Lagebericht des Bonner Oberbürgermeisters
In den Unterlagen zum politischen Lagebericht des Bonner Oberbürgermeisters an den Kölner Regierungspräsidenten vom 19. Juli 1934 heißt es, im Bürgertum und in der sog. Intelligenz setze sich der Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ immer stärker durch. In der Arbeiterschaft sei dies weniger der Fall. Hier finde der NS-Staat auch überwiegend Bejahung.
Zum „Gesetz zur Bekämpfung erbkranken Nachwuchses“ heißt es, dieses finde immer mehr „Verständnis und Eingang in allen Schichten des Volkes“. Bisher seien 30 von 250 vorgesehenen Sterilisationen durchgeführt worden.
Über das „frühere Zentrum“, die katholische Geistlichkeit und die katholischen Jugendverbände wird bemerkt, diese würden immer noch, wo es ohne Schäden möglich sei, „gegen die Maßnahmen der Partei und der Regierung in versteckter Weise“ arbeiten. „Eine ängstliche Zurückhaltung, namtentlich der Jugend ist unverkennbar. Wenn die NSV ein paritätisches Zusammengehen in der Kinderbetreuung oder –erholung wünscht, wird dies mit allerlei Gründen abgelehnt, wobei man sich jedoch bemüht, den wahren Grund für die bestehende Absicht zu verschleiern.“
Das Urteil über die NS-Jugendorganisationen fällt ungünstig aus: „Die Stimmung in der Bevölkerung gegen diese Parteigliederungen lässt zu wünschen übrig. Man hört immerfort die Klage, dass die Disziplinlosigkeit überhandnähme. Eltern äußern sich dahin, dass sie bei den jetzigen Erziehungsmethoden ihre Kinder nicht in die HJ geben wollen.“