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Ereignisse
1934
April

HJ überfällt Kölner Sturmschar

Am Ostermontag 1934 veranstalten elf Mitglieder der Jungschar des katholischen Jungmännervereins St. Bonifatius aus Köln-Nippes und ein Sturmschärler, alle 11 bis 13 Jahre alt, zusammen mit ihrem 34-jährigen Führer Jakob H. eine Radwanderung ins Bergische Land. Wegen des bestehenden Uniformverbots sind alle Jungen in Zivil, vier von ihnen tragen schwarze Kletterwesten, die jedoch, so ein Bericht des Vereins, „heute vielfach als Sonntagsbekleidung für Jungen dieses Alters anzusehen“ seien.

Zwischen Overath und Much begegnen ihnen etwa 15 Hitlerjungen im Alter von 18, 19 Jahren, die, als der Führer schon vorbeigefahren ist, die Jungen vom Rad reißen. Den Jungen, die Westen tragen, werden diese gewaltsam ausgezogen, jenen, die ihre Westen im Gepäck haben, wird das Gepäck entrissen, der Inhalt auf der Straße verstreut und die Westen entwendet.

Der Führer der Gruppe, der den Jungen zur Hilfe eilt, wird von der gesamten HJ mit Fußtritten und Faustschlägen misshandelt, ohne dass einer der „zahlreichen interessierten Zuschauer“ eingreift.

Nach 20 Minuten teils hitzigen Verhandlungen erreicht der Jugendführer, dass die Westen zurückgegeben werden. „Der Grund zur Herausgabe“, so der Bericht, „war jedoch vor allem der für eine Staatsjugend äußerst ungünstige Eindruck, den diese unwürdige und sich immer länger hinziehende Szene auf die sich ansammelnden Zuschauer und Passanten machte. Ein Herr, der versuchte, die Auseinandersetzungen zu schlichten, wurde von Mitgliedern der HJ in nicht wiederzugebender Weise beschimpft.“

Der katholische Jugendführer nennt dem HJ-Führer Namen und Adresse und verlangt diese auch von dem HJ-Führer, was jedoch verweigert wird. Er sei der Führer des Bannes 65 in Köln.

Seinen Bericht beendet der katholische Jugendführer mit den Worten: „Bezüglich meiner Person bemerke ich, dass ich mit 17 Jahren bereits in Kriegsdiensten gestanden habe und nun mit 34 Jahren muss ich mir gefallen lassen, dass ich auf offener Straße von Staatsjugend misshandelt werde.“

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