Veranstaltungsreihe der HJ
Das „Rheinische Volksblatt“ berichtet:
„Die Hitlerjugend Gefolgschaft 3/I/230 Hilden hat jetzt einige veranstaltungsreiche Tage zu verzeichnen, die sich von Freitag bis Montag einschließlich erstrecken. An erster Stelle steht: Am Freitag Kundgebung gegen Standesdünkel und Kastengeist (Schülermützen). Die Kundgebung findet morgen Freitagabend 20 Uhr auf dem Marktplatz statt, es werden dabei Ortsgruppenleiter Heinrich Thiele und HJ-Bannführer Radermacher sprechen. Teilnahme aller Jg. ist Pflicht. Die Kundgebung richtet sich insbesondere gegen die Standesdünkel und Kastengeist in sich bergenden Schülermützen, und sämtliche höhere Schulen Hildens sollen bei dieser Gelegenheit ihre Schülermützen freiwillig hergeben, um sich zur großen Familie der Hitlerjugend zu bekennen.
Am Samstag: Sonnenwendfeier auf dem Sandberg am Jaberg. In Durchführung einer Anordnung der Reichsjugendführung veranstalteten Hitlerjugend, Bund deutscher Mädel und Jungvolk am übermorgigen Samstag (wie im Vorjahre) eine Sonnwendfeier auf dem Sandberg am Jaberg zum Fest der Jugend. Daran beteiligen sich auch sämtliche andern Formationen der NSDAP Ortsgruppe Hilden, die pünktlich um 19,45 Uhr auf dem Mark anzutreten haben, während die Hitlerjugend bereits um 19 Uhr am SA-Heim Schule Heiligenstraße antritt. Um 19,45 Uhr geschlossener Zug aller Formationen vom Markt zum Sandberg. Auf dem Sandberg Abbrennen des Feuers, Ansprache, Vorführungen der HJ, des BdM und Jungvolks, gemeinsamer Rückmarsch zur Stadt. An der Sonnwendfeier sollen auch alle Jugendlichen über 10 Jahren teilnehmen.
Sonntag und Montag: Beteiligung an auswärtigen Kundgebungen. Sonntagmorgen 5,45 Uhr (Treffpunkt Gabelung) fahren die Führer der Hitlerjugend vom Scharführer an aufwärts nach Duisburg zu einer HJ-Kundgebung, in der Reichsminister Heß, Stellvertreter des Führers, sprechen wird.
Und schließlich begibt sich die Gefolgschaft der HJ Hilden am kommenden Montag abends um 19 Uhr (Treffpunkt SA-Heim Heiligenstraße ) nach Haan zu einer Besichtigung durch den Oberbannführer Potthof, für die Pflichtteilnahme angeordnet ist.
Augenblicklich befindet sich die gesamte Hitler-Jugend des Reiches in einer gewaltigen Aktion gegen „Kastengeist und Standesdünkel“. Im Zuge dieser von der Reichsjugendführung proklamierten und unserem Reichspressechef, Gebietsführer Staebe, persönlich geleiteten Propagandaaktion für den wahren Sozialismus wird die Hitler-Jugend des Gebietes 10, Ruhr-Niederrhein, vom 15. bis 30. Juni einen gewaltigen Propagandafeldzug unternehmen gegen Kastengeist und Standesdünkel. Gehorchend dem Eigengesetz der nationalsozialistischen Revolution stellt die HJ nochmals die Aktion des Sammelns von Schülermützen in den Vordergrund. Diese Schülermützen werden am 30. Juni auf öffentlichen, von den Bannern durchgeführten Kundgebungen der NS-Volkswohlfahrt zur weiteren Verwertung (Umfärben, Einstampfen usw.) übergeben. Vernichtung des Klassenunterschiedes, des Standesdünkels und des Kastengeistes ist uns oberstes Gebot. Die Hitler-Jugend ist sich der Verantwortung gegenüber Führer und Volk vollauf bewusst. Sie wendet sich gegen alles Undeutsche und Artfremde und sagt allen denjenigen, die die Zeit für gekommen halten, in einer nicht misszuverstehenden Weise das jungen Deutschland und seinen Nachwuchs verächtlich zu machen, den unerbittlichen Kampf an. Schüler und Lehrlinge, wir rufen euch! Bekämpft mit uns die Schädlinge des Volkes.
Unser Feldzug soll sein ein disziplinierter Marsch der jungen Revolutionäre Adolf Hitlers, die in eiserner Pflichterfüllung sich in des Vaterlandes Dienst stellen und mit echt jugendlichem Elan alles zertreten und ausrotten, was sich dem Aufbauwerk des Führers und unserer verantwortungsvollen schweren Aufgabe hindernd in den Weg stellt. Kameraden! Fort mit der Mützenparade. Im nationalsozialistischen Deutschland sind „Proletarier“ deutsche Arbeiter „Pennäler“ und „Stutzer“ aber deutsche Schüler! Heinz Kuhlmeier, Bannführer der HJ.“
Am 26. Juni berichtet das Blatt über die Aktionen:
„Vergangenen Freitag versammelten sich abends 8 Uhr auf dem Marktplatz die Hitlerjugend und das Jungvolk Hilden zu der ausführlich angekündigten Kundgebung gegen Standesdünkel und Kastengeist, die sich insbesondere gegen die Schülermützen richtete. Die Kundgebung hatte zahlreiche Zuschauer herangezogen. Als Vertreter der Ortsgruppe der NSDAP Hilden wohnte Propagandaleiter Alfred Klaes der Kundgebung bei. Nach dem Gesang einiger Lieder der Hitlerjugend traf Bannführer Radermacher von der HJ ein, der in einer Ansprache die Pflicht der Hitlerjugend gegen Standesdünkel und Kastengeist Front zu machen und diese auszurotten, um die wirkliche nationalsozialistische Volksgemeinschaft zu schaffen. Ein nicht geringes Hilfsmittel dabei sei die Beseitigung der aus der versunkenen Zeit überkommenen Schülermützen der höheren Schulen, gegen die die Hitlerjugend zurzeit eine allgemeine Aktion zur freiwilligen Ablieferung durchführe. Alle deutschen Volksgenossen müssten heute und künftig eine große Familie bilden, in der Standesdünkel, Kastengeist und dadurch verursachter Zwiespalt nicht mehr gekannt werden, besonders aber nicht mehr in den Reihen der Jugend. Die deutsche Jugend müsse aus einem Guss zusammenstehen und dürfe durch nichts voneinander getrennt sein, auch nicht durch den Besuch verschiedener Schulen. - Im Anschluss an die Ansprache lieferten die in den Reihen des Jungvolks und der Hitlerjugend stehenden höheren Schüler zur festen Bekundung ihres Gemeinschaftsgeistes ihre Schülermützen zu Händen der NS-Volkswohlfahrt ab, bei der sie Einstampfung oder anderweitige Verwertung finden. Einige Kampflieder gaben der Kundgebung ihre Ausklang, woran sich noch ein kleiner Werbemarsch durch die Stadt anschloss. Am letzten Freitag hatte Unterbannführer Hoffmann aus Haan bei den hiesigen höheren Schulen (Helmholtz-Oberrealschule usw.) eine Werbeaktion für diese Kundgebung bezw. die freiwillige Ablieferung alle Schülermützen unternommen.
Sonnwendfeuer auf dem Sandberg. Die Sonnwendfeier zum „Fest der Jugend“ am Samstagabend wies eine sehr starke Beteiligung auf, da auch sämtliche Betriebszellen daran teilnahmen. Gegen 20 Uhr sammelten sich die Jugendorganisationen und die Formationen der NSDAP auf dem Marktplatz und um ½ 9 Uhr zogen dann unter Mitwirkung der Hildener Stadt- und Feuerwehrkapelle Tausende über die Mittelstraße und Elberfelder Straße hinaus zum Jaberg und Sandberg, voran die Hitlerjugend mit ihren Wimpeln. Auf dem Sandberg formierte man sich um die weit ins nächtliche helle Land schauende Kuppe. Nach einem Marschstück der Kapelle verkündete Gefolgschaftsführer Busse das Treuegelöbnis der Jugend an den Führer Adolf Hitler, das auf der Sonderseite „Sonnenwende 1934“ in der Freitagsausgabe dieser Zeitung veröffentlicht wurde. Dann wurde der Holzstoß entzündet, und bald loderte das Hildener Sonnwendfeuer in mächtigen Flammen empor, während das Lied „Flamme empor“ brausend in die Nacht erklang. Währenddessen grüßten die Sonnwendfeuer von Haan und Ohligs herüber. Als Redner war Kreisadjutant Docter aus Düsseldorf erschienen, der sich mit dem Sinn der alten deutschen Sonnwendfeier befasste. In ihr hätten sich unsere germanischen Vorfahren eins erklärt mit der Natur und dem Boden. Auch unser neues Reich, das national-sozialistische Dritte Reich des Führers Adolf Hitler, bekenne sich zu der Verbindung des Volkes und Reichs mit Blut und Boden, die stärker sei als fremde Mächte. Es gelte, das Erbe unserer Vorväter wieder auf zunehmen und zu pflegen, um in der Verbindung mit Blut und Boden den Kampf um unser neues Reich und unsere Zukunft zu bestehen. Der Redner erinnerte dabei an die Heldentat von Scapa-Flow und an die Notwendigkeit, dass alle jederzeit zum Einsatz für die deutsche Ehre bereit sein müssten, um das neue Reich zu schaffen, dessen Morgenröte unter dem Führer Adolf Hitler bereits angebrochen sei. Die Ansprache klang aus in dem Gelöbnis der Treue zum Führer und dreifachem Sieg-Heil, das seine Bekräftigung durch alle Teilnehmer in dem brausenden Gesang des Horst-Wessel-Liedes erhielt. Dann folgten Feuersprüche, Sprechchöre und gemeinsam gesungene Lieder der Hitlerjugend, die die feierliche Stunde des Sonnwendfeuers vollendeten.“