Eltern, Euch geht es an!
In der Nationalzeitung vom 25. Juli 1934 ist eine Erklärung des Gebietsführers zur Einberufung in die Zeltlager zu finden:
"Ich muss darauf hinweisen, dass es selbstverständlich Pflicht eines jeden Hitlerjungen und Jungvolkpimpfen ist, wenn er einberufen wird, an den Zeltlagern teilzunehmen.
Sollten Führer, Einheiten oder einzelne Jungen über die Einzelheiten der Durchführung nicht im klaren sein oder aber bisher von ihrem vorgesetzten Führer noch keine Einberufung bekommen haben, so wenden Sie sich sofort an die zuständige Bannführung oder Oberbannführung.
Ich erwarte von allen Volksgenossen und Volksgenossinnen, dass sie der Abstellung ihrer Jungen für die Zeltlager keine Schwierigkeiten entgegenstellen. Denn es handelt sich hier um eine für die nationalsozialistische Erziehungsarbeit höchst wichtige Einrichtung. Das Vier-Wachen-Lager der HJ wird wahrscheinlich schon im nächsten Jahr durch den Reichsminister Rust für jeden Jungen obligatorisch erklärt werden. Wo Unklarheiten darüber bestehen, wie der Betrieb in den Zeltlagern verläuft, bitte ich die Eltern, sich an die höheren HJ-Dienststellen zu wenden. Es sind überdies in allen Lagern alle Vorkehrungen getroffen, die für das Gelingen der Organisation und vor allem für die gewissenhafte Gesundheitsführung notwendig sind. Wir rechnen also auf das Vertrauen der Eltern.
Heil Hitler!
Heinz Deinert, Gebietsführer."
"Gesunde Jugend - gesunder Staat! - 24000 Jungen im Zeltlager"
In der Nationalzeitung vom 11. Juli 1934 wird für das große Sommerzeltlager der HJ geworben, das vom 15. Juli bis 15. September stattfinden soll.
In dem Artikel heißt es zunächst unter der Überschrift "Acht Tage Ausspannung": "Ist es auf der einen Seite der Staat, der für das Wohl und Wehe seiner Jugend in Ihrer Gesamtheit Verantwortung trägt, so auf der anderen Seite die Hitlerjugend, die heute schon alle Aufgaben der Jugendarbeit wahrnimmt uns damit überall, wo es um die Erziehung und Gesundung der Jugend geht, in Zusammenhang mit allen Erziehern und Lehrpersonen - die bewusst die völkisch nationale Erziehung anstreben, - mit allen Organen und Organisationen des Staates und der Bewegung, die wirkliche Gestaltung des neuen deutschen Menschen zu verantworten hat.
Seit Wochen ist die Hitlerjugend im ganzen Reich bemüht, durch Propaganda für den vom Minister Rust verkündeten Staatsjugendtag bei den Führern der Betriebe ein offenes Ohr zu finden.
Nur zu gut ist die Berechtigung der Förderung des sozialen Amtes der Reichsjugendführung für die verbesserte Urlaubsgestaltung der jungen Arbeitskameraden am Amboss und Schreibmaschine zu verstehen.
Ist es doch unsere oberste Pflicht, allen Jungarbeitern der Stirn wie der Faust in ihrer schweren Arbeit mindestens einmal im Jahre die wohlverdiente Erholung zukommen zu lassen.
In Erkennung ihrer Pflichten hat es sich die Gebietsführung der Hitlerjugend Ruhr-Niederrhein zur Aufgabe gemacht, durch Errichten von 8 riesigen Zeltlagern, wenigstens einem großen Teil der schaffenden Jugend für 8 Tage Ausspannung und Ruhe zu verschaffen. Überall in unserem weiten Gebiet in den landschaftlich schönen und gesunden Gegenden des Bergischen Landes, am Niederrhein, in der Hinsbecker Heide usw. sind in den vergangenen Wochen hunderte fleißige Jugendhände tätig gewesen, um für die Arbeits- und Schulkameraden Zeltstädte entstehen zu lassen. Am 15. Juli werden Lastzüge unser Gebiet durcheilen, marschierende Kolonnen deutscher Jungarbeiter, auf froher Fahrt sich befindende Jungvolktruppen werden den ländlichen Teil des Regierungsbezirks Düsseldorf beleben. Über 24000 HJ-Kameraden verbringen dann in der Zeit vom 15. Juli bis 15. September ihr Ferienzeltlager. Ein unerhörtes Erleben sollen diese Gemeinschaftslager vermitteln, echter Jungengeist soll nun einmal die Sorgen des Alltages vergessen lassen.
In Ihrer Freude am herrlichen Lagerleben, in der Gewissheit, Erholung und Ruhe zu haben, Kameradschaftsgeist und wahren Sozialismus zu erleben, wie die gesamte Hitlerjugend auch den Männern und Organisationen, Eltern, Erziehern, Lehrmeistern und Führern Dank wissen für die Wahrhaftmachung ihrer langen ersehnten Freizeit im Lager. Niemals wird sie vergessen, dass nun für alle Zeit die beglückenden Hilfsmaßnahmen der NS-Volkswohlfahrt, die sämtliche Zelte kaufte und zur Verfügung stellte, die ebenso für die gesamte Verpflegung die Verantwortung übernahm - jedes Jahr ein Lagerleben in Aussicht steht. Und dankbar und freudig werden sie sich erinnern des Wohlwollens ihrer Gauleiter, der Gaue Düsseldorf und Essen, des Herrn Regierungspräsidenten, der Kreisleiter und Kreisbauernführer, des Treuhänders der Arbeit, des Arbeitsdienstes sowie aller Helfer und Förderer unserer Zeltlageraktion, besonders aber bei Volksgenossen auf dem Lande, den Bauern an Ruhr und Niederrhein, die durch Abgebe von Lebensmitteln die zusätzliche Verpflegung unterstützen wird."
"Essener HJ im Sommerzeltlager"
Am 4. August 1934 berichtet die Nationalzeitung über das Sommerzeltlager der HJ bei Drevenack an der Lippe. „Ideale Erholungs- und Schulungsstätte unserer Jugend bei Drevenack an der Lippe. Freies Leben in freier Natur" wird angekündigt. Weiter heißt es:
"Seit etwa drei Wochen ziehen wöchentlich je 380 Jungen in die Zeltlager ein, die vom Gebiet 10 (Ruhr-Niederrhein) überall veranstaltet worden sind, um jedem Hitlerjungen und jedem Jungvolkpimpf die reizvollen Schönheiten einer solchen Lagerzeit zu vermitteln.
Ein solches Lager, in dem vor allem Essener Jungen untergebracht sind, befindet sich gegenwärtig in landschaftlich schöner Gegend an der Lippe unweit Drevenack bei Wesel.
Umfangreiche Vorbereitungen waren nötig, um dieses Lager in gesundheitlich und praktisch einwandfreier Weise durchführen zu können, denn die tägliche Verpflegung von 380 Jungen ist keine Kleinigkeit. So wurden vier Feldküchen zu je 100 Liter aufgestellt und eine ganz Kücheneinrichtung angeschafft, in der auch Brotschneidemaschinen nicht fehlen, gilt es doch täglich 150 Kommissbrote zu schneiden. Ein Holzbau wurde als Dienststelle und Verwaltung in kameradschaftlicher Weise vom FAD Dorsten-Hardt errichtet. Zur Frischwasserversorgung musste eigens für das Lager ein Brunnen gebohrt werden. Um ein gefahrloses Baden in der Lippe zu ermöglichen, wurde durch einen Laufsteg ein Teil der Lippe abgetrennt. Hier findet auch die morgendliche Wäsche statt. So ist in dem Lager für alles gesorgt, damit die Eltern ihre Kinder ohne Sorge für das hygienische leibliche und seelische Wohl in dieses Lager senden können.
Schön ausgerichtet stehen 21 große weiße Zelte, mit Strohlager versehen, sich gegenüber, eine Lagergasse bildend, durch die morgens die Fanfarenbläser schreiten, um die Schläfer zu wecken. Dann tritt alles an, und bald stehen die Jungen im großen Viereck an den Fahnenmasten zusammen zur feierlichen Hissung der HJ und DJ-Fahne. Denn die Mannschaft jedes Lagers setzte sich aus Hitlerjugend und Jungvolk zusammen.
So ist den Stadtjungen dort eine Gelegenheit geschaffen worden zur Erholung und Schulung in der freien Natur, (...). Auch Sport und körperliche Schulung kommt zu ihrem Recht, denn sie sind die Grundlage zur Erlangung der Disziplin, die für eine geordnete und reibungslose Durchführung eines derartigen Lagers unumgänglich notwendig ist."
"Zeltlageraktion der HJ am Niederrhein beendet"
In der Nationalzeitung vom 21. September 1934 wird abschließend über die großen Zeltlager an Rhein und Ruhr berichtet:
"Essen. Am vergangenen Sonntag fand die Zeltlageraktion des Gebietes 10 Ruhr-Niederrhein mit 8 Führerlagern ihren Abschluss. In allen Zeltlagern wurden die HJ- und DJ-Führer oberbannweise zusammengefasst und unter Leitung der Oberbann- und Oberbannführer geschult. - Es herrschte große Freude darüber, dass unser Gauleiter Staatsrat Terboven noch am Sonntagnachmittag einige Lager besuchte und zu den angetretenen Führern sprach. Er versicherte, dass er auch im nächsten Jahre die HJ bei der Durchführung ihrer Zeltlager unterstützen würde und wies dabei darauf hin, vor allem jedem Jungarbeiter die Teilnahme an den Zeltlagern zu ermöglichen.
Acht Wochen standen nun die Zeltlager der Hitlerjugend am Niederrhein. Ungefähr 15000 Jungen fanden dort Erholung und wurden geschult für ihre Arbeit in der Bewegung. Die Hitlerjugend nimmt deshalb Gelegenheit nun nochmals den Gauleitern, den Gauamtsleitern der NS-Volkswohlfahrt Essen und auch allen anderen Parteigenossen, die am Gelingen dieses Werkes mithalfen, ihren Dank zu sagen. Das Erlebnis, dass Tausende von Hitlerjungen des Gebietes Ruhr-Niederrhein aus den Zeltlagern in ihre Heimat mitnahmen, wird sich in einer Steigerung des Kampfwillens auswirken."