Katholischer Jugendführer soll auf Druck der NSHAGO Verein verlassen
In Sürth tritt der Zellenleiter der NSHAGO [Nationalsozialistischen Handwerks-, Handels- und Gewerbeorganisationen] im Auftrag des übergeordneten Leiters der NSHAGO in Rodenkirchen Anfang Mai 1934 an den Vater eines Mitglieds des katholischen Jungmännervereins, Wilhelm Schneider, heran und fordert, dass dieser sofort den Austritt seines Sohns Heinrich aus dem Verein veranlasst. Dem Sohn wird vorgeworfen, auf der Fronleichnamsprozession das Banner getragen zu haben – obwohl das Banner von der Regierung erlaubt ist. Zudem soll sich der Vater wegen des Bannertragens bei Bürgermeister Dr. Weitz entschuldigen.
Andernfalls wird ihm der Ausschluss aus der NSHAGO angedroht.
Wilhelm Schneider ist dort als Anstreichermeister und Obmann der Malerinnung Mitglied, und ein Ausschluss hätte für ihn erhebliche berufliche Folgen.
Daher meldet sich der Sohn am Folgetag bei Kaplan Heinrichs und berichtet ihm, dass man seinen Vater zwinge, ihn aus dem KJMV zu entfernen.
Heinrichs wendet sich daraufhin an das Erzbischöfliche Generalvikariat und schildert mit der Bitte um Hilfe die Angelegenheit. Dabei bemerkt er, dass Heinrich Schneider eines der „wertvollsten und treuesten Mitglieder unseres Vereins“ sei. Er sei Jungscharführer und „sehr aktiv und begeistert“. Daher der Angriff gegen ihn. Ein Austritt wäre ein „empfindlicher Schlag“ für den Verein. Er sei jedoch gewillt, „unter allen Umständen auch gegen den Willen seines Vaters im Kath. Jungmännerverein zu bleiben“. Es bedrücke ihn jedoch außerordentlich, wenn dadurch Maßnahmen gegen seinen Vater ergriffen würden, die sich „nachteilig auf Brot und Verdienst“ auswirken würden.
Das Erzbischöfliche Generalvikariat wendet sich daraufhin an den Kölner Regierungspräsidenten, von dem die Antwort erfolgt, es sei nie Druck auf Wilhelm Schneider ausgeübt worden. Man habe Schneider zwar gesagt, „dass seine Stellung als Amtswalter in einer Parteigliederung mit der führenden Stellung seines Sohnes im katholischen Jungmännerverein nicht zu vereinbaren sei, irgendwelche Benachteiligungen sind dem Schneider aber nicht angedroht worden“. Der Sohn Heinrich sei nach wie vor in führender Stellung im Jungmännerverein Sürth tätig. Etwaige Boykottmaßnahmen werde man mit den zu Gebote stehenden Mitteln verhindern.