HJ wirft katholischer Jugend aus Honnef Provokation vor
Am 4. März 1934 feiert die katholische Jugend aus Honnef (Sturmschar der Marianischen Jünglingskongregation und Gäste aus Godesberg, Beuel und Oberkassel) die Priesterweihe zweier ihrer Führer in einer internen, religiösen Feier in dem der Kirche gehörenden Jugendheim, das direkt hinter der Kirche liegt. Als der Raum nach dem Mittagessen kurz gesäubert wird, begeben sich die Jungen auf die Treppe und den engen Raum zwischen Kirche und Haus und vertreiben sich die Zeit mit dem Singen von Liedern, die einige auf der Gitarre begleiten.
Ein zufällig vorbeikommender Hitlerjunge fühlt sich davon „provoziert“ und benachrichtigt Nachrichtenleiter Fritschen, der den Jungen „in Anmaßung einer Polizeigewalt“ Spiel und Aufenthalt hinter der Kirche verbietet. Als die Jungen darauf nicht reagieren, wird der k. Bürgermeister Behr hinzugezogen, der „als Inhaber der Polizeigewalt“ das Haus schließen lässt.
Beim Verlassen des Hauses werden die Jungen von der HJ mit abfälligen Bemerkungen empfangen, darunter „Schwarze Halunken“.
Das katholische Pfarramt legt am 5. März 1934 Protest gegen „das rechtswidrige Verhalten des betreffenden Herrn auf kirchlichem Eigentum“ ein und fordert die Aufhebung der Maßnahme.
Dem wird dann auch nach wenigen Stunden stattgegeben.
Über den Vorfall erscheint am 6. März 1934 ein Artikel im Westdeutschen Beobachter „Pax-Jugendheim Honnef vorübergehend geschlossen – Sturmschar und Pax-Jugend provozierte die HJ und Parteigenossen“, in dem der Fall in einer gänzlich anderen Weise geschildert wird, nämlich als bewusste Provokation der HJ durch die katholische Jugend. Seitens der Kirche in Bad Honnef wird daraufhin am folgenden Tag eine Gegendarstellung verlangt. Darin wird u.a. darauf hingewiesen, dass es keine „Pax-Jugend“ gebe und diese Bezeichnung wohl aus einem falschen Verständnis des Christusmonogramms abgeleitet worden sei. Zudem wird die Behauptung zurückgewiesen, die Jungen hätten ein Konzert veranstaltet, das als Gegendemonstration zur Heldengedenkfeier gedacht gewesen sei. Die Jugendlichen hätten vielmehr die Primiz zweier ihrer Mitglieder gefeiert und seien nur kurz aus dem Heim gekommen, als dieses gereinigt worden sei. Sie hätten lediglich „auf Kircheneigentum einige deutsche Volksliedchen gesungen“. Es habe „kein öffentlicher Aufmarsch stattgefunden“, und die Schließung sei auch nach wenigen Stunden wieder aufgehoben worden.