Bonn: Ein Drittel aller Schüler in HJ
Der Kreisschulrat von Bonn II, Schley, sendet am 14. Juni 1934 ein Schreiben an die Amtsschulleiter des Aufsichtsbezirks, in dem er u.a. um Mitteilung darum bittet, wie viele Lehrer es gibt, wie viele am „Spielnachmittag“ mitwirken und wie viele Kinder an diesem Nachmittag teilnehmen. Er fügt hinzu:
„Pflichtgemäß benutze ich die Gelegenheit, darauf hinzuwirken, doch möglichst nach Benehmen mit der hochwürdigen Geistlichkeit zu versuchen, alle Kinder für den Eintritt in die Hitler-Jugendgruppen zu gewinnen, zumal den Schulräten bei der Regierungskonferenz am 15. v.Mts. in sichere Aussicht gestellt wurde, dass
1) die gesamte Jugend dem Schulrat unterstellt wird;
2) der Sonntag frei von Übungen usw. bleibt, das Kind also der Familie gehört, d.h. auch seelsorglich betreut werden kann,
3) die Lehrer und Lehrerinnen vor allem aber die jüngeren Kräfte, aber auch alle, die noch ein Herz für die Jugend besitzen, gebeten [werden], sich zur Verfügung zu halten, weil anerkannt wird, dass Lehrer und Lehrerinnen die geborenen Führer der Jugend sind,
4) dass der Spielnachmittag in den Dienst der Jugendgruppen gestellt und Anordnungen trifft, wie er gestaltet wird.“
Die Burgschule (Volksschule) teilt daraufhin am 30. Juni 1934 mit, dass von insgesamt 757 Kindern zwei Mitglied in der HJ sind, 71 Mitglied im Jungvolk und 104 im BDM (zwischen Jungmädeln und BDM wird nicht unterschieden). Interessanterweise sind darunter auch etliche, die eigentlich noch nicht das passende Alter erreicht haben. So sind fünf Sechsjährige, elf Sieben- bis Achtjährige und 14 Acht- bis Neunjährige Mitglied im BDM sowie fünf Sieben- bis Achtjährige und sieben Acht- bis Neunjährige Mitglied im Jungvolk.
Auch auf der Katholischen Volksschule Friesdorf gibt es fünf Jungen unter zehn Jahren, die schon im Jungvolk sind. Insgesamt sind von 558 Schülerinnen und Schülern 78 im Jungvolk und 37 im BDM. Der Schwerpunkt liegt dabei bei den höheren Klassen.
In der Volksschule in Muffendorf sind von 134 Schülerinnen und Schülern 29 im Jungvolk und 23 im BDM, jeweils 20 gehören dabei dem 5.-8. Schuljahr an.
Von den anderen Bonner Schulen sind die Antworten nicht überliefert, es gibt jedoch eine Gesamtstatistik von Juli 1934:
Schule Kinder HJ Jungvolk BDM Kinderschar
Burgschule 757 2 71 104
Friesdorf 558 78 37
Muffendorf 134 29 23
Plittersdorf 172 44 16
Rüngsdorf 146 35 35
Bachstraße 355 6 58 34 15
Hilfsschule 80 1 13 14
Lannesdorf 247 3 64 3 5
Mehlem 260 68 23 22
Godesheim 72 18
Damit ergibt sich bei einer Gesamtschülerzahl von 2781 Schülerinnen und Schülern folgendes Bild: 30 Mitglied in der HJ, 460 im Jungvolk, 284 im BDM und 42 in der Kinderschar. Damit sind 29 Prozent aller Schülerinnen und Schüler organisiert. Wobei es sich bei der „Kinderschar“ handelt, wird nicht näher ausgeführt, vermutlich sind dort die unter 10-Jährigen organisiert. Ob die Kinderschar zur HJ oder zur Frauenschaft gezählt wird, bleibt ebenfalls unklar.