HJ stört Veranstaltung der katholischen Jugend in Sieglar
Am 28. Januar 1934 veranstaltet die Sturmschar von Sieglar einen Elternabend im Jugendheim. Bereits Stunden vor Veranstaltungsbeginn greifen Mitglieder der Siegburger HJ Mitglieder der Sturmschar an, verfolgen sie bis in das Pastorat und versuchen, ihnen das Christuszeichen abzureißen.
Am Abend versucht dann der Führer der HJ, Unterbannführer Hagen, an der Veranstaltung der Sturmschar teilzunehmen, was ihm mit Hinweis darauf, dass es sich um eine geschlossene Veranstaltung handle und die Polizei, nicht die HJ das Aufsichtsrecht habe, verwehrt wird. Hagen bezeichnet die Versammlung daraufhin als „staatsfeindlich“ und folgt „nur unwillig“ den Anweisungen der Polizei. Trotzdem dringt die HJ auf den Jugendheimplatz bis zur Tür vor und muss zweimal durch den Pfarrer zurückgewiesen werden. Dabei benimmt sich Hagen ausgesprochen provozierend und stellt die Autorität von Kirche und Polizei infrage mit Worten wie: „Die Polizei hat uns früher mit Blei beschossen; wir stehen über der Polizei“. Auf die Frage, warum Siegburger HJ in Sieglar erschienen sei, antwortet die HJ, sie sei dafür da, sämtliche Versammlungen der katholischen Jugend aufzulösen.
Nachdem Hagen vehement Zugang zu der Versammlung gefordert hat, wird ihm diese kurzzeitig gewährt. Da er sich jedoch „ungebührlich“ benimmt und die Elternschaft in „große Erregung“ versetzt, wird er veranlasst zu gehen. Dies tut er mit den Worten: „Somit erkläre ich die Veranstaltung als staatsfeindlich; und sie wird damit aufgehoben!“ Nach einer weiteren hitzigen Auseinandersetzung verlässt Hagen mit seiner Gruppe den Saal.
Nach dem Elternabend werden heimkehrende Jung- und Sturmschärler in Begleitung ihrer Eltern von Mitgliedern der Siegburger HJ überfallen und geschlagen. Dabei droht HJ-Führer Hagen nach dem Bericht eines Zeugen sogar mit einer Pistole. Andere ziehen Messer und nehmen ihre Sturmriemen zum Schlagen ab.
Zudem wird der kirchliche Anzeigekasten an der Gartenmauer des Pastorats abgerissen.
Auch zuvor hat es Belästigungen der katholischen Jugend durch die HJ gegeben. So werden regelmäßig Sturmschärler nach Schluss ihres Heimabends von Hitlerjungen bis zu ihren Wohnungen verfolgt. Bei einer solchen Gelegenheit äußert einer der Hitlerjungen, sie hätten Befehl, die katholischen Jugendvereine zu vernichten.