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Ereignisse
1934
Februar

Führerblätter des Oberbannes 2/11 Siebengebirge

Zur Schulung und Information der Führer des Oberbannes 2/11 Siebengebirge wurden nicht nur Rundschreiben herausgegeben, sondern auch hektographierte Führerblätter, die den Namen „Vorwärts“ trugen. Überliefert ist davon nur eine einzige Nummer, die Folge 2 von 1934, die vermutlich im Frühjahr erschienen ist. Trotz der schmalen Überlieferung lässt sich an diesem Heft Charakteristisches für die Entwicklung der HJ in der ersten Aufbauphase nach der Machtübernahme ablesen.

Die Führerblätter richteten sich an die aktiven Führer der Gefolgschaften und Fähnlein und enthielten in einer Zeit, in der es noch keine gedruckten Führerbefehle und Schulungsunterlagen für Führer gab, Informationen zu bestimmten Themen und zu Organisationsfragen. Dabei sollten die Führerblätter nicht allein von den Gefolgschafts- und Fähnleinführern gelesen werden, sondern sie sollten auch in den Führerbesprechungen behandelt werden und auf den Heimabenden verlesen werden. Dies diente gleichzeitig auch zur Kontrolle der Führer, wie Bannführer Tücking in der Einleitung der Folge 2 schrieb: „Ihr könnt auf diese Art und Weise fabelhaft feststellen, ob die von Euch eingesetzten Führer bei Euren Besprechungen aufgepasst haben und das Gesagte den Jg. weiter vermittelt haben.“

Neben einem Artikel über das exakte Grüßen mit „Heil Hitler“ beinhaltet das Heft Nachrichten aus den einzelnen Verwaltungsabteilungen des Oberbannes.

Die Abteilung Verwaltung verwies darauf, dass es verboten sei, ohne Genehmigung des Oberbannes Drucksachen herzustellen, darunter Quittungsblocks, Ausweise, Aufnahmescheine und Programme. Solche Drucke scheinen also vorgekommen zu sein, sonst wäre das Verbot nicht nötig. Um eine einheitliche Verwaltung zu garantieren, gab der Oberbann eigene Quittungsblocks heraus, die bei der Werbeleitung, welche regelmäßig die Einheiten besuchte, um die HJ-Zeitung „Fanfare“ abzuliefern, zu beziehen waren.

Als „ganz großes Übel“ wurde bezeichnet, dass viele Formationen beim Geldverkehr nachlässig arbeiteten und bei den Postscheckabschnitten die genaue Bezeichnung der Formation und den Verwendungszweck nicht angaben. Hier wurde damit gedroht, bei weiteren derartigen Vorkommnissen die eingezahlten und nicht zuzuordnenden Gelder als Spenden zu verbuchen.

Die Abteilung P[resse und Propaganda] ging auf die Schülerzeitschrift „Hilf mit“ ein, die zwischenzeitlich als Konkurrenz zu HJ-Zeitschriften betrachtet und daher von HJ-Führern boykottiert worden war:

„Das Verhältnis der Hitlerjugend zu der Zeitschrift ‚Hilf mit‘ hat nunmehr eine endgültige Klärung gefunden. Zwischen dem Reichsjugendführer und dem Reichsleiter des NSLB ist ein Abkommen getroffen worden, nach dem die Zeitschrift ‚Hilf mit‘ nicht mehr als Konkurrenzorgan zu den Zeitschriften und Zeitungen der HJ aufgezogen wird, sondern nur noch als ausgesprochenes Lehrmittel betrachtet wird. Die Zeitschrift ‚Hilf mit‘ soll eine Ergänzung für das bis heute noch nicht geschaffene Deutsche Lesebuch vom nationalsozialistischen Standpunkt aus darstellen. Sie wird deshalb von den Schülern obligatorisch als Lehrmittel bezogen. Dagegen darf für die Zeitschrift ‚Hilf mit‘ außerhalb der Schule innerhalb der Jugend keine Propaganda getrieben werden.

Um die restlose Beseitigung aller diesbezüglichen Differenzen zu dokumentieren, ist der Abteilungsleiter P der Reichsjugendführung, Gebietsführer Staebe, auf Befehl der Reichsjugendführung in den Redaktionsstab der Zeitschrift ‚Hilf mit‘ eingetreten. Mit Rücksicht auf die in der letzten Zeit beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda eingegangenen Beschwerden über einen offenen Boykott der Zeitschrift ‚Hilf mit‘ durch Hitlerjugendführer erwarte ich nunmehr von sämtlichen Abteilungsleiters P, dass sie sich dieser Verfügung restlos unterordnen. Sollte von Seiten des NSLB versucht werden, die jetzigen Grenzen der Propaganda der Zeitschrift ‚Hilf mit‘ zu überschreiten, bitte ich um sofortige Meldung nach hier.“

Die Abteilung S wies auf die „Wichtigkeit des Liedes für die Gemeinschaftsarbeit der HJ“ hin, insbesondere auf Fahrten. „Eine Fahrt […], bei der nicht gesungen und musiziert wird, ist nur etwas halbes.“ Als Lieder, die von allen gekannt werden sollten, wurden genannt: Gebt Raum ihr Völker unserm Schritt, Frei ist die See, Die Glocken stürmten vom Bernwardsturm und In München sind viele gefallen.

Zudem schlug die Abteilung S vor, auf Fahrten „kurze Schulungsstunden“ einzuflechten und bspw. „Geschichten aus dem Weltkrieg“ zu erzählen. Auch Wochenendschulungen seien empfehlenswert. Als ein Thema für Führerschulungen wurden die „deutschen Heldensagen“ genannt. Hier habe der Abteilungsleiter S auf den regelmäßigen Führerschulungsabenden im Winter festgestellt, dass diese „Sagenwelt“ noch keinen gebührenden Platz einnehme.

Zuletzt kritisierte die Abteilung S, dass Programme für Veranstaltungen zu spät zur Kontrolle und Genehmigung eingesandt würden. Wenn ein solches Programm dann kurz vor einer geplanten Veranstaltung nicht genehmigt werden könne, könnte der Standort unter Umständen „schwer geschädigt“ werden. Die Programm seien im allgemeinen „recht mäßig“ und zeugten „wenig von dem kulturellen Willen der jungen Generation“. Hier empfahl der Schulungsleiter einen Blick in die Zeitschrift „Die Spielgemeinde“.

Das GA-Referat (Grenz- und Ausland) der Abteilung S informierte darüber, dass nun in allen Bannen GA-Referenten eingesetzt seien, so dass es möglich sei, Schulungsabende durchzuführen. Mindestens ein Kameradschaftsabend müsse sich mit dem Thema „Volks-, Grenz- und Auslandsdeutsche Arbeit“ befassen. Die GA-Referenten wurden aufgefordert, Arbeitsberichte über das Verhältnis zum VDA anzufertigen. Neue Verbindungen zum VDA wurden verboten, bis Anweisung erfolge.

Ebenso wurde „Kolonial-Propaganda“ untersagt sowie die Teilnahme an Veranstaltungen im Rahmen des „50-jährigen Gedenkens an die Erwerbung unserer überseeischen Besitze“. Nur Heimabende zur „Pflege des kolonialen Gedankens“ wurden gestattet.

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