Jungfrauenkongregation auf Weg zu Familienfest von HJ angehalten
Am 4. März 1934 feiert die katholische Kongregation in Peckelsheim ein Familienfest und lädt dazu auch die Jungfrauenkongregation aus Eissen ein. Die Mädchen, alle Schülerinnen der beiden letzten Volksschuljahrgänge, begeben sich an dem Tag zu Fuß „in geschlossener Ordnung“ nach Peckelsheim. Obgleich sie weder Uniform tragen noch Wimpel mit sich führen, werden sie kurz nach dem Ortsausgang von zwölf Hitlerjungen aus Borgentreich unter Führung des HJ-Führers Liber aufgehalten. Diese lösen den Zug angeblich „gewaltsam mit losgelösten Schulterriemen“ auf und verbieten den Mädchen, weiter geschlossen zu gehen, da sie damit gegen ein bestehendes Verbot verstießen. Die HJ begleitet die Mädchen dann bis Peckelsheim, wo sie von Gendarmerie-Wachtmeister Palenberg vernommen werden. Dort geben die Mädchen und ihre Begleiterinnen an, nicht gewusst zu haben, dass sie nicht geschlossen gehen dürfen.
Über den Vorfall erscheint am 8. März 1934 im NS-Wochenblatt „Filter“ eine Darstellung, nach der sich die Jungfrauenkongregation zu einem „Propagandamarsch“ nach Peckelsheim formiert habe.
Gegen diese Darstellung legt Pfarrer Dewenter am 10. März1934 beim Landratsamt in Warburg Beschwerde ein. Er müsse sich „derartige Belästigungen meiner Jungfrauenkongregation verbitten“.
Zudem äußert er bei einer polizeilichen Befragung am 27. März 1934 gegenüber dem Gendarmeriebeamten Palenberg, dass er zwar von dem Aufmarschverbot des Oberpräsidenten vom 1. Februar 1934 Kenntnis hatte (dies war ihm durch den Bürgermeister des Amtes Peckelsheim am 14. Februar 1934 bekannt gegeben worden), dies jedoch nicht an die Führerinnen der Jungfrauenkongregation weitergegeben habe.
Die Angelegenheit wird dann auch noch durch den Kreisschulrat untersucht, der dem Vorfall an sich eine „geringfügige Bedeutung“ beimisst. Da er die Verhältnisse in Eissen jedoch für problematisch hält [a. den Brief der Lehrerin Hoischen], misst er dem Vorfall doch erhöhte Bedeutung zu. Folgen scheint dies jedoch zunächst nicht zu haben, außer dass der Bürgermeister des Amtes Peckelsheim Dewenter auffordert, das Verbot vom 1. Februar 1934 nun den Führerinnen der Jungfrauenkongregation mitzuteilen.