Geistliche bezeichnen HJ als "dumme Jungen"
Kreisleiter Meyer von der Kreisleitung Paderborn berichtet am 25. Mai 1934 über Streitigkeiten zwischen der Geistlichkeit in Elsen (Vikar Meier und Pfarrer Bals) und u.a. der HJ. Nach Einschätzung Meyers handelt es sich bei den Geistlichen um „die besten Stützen des Zentrums“. Sie würden den „Typ des politisierenden Geistlichen“ verkörpern. In einer Predigt hätten sie „versteckte Angriffe“ gegen SA und HJ geäußert. Dies hätten ältere Leute nach Verlassen der Kirche geäußert. Wolle man diese Leute jedoch darauf „festnageln“, würde sie einen „Rückzieher“ machen und vorgeben, sich nicht mehr an den genauen Wortlaut zu erinnern. Die „Gehässigkeit“ von Bals sei bekannt, daher würden die Gläubigen auch nicht gegen ihn aussagen.
Außerdem wirft Meyer den Geistlichen vor, die HJ von der Kanzel als „dumme Jungen“ bezeichnet zu haben und dafür plädiert zu haben, am katholischen Jungmännerverein in seiner „alten Form“ festzuhalten. Zudem seien Frauen „bearbeitet“ worden, ihre Söhne aus der HJ zu nehmen. Den HJ-Führer habe man sogar schon „körperlich bedroht“.
Daher fordert Meyer, dass Vikar Meier aus Elsen versetzt wird und ein „loyalerer Geistlicher“ an seine Stelle rückt.
Der stellvertretende Landrat von Paderborn leitet die Sache an den Regierungspräsidenten in Minden weiter, plädiert dabei jedoch ganz offensichtlich aufgrund der zentralen Bedeutung des Erzbischofs von Paderborn für Zurückhaltung. So bemerkt er in seinem Schreiben vom 28. Juni 1934, er sei zwar grundsätzlich der Ansicht des Kreisleiters, wolle sich aufgrund einer früher stattgefundenen „allgemeinen Aussprache mit dem Herrn Erzbischof“ jedoch nicht für die Versetzung der Geistlichen aussprechen, da er andernfalls „Reibungen meines Verhältnisses zum Erzbischof“ befürchtet. Er schlägt vor, die Sache durch einen Vertrauensmann zu regeln und die beiden Geistlichen künftig zu „größter Korrektheit und Zurückhaltung“ zu ermahnen. Sollten dann neue Klagen kommen, müsse eine Versetzung allerdings angestrebt werden.