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Ereignisse
1934
April

Schulleiter in Remscheid sollen Schüler ins Jungvolk überführen

Bei der Schulleiter-Konferenz für Remscheid am 19. April 1934 erhalten die Schulleiter durch Schulrat Schmidt die Anweisung, binnen 19 Tagen die gesamte männliche Schuljugend zu 100 Prozent ins Jungvolk zu überführen. Zu drei Terminen sollen die Schulleiter anschließend über den Stand der Überführung berichten, am 25. April, am 1. Mai und am 8. Mai. Das Ergebnis soll dann am 9. Mai, dem Geburtstag von Baldur von Schirach, diesem als Geburtstagsgeschenk gemacht werden. Die Lehrer und Lehrerinnen sollen die Aufnahmescheine aushändigen, sie nach dem Ausfüllen einsammeln und mit der Aufnahmegebühr ans Schulamt abliefern.

Dabei fordert der Schulrat auch, dass die Jungen der konfessionellen Verbände nicht länger „abseitsstehen“ sollen.

Bannführer [Kotthaus?] erklärt bei der Gelegenheit, dass die „große Werbeaktion“ die „Einigung der Jungens beschleunigen“ solle, denn durch die „fortwährenden Neuaufnahmen“ würde die Jugend in der „geistigen und körperlichen Schulung gehemmt“.

Nach Bannführer Potthoff soll die Aktion im gesamten bergischen Bezirk durchgeführt werden, nach Bannführer [Kotthaus?] im ganzen Westen.

Der Schulrat bezeichnet die Werbung hierfür als eine Pflicht, der sich die Schulleiter „mit Wärme hingeben müssen“, und wer dies nicht könne, solle auf seinen Posten verzichten.

 

Für die Aktion gibt der Führer des Oberbannes 6/10 Roemryke Berge, Bannführer Herbert Potthoff, am 17. April 1934 einen Rundbrief an die Schulleiter der Schulen in Wuppertal, Solingen, Remscheid und den Landkreis Rhein-Wupper (sämtliche im Bereich des Oberbannes):

„Die Hitler-Jugend ist die Jugendorganisation der NSDAP. Sie trägt den Namen des Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler, weil er in ihr die Zukunft des deutschen Volkes sieht.

Wir alle haben dem Führer für seine Arbeit zu danken. Wir wollen ihn zu seinem Geburtstag dadurch erfreuen, dass wir uns einsetzen gemäß dem Willen des Führers eine geeinte Jugend zu schaffen, indem wir alle noch außenstehende Jg. veranlassen, der Hitler-Jugend beizutreten, damit aus der Kameradschaft der Jugend im Bund der HJ die Volksgemeinschaft der Zukunft erwächst.

Um dies Ziel zu erreichen, bitten wir um die tatkräftige Unterstützung der Lehrerschaft.

Wie soll sich diese auswirken?

Dahingehend, dass die Lehrerschaft ihre Schüler veranlasst, geschlossen der HJ bzw. dem Jungvolk beizutreten. Unter Hinweis auf den Wunsch des Führers und Kanzlers Adolf Hitler, dessen Wunsch uns Befehl sein muss, ferner unter Bezug auf das Flugblatt ‚Der deutsche Junge ist Hitlerjunge‘ und die Befürwortung der höheren Führer der Partei und SA zu dieser Geburtstagswerbung für die HJ. Die Werbung erstreckt sich vom 20. April bis 9. Mai. Um einen Überblick über die Werbung zu bekommen, erbitten wir Bericht.

Die einzelnen Klassen müssen ihren Ehrgeiz darin sehen, möglichst 100 Prozent ihrer Schülerzahl in der HJ zu organisieren. Die Schulen, die im Laufe der Werbung die besten Ergebnisse aufweisen, werden laufend in der Presse veröffentlicht.

Alle Schulen erhalten im Laufe des 19. bzw. des 20. Ostermond:

Plakat, Werbeblätter und Aufnahmescheine zugestellt.

Eine Aufnahme gilt dann als vollzogen, wenn der Aufnahmeschein ausgefüllt und die Aufnahmegebühr bezahlt ist.

Jungens im Alter von 10 bis 14 Jahren treten dem Jungvolk in der HJ bei, Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren gehören zur HJ.

Die Aufnahmegebühren betragen 30 Pfg. für das Jungvolk und 50 Pfg. für die HJ. In Ausnahmefällen, bei gänzlich unbemittelten Jg. kann die Aufnahmegebühr erlassen werden. In diesem Fall bitten wir um den entsprechenden Vermerk des Lehrers auf dem Aufnahmeschein.

Die Aufnahmescheine und Gebühren werden schulenweise gesammelt. […] Ich danke für Ihre Mitarbeit im Voraus“

 

Die erwähnten Werbeblätter zeigen auf dem Umschlag zwei Jungen, die sich umarmen, dazu die Aufschrift: „Junge, dein Dank dem Führer am 20. April, dass du mitkämpfst in der Hitler-Jugend! Der deutsche Junge ist Hitler-Junge!“

Im Innern befindet sich dann Appelle von Potthoff sowie Vertretern von Partei und SA, in die HJ einzutreten.

Potthoff leitet seinen Text dabei mit einer Glorifizierung Hitlers als „einsamer, unbekannter Arbeiter aus dem Volke“ ein, der im Krieg „seine übermenschlichen Fähigkeiten, seine unerschütterliche Tatkraft, einem hoffnungslos erscheinenden Kampf um die Befreiung der deutschen Nation“ gewidmet habe. Alles, wofür er gekämpft habe, sei „für Deutschland, für die Zukunft des deutschen Volkes, für deutsche Jugend“ gewesen.

Hitler habe dem Volk seine „Zersplitterung“, sein „eigensüchtiges Denken“ gezeigt und den „Glauben an unser heiliges Deutsches Reich“ und Hoffnung auf ein „besseres Morgen“ geweckt. Nun wünsche er „als Träger der kommenden Volksgemeinschaft die Kameradschaft aller jungen Deutschen in der Hitlerjugend“.

Daher appelliere die HJ „an alle jungen Deutschen im Bereiche des Oberbannes Roemryke Berge“, dem „Führer und Volkskanzler Adolf Hitler“ dadurch zu danken, „indem sie mitarbeiten am Aufbau unsere Vaterlandes und sich eingliedern in die Front der einigen deutschen Jugend und Hitlerjungen werden“.

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