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Ereignisse
1934
Juni

Lagebericht des Bonner Oberbürgermeisters

Am 25. Juni 1934 gibt der Bonner Oberbürgermeister einen ausführlichen Lagebericht an die Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Köln, in der er u.a. auf Probleme in der „Landhilfe“ und auf Konflikte zwischen HJ und Studentenschaft eingeht:

„Bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, namentlich bei der Unterbringung Jugendlicher von 14 bis 25 Jahren in die Landhilfe, ist die Erfahrung gemacht worden, dass es sehr schwer ist, diese jungen Menschen, die zum großen Teil an keine Arbeit gewöhnt sind, aus der Stadt in die Landhilfe zu verpflanzen. Es werden von den hierfür in Vorschlag gebrachten Volksgenossen die unglaublichsten Einwände vorgebracht, um sich von einer Beschäftigung in der Landhilfe zu drücken.

Auf der anderen Seite wird aber auch von Seiten der Bauernschaft insbesondere des Vorgebirges nicht genügend Einsicht geübt, diesen Personen die ungewohnte Arbeit zu erleichtern. Es sind Fälle bekannt geworden, wo kleine Landwirte des Vorgebirges die Jugendlichen zu sehr ausgenutzt hatten. Die Landwirte sorgten nicht für auskömmliche gute Verpflegung und auch nicht für gute Unterkunft. Es ist sogar vorgekommen, dass ein Landwirt einen Jugendlichen überhaupt nicht entlohnt hatte. Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass die Jugendlichen von der Landhilfe, namentlich am Vorgebirge, nichts wissen wollen. Es wäre wünschenswert, auf die Bauernschaft aufklärend einzuwirken und in den Fällen, wo eine Ausbeutung der Arbeitskräfte vorliegt, mit scharfen Maßnahmen vorzugehen.

Über das frühere Zentrum, katholische Geistlichkeit und katholische Jugendverbände wäre zu sagen, dass diese drei Organisationen in ihrer Tätigkeit und Wirksamkeit unmittelbar zusammenhängen. Das frühere Zentrum, das aus seiner Machtposition verdrängt ist, versucht auch heute noch in versteckter Form oftmals unter der Maske der Heuchelei sich bei maßgebenden Stellen der Führung und Leitung Eingang zu verschaffen. Dass noch ein großer Teil der Geistlichkeit die kath. Jugendverbände für sich beansprucht und nicht zur Auflösung kommen lässt, ist eine bekannte Tatsache insbesondere des Westens, die noch weiter besteht. Die Kreise der Bevölkerung, die diese Bestrebungen früher unterstützten, bleiben auch heute in ihrer Einstellung zum nationalsozialistischen Staate undurchsuchbar, halten sich aber mit Äußerungen usw. in der Öffentlichkeit sehr zurück.

Die Stimmung zwischen Studenten und HJ war Anfang des Monats durch die Verbrennung der Borussenpuppe und Studentenmützen äußerst gereizt, sodass es mehrere Male zu Tätlichkeiten zwischen den Studenten und der HJ kam. […]

Nachdem aber am Freitag, den 22. ds. Mts., der Gauleiter in Anwesenheit des Regierungspräsidenten zuerst in der Vorbesprechung mit den Führern der beteiligten Parteien und nachher in einer großen Redekundgebung vor der gesamten Studentenschaft mehrere Stunden gesprochen hatte, kann man die allgemeine Stimmung bei den Studenten als sehr gut bezeichnen. Durch die Ree des Gauleiters sind die Studenten überzeugt worden, dass ihr Verhalten in der öffentlichen Kundgebung der HJ auf dem Markplatze undiszipliniert und somit geeignet war, das Ansehen der Bewegung zu schädigen. In der gleichen Rede betonte der Gauleiter, dass die HJ hinreichend mit sich selbst zu tun hätte und er es nicht dulden würde, wenn sich die HJ mit Studentenfragen beschäftige. Aber auch die Studentenschaft habe sich mit Fragen, die die HJ betreffen, nicht zu befassen.

Die HJ hält sich seit 14 Tagen sehr zurück. Man bemerkt, dass die Führung bestrebt ist, dem schlechten Eindruck der letzten Wochen durch korrektes und vorbildliches Verhalten wieder auszugleichen.

Ich glaube, versichern zu können, dass durch die Erfahrung, die die beiden Gegner bei diesen Reibungen gemacht haben und durch das Eingreifen der vorgesetzten Dienststellen sowohl der Bewegung wie auch der kommunalen und staatlichen Behörden Zusammenstöße nicht nur unterbleiben werden, sondern dass auch die Gewähr gegeben ist, dass ein Zusammen- und Nebeneinanderarbeiten der gesamten nationalsozialistischen Verbände einschl. Studenten in Zukunft stattfinden wird.

IV. Bewegung in der Hitler-Jugend in Bonn

Es ist festgestellt worden, dass in Bonn von den Schülern = 40,17 Prozent der HJ angehören.“

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