Feierstunden versuchen die Kirchen, die Feierstunden der Partei und der Hitlerjugend als weltanschauliches Erlebnis abzuschwächen oder auszuschalten. Der Empfänglichkeit der Jugend für festliches Gepränge wird dabei immer besonders Rechnung getragen.
So heißt es z. B. über die >Glaubensfeier der katholischen Jugend< in einem Bericht:
>Nicht nur, dass der Kirchenraum mit über 600 Jugendlichen bis zum letzten Platz gefüllt war, waren auch alle Altäre, vor allem aber der Marienaltar über und über mit Blumen und frischem Grün, teils mit Tannen geschmückt und gleichzeitig durch zahllose brennende Kerzen erleuchtet. Wegen der Offenheit des Raumes bot die Kirche in ihrer feierlichen Beleuchtung und dem prächtigen Schmuck von vornherein ein erhebendes Bild für die einziehende Jugend. Der feierliche Einzug der einzelnen Pfarreien mit über 20 Bannern und Fahnen gab der Feier schon gleich einen überaus festlichen Beginn. 20 Messdiener und die Geistlichen gaben der Fahnenabordnung das Geleit zum Altar. Die Predigt selbst - gut vorgetragen - machte auf die Jugend einen durchaus tiefgehenden Eindruck. Nicht weniger auch der feierliche Fahnenausmarsch, mit dem der Gottesdienst seinen Abschluss fand.’ (Bielefeld, ähnlich: Koblenz, Bayreuth).
4. Der Film in der konfessionellen Jugenderziehung.
Ein besonders wirksames Hilfsmittel der Kirchen in der christlichen Jugenderziehung bedeutet fraglos der Gebrauch des Films. Er finde bei allen Gelegenheiten sowohl in der Katechese wie in besonderen Feierstunden, Heimabenden und Arbeitsgemeinschaften Verwendung. Die Gefahr der kirchlichen Beeinflussung der Jugend, auf die in allen Meldungen immer wieder hingewiesen wird, sei bei der Beliebtheit, der sich die Vorführungen von Filmen, vor allem Farbfilmen, aber auch Bildbändern und Stehbildern erfreue, außerordentlich groß.
‚Immer wieder muss festgestellt werden, dass die katholische Kirche Farbfilme, Bildbänder, auch Stehbilder christlichen Inhalts im Religionsunterricht, in der Christenlehre oder in den abendlichen Jugendzusammenkünften verwendet. Mit Hilfe des Films erfolgt bei älteren Schülern z. B. eine Einführung in die christliche Kunst und zwar durch Vorführung christlicher Kunstwerke der Architektur, Plastik, Malerei, aber auch von Holzschnitten, Scherenschnitten, Zeichnungen usw., alles umrahmt von erläuternden Worten des Geistlichen, von Gesang und Musik.
Für die jüngeren Schüler werden die religiösen >Bildbanderzählungen< verwendet (z. B. >Krippen-feier für 5-7-jährige Kinder’, >Das Fest der heiligen drei Könige’ u. a.), die teilweise in den Caritasschulen im Rahmen des Handarbeits- und Werkunterrichts gefertigt und von der Caritas-Lichtspielgesellschaft Freiburg im Breisgau (Calig) vertrieben werden. Besonders erwähnt werden muss auch die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche auf diesem Gebiet und zwar sowohl bei der Herstellung der Filme und Bilder als auch im Verleih. Bekannte, in den kirchlichen Unterweisungsstunden und bei Feiern verwendete kulturelle Filme der Calig sind folgende: >Auf Gottes Spuren in deutscher Heimat’, >Das Straßburger Münster’, >Von Gottes Wohnhaus’, >Die religiöse Durchdringung der mittelalterlichen Kultur’, >Zum römischen Reich deutscher Nation’.
Besonders gerne verwendet wurden auch Märchenfilme, Stehbilder und Scherenschnitte von allen Märchen mit konfessionellem Einschlag, wie z. B. >Die Geschichte einer Mutter’ von Andersen, >Das Märchen vom Sterntaler’ von Grimm, >Der verrostete Ritter’ von Volkmann-Leander u. a. Selbst Filme wie >Das Priestertum der Eltern’ und religiöse Volkserzählungen wie z. B. >Wovon die Menschen leben’, >Zwei Wallfahrer’, >Wo Liebe ist, da ist auch Gott’, usw. müssen der christlichen Jugenderziehung dienen. Es wird berichtet, dass diese Bildstreifen oder Bilder, vor allem wenn es sich um farbige Darbietungen handelt, bei der Jugend begeisterte Aufnahme finden.’ (Karlsruhe).
Der Film wird als Mittel besonders in den kirchlichen Unterweisungsstunden außerhalb der Schule für alle Lebensalter eingesetzt, wobei im wesentlichen Bildmotive gezeigt werden, die über die religiöse Seite hinaus ein allgemein ansprechendes Interesse haben.
‚Neben dem Lichtbild hat der Film in Form des Schmalfilms in der kirchlichen Unterweisung (Katechese) weitgehend Verwendung gefunden. Er dient sowohl zur Unterrichtung der Kleinen im vorschulpflichtigen Alter und im ersten Schuljahr als auch im religiösen Anschauungsunterricht der reiferen Jugend zur Unterrichtung und Festigung im Glauben.
Farbige Filme zeigen den Aufbau kirchlicher Feierstunden der evangelischen wie katholischen Kirche, sie illustrieren die Kirchengeschichte, zeigen christliche Lebensbilder (Bismarck - der christliche Glaube in der Entwicklung seines Lebens’, >Martin Luther’, >Wilhelm Raabe’, >Gorch Fock - ein christliches Seemannsleben’, >Walter Flex - Soldat und Christ’), oder bringen Bilder aus der äußeren Mission: >Eine Station der Berliner Mission an der Küste Ostafrikas’ usw., aber auch aus der Neuzeit, wenn auch unter Herausstellung christlicher Momente, z. B. die Umsiedlung der Wohlhynien-, Galizien- und Baltendeutschen. >Balten kehren heim ins Reich’ usw. Ebenso beliebt sind aber auch Darstellungen aus dem täglichen Leben wie z. B. >Der Tageslauf der christlichen Mutter’ oder die Lebensgeschichte christlicher Frauengestalten, auch kolorierte Filme oder Bildbänder bekannter Märchen.
Ihr häufiger Gebrauch bildet eines der besten Lockmittel für den Besuch der Glaubensstunde, der Christenlehre usw. Sie dienen jedoch gleichzeitig auch der Unterweisung über kultische Vorgänge (Liturgie, Brauchtum), wie zur Darstellung geschichtlicher Ereignisse, der >Heils- und Kirchengeschichte’ oder eines Heiligenlebens, zur Veranschaulichung und Erklärung des Sinnbildes und Symbols, als auch zur Einstimmung und Gemütserhebung bei Feierstunden vor oder nach dem Sakramentenempfang.’ (Darmstadt).
5. Die Heranziehung Jugendlicher zum Kirchengesang als christliches Erziehungsmittel. Bei der Vorliebe der Jugend für das Lied haben es die kirchlichen Gemeinschaften auch verstanden, sich durch die Bildung von Singkreisen nicht nur den Nachwuchs für die bestehenden Kirchenchöre zu sichern, sondern auch Jugendgruppen in besonderen Singstunden zusammenzufassen und diese gleichzeitig der Vermittlung christlichen Glaubensgutes und der Sittenlehre dienstbar zu machen.
‚Zu dem außerschulischen Religionsunterricht gesellt sich vielerorts der außerschulische Gesangsunterricht. Um den Nachwuchs für die Chöre zu sichern, werden die Jungen und Mädel in die bestehenden Kirchenchöre eingereiht und erhalten vierteljährlich ein Taschengeld von RM 5.- bis RM 10.-, eine kleine Entschädigung, die ihre Anziehungskraft auf die Jugendlichen nicht verfehlt. Die Proben der Chöre und die Stunden für die Einübung der Kirchenlieder werden von den Geistlichen aber vielfach auch ausgenützt, um eine entsprechende religiöse Unterweisungsstunde einzuflechten.
Auch in evangelischen Gemeinden ist es üblich, sogenannte Kinderchöre zu halten, die hauptsächlich zum Gesang bei Beerdigungen herangezogen werden. Sie erhalten nach herkömmlicher Gepflogenheit ein Taschengeld von RM 0.50 bis RM 1.-. Der Erfolg dieser Kirchenarbeit ist gerade in ländlichen Pfarrgemeinden ein ungewöhnlich großer und zwar sowohl hinsichtlich der aktiven Beteiligung als auch in der gesinnungsmäßigen Haltung der beteiligten Schüler. So ist es z. B. keine Seltenheit, dass bei Begräbnissen Jugendchöre in Stärke von 50-60 Mädels in Erscheinung treten. Da die jugendlichen Kirchensänger zudem zum größten Teil von kirchlich gebundenen Eltern stammen und von diesen auch zum Besuch der Singstunden angehalten werden, hat die HJ.- und BDM.-Führerschaft oft mit größten Schwierigkeiten zu kämpfen, um das Interesse für den HJ.-Dienst wachzuhalten.’ (Bayreuth).
6. Unterhaltungsabende, Spiele, Sport und Wanderungen im Rahmen kirchlicher Seelsorgearbeit.
Wie die Meldungen aus allen Teilen des Reiches immer wieder hervorheben, werden die Erfolge der kirchlichen Jugendarbeit von Erziehern, Führern und Führerinnen der Hitlerjugend vorwiegend auf die in der Öffentlichkeit wenig beachteten abendlichen Zusammenkünfte kleinerer evangelischer bzw. katholischer Jugendgruppen zurückgeführt, in denen die kirchliche Unterweisung unter Wahrung völliger Freiwilligkeit der Teilnahme im Rahmen von Unterhaltungsabenden durchgeführt werde.
Hierher gehöre z. B. der bei Schülern und Schülerinnen besonders beliebte und meist mit Filmvorführungen oder Vorträgen und für Mädchen mit Handarbeitsunterricht verbundene Leseabend:
‚Die seit Ausbruch des Krieges besonders erfolgreiche Jugendarbeit der katholischen und evangelischen Kirche wird in der Hitlerjugend und in den Kreisen der Erzieherschaft hauptsächlich auf die in den vielfältigsten Formen durchgeführten unterhaltenden kirchlichen Unterweisungsstunden zurückgeführt. Besonders zu erwähnen sind die meist mit Filmvorführungen und Vorträgen verbundenen >Leseabende<, die unter der Leitung eines jüngeren Geistlichen oder einer Laienhelferin stehen. So wird berichtet, dass z. B. an einem solchen Abend aus dem Buche >Alkazard vorgelesen, gleichzeitig aber auch Bildbänder und Farbfilme über eine Reise durch Spanien - religiöse Bilder und Filme der Calig - gezeigt wurden. Trotz der mit diesen Vorführungen verbundenen religiösen Unterweisungen werden die gewöhnlich einmal wöchentlich im Pfarrhaus oder Gemeindehaus stattfindenden Leseabende auch von Angehörigen der Hitlerjugend besucht, weil Interessantes geboten würde.’ (Karlsruhe).
‚Fast in allen Gemeinden werden besondere Jugendstunden abgehalten, in denen neben dem kirchlichen Unterricht auch auf eine geschickte Unterhaltung der Kinder Wert gelegt wird. Besondere Anziehungskraft haben die sogenannten Leseabende, die von Laienhelferinnen oder der Frau des evangelischen Pfarrers gegeben werden. Die Mädels werden dabei gleichzeitig zum Singen und Handarbeiten angehalten, Buben und Mädel aber durch Vorlesen von Märchen und Erzählungen, vor allem aber durch die Vorführung von farbigen Märchenfilmen gewonnen. Es sei daher nicht verwunderlich, dass die Kinder, ob mit oder ohne Wissen der Eltern oft lieber zu diesen Veranstaltungen laufen, als dass sie die Dienststunden der HJ. besuchen, in denen ihnen, zumindest den Jüngeren, keine solche Unterhaltung geboten werde.’ (Breslau).
‚Zur Belebung der kirchlichen Erziehungsarbeit werden von Geistlichen zu den >Leseabenden<, ebenso wie zu den >Arbeitsgemeinschaften< häufig Priestersoldaten oder sonstige geeignete Offiziere herangezogen, die neben Filmvorführungen Vorträge abhalten, in denen außer eigenen Erlebnisberichten (Bekehrungen an der Front usw.) auch Erzählungen über den starken Gottglauben bekannter tapferer Soldaten (Mölders, Bonte u. a.), die ihre Kraft nur aus ihrem starken Glauben an Gott geschöpft hätten, eingeflochten werden.’ (Bayreuth).
Ganz besonderer Beliebtheit würden sich auch die sogenannten ‚Bastelabende’ und die mehr von den jüngeren Jahrgängen besuchten ‚Zeichenabende’ erfreuen.
‚In welcher Weise die Kirche versucht, die konfessionelle Unterweisung für die Jugendlichen anziehend zu gestalten, zeigt die Verwendung besonderer Zeichenblätter, gewöhnlich Darstellungen aus der biblischen Geschichte oder dem religiösen Leben usw., die gleichzeitig mit irgend einem Merkspruch versehen sind und von den Kindern farbig ausgemalt werden können.
Da das Anmalen dieser Zeichnungen im Rahmen des kirchlichen Unterrichts erfolgt, die Blätter selbst aber Eigentum der Kinder werden, ist die Teilnahme und Freude der jüngeren Schüler an diesen Stunden besonders groß.’ (Frankfurt/Main, ähnlich: Karlsruhe).
Eine andere Form kirchlicher Freizeitgestaltung bilden die sogenannten Laienspielabende zur Vorbereitung kirchlicher Spiele wie Krippenspiele usw., aber auch kleiner Theaterstücke. Gewöhnlich würden an ihnen auch besonders zusammengestellte Singgruppen teilnehmen, sofern sie nicht gleichzeitig der Ausbildung einer Anzahl besonders begabter Kinder in einem Begleitinstrument (Blockflöte, Gitarre usw.) dienen.
‚Eine besondere Anziehung üben die sogenannten Laienspiele auf die Jugendlichen aus. Obgleich die Stoffe vielfach wohl mit Absicht dem Alten Testament entnommen sind, kommen diese Spiele durch die Aussicht, als Schauspieler auftreten zu können, dem Tätigkeitstrieb der Schüler entgegen und erfreuen sich daher großer Beliebtheit. Hierzu gehören auch die in den letzten Jahren besonders ausgebauten Krippenspiele. Die Darsteller sind, wie Feststellungen ergaben, nicht selten Angehörige der HJ. Vielfach treten bei diesen Spielen auch kleinere Singgruppen (Chöre) auf, die in manchen Fällen von einer Schar Blockflöten- oder Gitarrespielerinnen begleitet werden. Auch die Ausbildung in diesen Musikinstrumenten erfolgt durch Ordensschwestern oder Laienhelferinnen, wobei nicht selten die Instrumente von der Kirche gekauft oder zur Verfügung gestellt werden.’
Der Förderung der Jugendarbeit diene auch die ‚kameradschaftliche’ Teilnahme junger Kapläne am Sport und an Wanderungen, wobei diese Geistlichen lediglich ‚mitspielten’.
‚Zum größten Teil verschaffen die Kirchen ihren Beeinflussungsversuchen dadurch Erfolg, dass sie sich dem Wunsche der Jugendlichen weitgehend anpassen. Dabei fallen viele der jungen Kapläne auf, die an Wanderungen kleinerer Gruppen von Schülern teilnehmen oder mit >ihren< Jungens kameradschaftlich am Sportplatz jede Art Sport betreiben, auch Fußballspielen usw., wobei alles ohne Kommando abgeht. Damit erwerben sie sich Zutrauen und haben die Jungens umso fester in der Hand. Vor allem die ungezwungene Art der sportlichen Betätigung findet bei den Jungens besonderen Anklang.’ (Bayreuth).
7. Förderung der konfessionellen Jugenderziehung durch Schriften und Traktätchen. Bei ihrer Einflussnahme auf die Jugend bedient sich die Kirche geschickt zusammengestellter kleiner Schriften und Traktätchen, von denen sie Restauflagen in riesigem Ausmaß besitzt und die bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter den Jugendlichen verbreitet und meist kostenlos abgegeben werden. In gleicher Weise werden aber auch den Geistlichen selbst ebenso wie der Laienhelferschaft besondere, meist im Abzugsverfahren hergestellte Schulungshefte für die Gestaltung der Heimabende und Rundbriefe der Bischöfe an die Hand gegeben, in denen neben grundsätzlichen religiösen, vor allem auch zu weltanschaulichen oder Tagesfragen Stellung genommen wird.
‚Die Kirche verfügt noch immer über zahlreiche kleine Schriften und Traktätchen, die weltanschauliche Probleme in christlicher Schau oder Fragen der konfessionellen Jugenderziehung behandeln und die meist kostenlos oder für wenige Pfennige abgegeben werden. Hier gehören z. B. die äußerst geschickt zusammengestellten Schriften: >Wir haben Taufet (1940), >Die Ehe als Sakrament der Laien<, >Unser Hochzeitstagt, >Die Kirche bereitet Euch die Hochzeit (1941), >Briefe an einen Backfischt, >Der schönste Tagt (Erstkommuniontag), >Du und die Seele Deines Kindes<, >Freude durch den Glauben<, >Ewig will ich leben<, >Gibt es eine Vorsehung und Gerechtigkeit Gottes<, >Der Vater, ein Sämann Gottes< usw. Erwähnt werden müssen in diesem Zusammenhang auch besonders ansprechende Kinderschriften wie z. B. >Weihnachtliches Singbuch<, >Das Bilderbuch vom lieben Gott< u. a. und die für die Hand der älteren Schüler gedachten Schriftenreihen wie z. B.: >Die Jungen und der Krieg<, >Von der Würde und der Kraft des Leibes<, >Der junge Mensch und seine Ehre< usw., in denen zu allen die Jugend ansprechenden weltanschaulichen und Tagesfragen Stellung genommen wird.’ (Berlin).“