Bonner Jungvolk im Winterlager
20 Angehörige des Bonner Jungvolks führen über Silverster 1934/35 im Landheim in dem kleinen Eifelort Wiesemscheid in der Nähe der Nürburg ein Winterlager durch. Der Tag beginnt morgens mit Frühsport durch den Wald, setzt sich mit Waschen mit eiskaltem Wasser und der morgendlichen Flaggenparade fort und wird anschließend mit diversen Aktivitäten vor allem im Freien ausgefüllt. Dabei wird als besonderer "neuer Sport" das Schwingen von Baumspitze zu Baumspitze betrieben.
Viel Raum nehmen auch die spielerischen Auseinandersetzungen mit einem Winterlager anderer Jungen in der Nähe ein, bei denen es zu "wunderbaren Schleichereien, Schlägereien und nicht zuletzt auch Schießereien" mit Leuchtkugeln kommt. Damit die anderen nicht die Fahne erbeuten können, wird nicht nur eine Fahnenwache aufgestellt, sondern auch vom Fahnenmast eine Morseanlage bis ins Haus verlegt, mittels derer schnell "SOS" gemeldet werden kann.
Neben den Aktivitäten im Freien halten die Jungen auch Heimabende ab, in denen über "Kameradschaft und Gemeinschaft, über den echten Jungen und den Hitlerjungen", über den "Führer" und über die "nationalsozialistischen Kämpfe und Vorbilder" gesprochen wird.
Den Silvesterabend beginnen die Jungen erst mit einigen ausgelassenen Stunden, in denen lustige Lieder gesungen und kulinarische Mitbringsel von Eltern, die zu Besuch da waren, verzehrt werden, bis sie eine Stunde vor Mitternacht in einem Schweigemarsch zum Jahreswendfeuer aufbrechen. Um das Feuer stehend warten die Jungen auf Mitternacht. Dann fassen sie sich an den Händen und schließen den Kreis: "Fest sehen wir uns in die Augen — wir sind Kameraden geworden." Der Führer hält einen Rückblick auf das alte Jahr, auf die "Kämpfe", die "Enttäuschungen und die vergeblichen Anstrengungen und Arbeiten". "Aber das ganze Leben ist ja ein Kampf, und wer diesen Kampf nicht mit aller Entschlossenheit und Ausdauer führt, dem ist das Steuer seines Lebensschiffes aus der Hand geglitten! Darum mit neuem Mut ins neue Jahr!"