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Ereignisse
1934
März

Grober Unfug des Bonner Jungvolks

Etwa 20 bis 25 Mitglieder des Bonner Jungvolks betreten trotz eines Verbotsschildes am 4. März 1934 das Gelände des Steinbruchs Finkenberg der Basalt AG Linz bei Limperich und stellen groben Unfug an. So lösen sie die Gleisschranke der Muldenkipper und lasen den Wagen den Bremsberg hinunterlaufen, so dass er sich überschlägt und die Weichen der Scheinen auseinanderreißt. Zudem heben sie die Wagen auf der Rampe, die zum Beladen der Autos liegt, in die Gleise und stoßen sie ebenfalls die Rampe hinunter. Dadurch entsteht der Basalt AG ein Sachschadenin Höhe von 50,- RM.

Dem herbeigerufenen Bruchmeister gegenüber benehmen sich die Jungen „sehr frech“. Trotzdem kann er deren HJ-Ausweise einziehen und damit deren Namen feststellen. Die Basalt AG meldet die Sache bei der Bonner Stadtverwaltung, beantragt jedoch zunächst keinen Schadenersatz, verlangt jedoch eine „energische Zurechtweisung“ der Jungen. Zudem hätten sie in Lebensgefahr geschwebt.

Im Anschluss an den Vorfall kommt es zu Vernehmungen der beteiligten Jungen bei der Bonner politischen Kriminalabteilung. Hierbei stellt sich heraus, dass es sich bei ihnen um Mitglieder des Jungvolks Bonn-Nord vom Stamm der Geusen handelt, die an dem besagten Tag in der Nähe des Steinbruchs ein Geländespiel hatten. Verantwortlich für die Tat ist der 17-jährige Schüler Alfons Ullrich, der gegenüber der Polizei die ganze Sache auf sich nimmt und angibt, mit dem Unfug seinen Jungen „eine Freude“ gemacht haben zu wollen:

„Ich bin Jungvolkführer vom Stamm der Geusen. Am 4. ds. Mts. hatte die Jungenschaft 2 des Jungzugs 4 auf der Wiese in der Nähe des Steinbruchs Finkenberg ein Geländespiel. […] Ich fuhr gegen 13 Uhr der Gruppe mit dem Fahrrade nach, um zu sehen, was sie machten. Bei der Gelegenheit habe ich auf Drängen der Jungen zwei Kippwagen die Rampe heruntergestoßen. Weiter haben wir einen Wagen über die Gleisschranke gehoben und den Bremsberg heruntergelassen. Hierdurch wollte ich den Jungens eine Freude machen. Dass ein Schaden hierdurch entstehen könnte, war mir nicht bewusst und lag mir auch eine böse Absicht fern. […] Ich bitte, die Angelegenheit milde zu beurteilen, weil ich mit Leib und Seele an meinen Jungens hänge.“

Ullrich wird daraufhin von Stammführer Klippel verwarnt und aufgefordert, sich zu entschuldigen.

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