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Ereignisse
1934
April

Essener katholische Jugend von HJ bedrängt

Bei einem Besuch von etwa 20 Angehörigen der katholischen Jugend aus Essen in Mettmann am 22. April 1934 werden die Jungen von der HJ kontrolliert, es werden ihnen angeblich verbotene Gegenstände abgenommen, und sie werden geschlagen. Obwohl die Jungen in Zivil sind und obwohl die HJ keinerlei polizeiliche Befugnisse hat, entwendet sie mit Hinweis auf ein bestehendes Uniformverbot Fahrtenmesser und zwei bunte Halstücher, die als „verkappte, verbotene“ Tücher interpretiert werden.

Als Kaplan Krombach von dem Vorfall erfährt, begibt er sich zusammen mit einem Polizeibeamten, Herrn Stamm, an den Ort des Geschehens und verlangt die Gegenstände durch die Polizei zurück. Der Führer der HJ, Kortmann, entgegnet jedoch, diese würden verbrannt.

Stamm möchte anschließend die Essener Jungen nach Essen zurückschicken und ihnen das Betreten der Stadt untersagen, wogegen Krombach stark protestiert: Die Jungen seien keine „lästigen Zigeuner, die man als gefährliche Subjekte wieder über die Stadtgrenze abschöbe“, und er dürfe wohl er erwarten, dass die Polizei „im Interesse von Recht und Gerechtigkeit die Sache objektiv behandle“.

Die Jungen dürfen daraufhin bleiben, und Krombach geht mit ihnen zum Jugendheim. Das Heim wird dann jedoch in den folgenden Stunden von der HJ belagert, und ein örtliches SA-Mitglied betritt das Heim und verlangt von einem der Essener, der ebenfalls SA-Mitglied ist, die Herausgabe des Braunhemdes. Dies wird ihm untersagt und er wird mit Hinweis auf seinen Hausfriedensbruch hinausgebeten.

Am Nachmittag werden die Essener mit einem Auto abgeholt und erhalten den von Krombach erwirkten polizeilichen Schutz. HJ-Angehörigen, die verlangen mitzufahren, wird das Anliegen verweigert.

Am 29. April belagern wiederum etwa sechs HJ-Angehörige das katholische Jugendheim. Zwei von ihnen klettern später, als das Heim leer ist, über den Zaun, werden dabei jedoch beobachtet und durch Krombach und einen SA-Mann vertrieben. Später kommen sie zurück, kommentieren unter Bemerkungen über die „Schwarzen“ den Vorfall in höhnischer Weise und stoßen Drohungen aus. Unter ihnen befindet sich der Fähnleinführer Steffens.

Krombach benachrichtigt daraufhin die Polizei und erbittet Schutz für das Heim.

In seinem Bericht an das Erzbischöfliche Generalvikariat teilt Krombach überdies mit, dass der Gefolgschaftsführer der Mettmanner HJ beim Abbrennen des Maifeuers am Hasseler Denkmal „in einer sehr gehässigen Weise“ über „schwarze Halunken“ und „schwarzes Gemüse“ gesprochen habe.

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