HJ bietet "Fanfare" auf katholischer Jugendveranstaltung an
In Solingen findet am 10. Juni 1934 ein Sing- und Spielabend der St. Georgs Pfadfinder statt, zu dem auch zahlreiche Eltern und Angehörige der Mitglieder im Saal des Bürgerhofes erscheinen. Nach Beginn der Veranstaltung finden sich einige Mitglieder der HJ ein, die sich bald durch Zwischenrufe und dem Verteilen der Aprilnummer der „Fanfare“ bemerkbar macht (zur „Fanfare“ heißt es im kirchlichen Bericht an das Erzbischöfliche Generalvikariat in Köln, dass diese Nummer den „bekannten Leitartikel“ „Herr Kardinal, wir wehren uns“ enthalte). Die Annahme der HJ-Zeitung wird meist verweigert.
Als der Saal wegen eines Lichtbildvortrages verdunkelt wird, stimmt die HJ ein Kampflied an, wird jedoch durch das von der Versammlung gesungene Christuslied und das Deutschlandlied übertönt. Nach Schluss der Veranstaltung stimmt die HJ auch noch das Horst-Wessel-Lied an und nimmt eine „bedrohliche und herausfordernde Haltung“ an. Zu Tätlichkeiten kommt es jedoch nicht.
Zur Lage der Jugendorganisationen in Solingen heißt es abschließend in dem kirchlichen Bericht an das Generalvikariat, dass bisher „leidlich Ruhe und Frieden“ geherrscht hätten. Neuerdings scheine es jedoch „bewusste Abicht und Parole“ zu sein, „Zwischenfälle herbeizuführen“.