Die Gestapo Bielefeld berichtet
Am 4. Januar 1935 berichtet die Gestapo Bielefeld über den Monat Dezember 1934:
„Die allgemeine politische Lage hat sich im abgelaufenen Berichtsmonat nicht geändert. Bemerkenswerte Beobachtungen über die innerpolitische Entwicklung sind nicht gemacht worden. In die ersten Tage des Dezember 1934 fiel das große Gautreffen des Gaues Westfalen-Nord der NSDAP, das an 1. und 2. in Bielefeld stattfand. Außer den Gauleiter, Reichsstatthalter Dr. Meyer, sprachen auch andere führende Persönlichkeiten und zwar Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Stabschef der SA Lutze und der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Frhr. von Lüningk. Die Veranstaltung, an der die Bevölkerung lebhaften Anteil nahm, verlief ohne jede Störung und hinterließ auf alle Teilnehmer einen nachhaltigen Eindruck.“
Unter „Katholische Bewegung“ heißt es weiter:
„Die katholische Kirche steht hier weiter mit ‚Gewehr bei Fuß‘. Die Stimmung ist im Allgemeinen etwas freundlicher. Hier und da haben persönliche Aussprachen mit katholischen Geistlichen eine gewisse Vertrauensatmosphäre geschaffen. Schwierig ist dagegen immer noch die Frage der katholischen Jugendverbände. Ehe nicht eine klare und zwingende Auslegung der betreffenden Konkordatsbestimmungen ergangen ist, werden die Pfarrer freiwillig keine Mitglieder der katholischen Jugendverbände an die H.J. oder den B.d.M. abgeben. Es wird in Zusammenhang hiermit darüber geklagt, dass manche H. J.-Führerstellen nicht glücklich besetzt sind. Weiterhin wird geklagt über das vielfache Fehlen geeigneter Heime und Unterkunftsräume für die H.J. Gerade hinsichtlich der Heine und sonstigen Unterkunftsräume ist die katholische Jugend hier gut gestellt.
Es wird schließlich in diesem Zusammenhange auch darüber geklagt, dass es an Staatsjugendtage in vielen Orten an geeigneten Führern fehlt, sodass die Jugend praktisch mehr oder weniger führerlos ist. In mehreren Orten wurden von der Jugend an Staatsjugendtage ganz übertriebene Marschleistungen verlangt, sodass die Eltern ihre Kinder gesundheitlich gefährdet sehen. Dies alles gibt vielen Eltern in katholischen Gegenden Veranlassung, ihre Kinder in den katholischen Jugendorganen zu belassen bezw. sie ihnen zuzuführen, weil dort ihrer Meinung nach die oben geschilderten Missstände nicht vorhanden sind. Dies dürfte zumindest z.T. zutreffen, da die katholischen Jugendverbände schon auf eine lange Erfahrung zurückblicken.“
Zum Thema „Evangelische Jugendbewegung und H.J.“ heißt es:
„Die Spannung zwischen der konfessionellen Jugend und der Hitler-Jugend nimmt immer größere Formen an. Der Grund hierfür dürfte in der religiösen Einstellung der weitaus größeren Zahl der H.J.-Führer zu suchen sein. Wenn auch seitens der Reichsjugendführung die antikonfessionelle Haltung der H.J. stets bestritten wird, so wird diesen Angaben von den konfessionellen Verbänden keinen Glauben geschenkt, weil, wie in diesen Kreisen behauptet wird, die Tatsachen dagegen sprechen. Außerdem wird die sittliche Seite der H.J.-Führer bemängelt. Bezüglich der evangelischen Jugendverbände nehme ich auf meinen Bericht vom 28.12.34 zum dortigen Erlass von 5.12.34 II 1 B 1 - 2608/3-1 Bezug.“ [Nicht in der Akte enthalten]