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Ereignisse
1934
Juli

Lehrer berichtet über nationalpolitischen Lehrgang

Am 2. Juli 1934 berichtet Studienrat Dr. Margraff über den nationalpolitischen Lehrgang 11/34/35 in der Jugendherberge zu Boppard:

„Gleich zu Beginn sind die Schüler in einer Schulungsstunde bekannt gemacht worden mit dem Ziel der national-politischen Lehrgänge und mit den speziellen Aufgaben, die wir in Boppard zu lösen hatten. Im Laufe der drei Wochen sind dann folgende Gegenstände im Schulungsunterricht behandelt worden: Der Zusammenbruch der Mittelmächte, Versailles, Besatzung, Inflation, Ruhreinbruch, Separatistenkämpfe, München 23, Stabilisierung der Währung, Völkerbund, Scheinblüte der Wirtschaft, Arbeitslosenproblem, politische Kämpfe, die zur Machtübernahme führten. Aufbau der NSDAP. Das Parteiprogramm. Die Abzeichen der SA, SS, HJ, BdM. Einen großen Raum nahm die Rassenfrage ein, die Maßnahmen zur Wiedergesundung des Volkes, die Judenfrage. Der VDA. Der Kolonialgedanke. Im Anschluss an ein Wort von Rudolf Heß die Frontgeneration ihre Stellung zur Jugend des dritten Reichs Adolf Hitler als Soldat im Weltkriege. Hierzu geeignete Kapitel aus „Mein Kampf“. Bei den Heimabenden auch Vorlesungen aus „Gruppe Bosemüller“ und Kriegsnovellen (Verlag Velhagen und Klasing.).

Täglich wurde Punkt 6 Uhr geweckt. 6.05 stand die Gruppe zum Frühsport angetreten vor der Herberge; das hat in den ersten Tagen einige Mühe gekostet, hauptsächlich wegen der Enge des durch Koffer und Tornister beschränkten Schlafraumes. Später setzte jeder seinen Stolz darin, möglichst schnell unten zu sein. Der Frühsport dauerte 30 Minuten und erstreckte sich in der Hauptsache auf 800 – 1.000 m Lauf und auf die in den Geländesportschulen gepflegten gymnastischen Übungen. 7 ¼ Kaffeetrinken. 7 ¾ Flaggenhissung. Punkt 8 Ausrücken zum Außendienst. Rückkehr gegen 12 ½, anschließend gleich Mittagessen. Freizeit bis 3 Uhr. (Gang in die Stadt nur nach vorheriger Erlaubnis.) 3-4 Schulungsstunde. 4 Kaffee. 4 ½ - 7 Außendienst. 7.30 Abend essen, bis 8 ½ Freizeit. 8 ½ -9 ½ Heimabend (Lieder, Vorträge, Humor, Dialekt, Dichtung) oder Putz- und Flickstunde. Diese allgemeine Tageseinteilung wurde streng eingehalten. Nur bei Regenwetter und sonntags fiel der Frühsport aus. An die Stelle des Außendienstes trat bei schlechter Witterung Unterricht im Tagesraum. Wehrsport. Größere Übungsmärsche von 12-15 km in geschlossener Ordnung und ohne wesentliche Rast sind 3 gemacht worden. Auf Wanderungen wurden bei sich bietenden Gelegenheiten Ordnungsübungen vorgenommen und Entfernungsschätzen, Orientierung an Hand der Karte, Geländebeschreibung und Beurteilung geübt. Einen Abend hatten wir auf meinen Wunsch hin die Sing- und Spielschar der Bopparder HJ bei uns zu Gast. Der Abend nahm einen harmonischen Verlauf.

Der Gesamteindruck des hinter uns liegenden Lehrganges ist ein durchaus günstiger und ich führe das darauf zurück, dass der Lehrgang unter einheitlicher, straffer Leitung stand. Sehr zu empfehlen wäre auch, wenn in den als Heim vorgesehenen Herbergen ein aus der dortigen Gegend stammender Assessor ständig tätig bliebe; so brauchten sich die einzelnen Kursusleiter nicht mühsam ihre Führungen zusammenzusuchen. Der Assessor müsste einen Geländesportkursus absolviert haben, innerlich den nötigen Schwung aufbringen und in der Lage sein, die nicht geringen körperlichen Anstrengungen zum mindesten ebenso gut wie die Schüler zu ertragen. Dem Herrn Assessor H., der mir als Mitarbeiter zugeteilt wurde, hätte ich etwas mehr Schneid und größere körperliche Leistungsfähigkeit gewünscht.“

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