Luftschutz-Lehrgänge für Schüler
Das „Rheinische Volksblatt“ berichtet:
„Mit dem Freitagabend kamen die von der Ortsgruppe Hilden des Reichs-Luftschutzbundes veranstalteten Lehrgänge des Luftschutz-Fachtrupps Ekkehard in der Helmholtz-Oberrealschule zum Abschluss. Mit diesen Lehrgängen waren auch Aufklärungsvorträge für die Schulen verbunden. Am Donnerstagvormittag erhielten die Oberklassen der Volksschulen und die höheren Mädchenrealschulen in der Lagerhalle der Baumwollindustrie eine leichtverständliche Aufklärung über den Luftschutz und theoretische Unterweisungen über Luftschutzmaßnahmen, Verhalten und Bekämpfungsmethoden bei Luftangriffen durch den Truppführer Jatzkewitz. Die gleiche Aufklärung und Belehrung wurde am Freitagvormittag den Schülern der Helmholtz-Oberrealschule zuteil. Am Freitagnachmittag und -abend folgten ebenfalls in der Helmholtz-Oberrealschule für die Erwachsenen praktische Lehrgänge mit Brandbomben und Gasmasken, die von Obertruppführer Strehl abgehalten wurden.
Nach einer kurzgefassten Einführung in den Luftschutz, wie sie am Donnerstagabend bereits ausführlich gegeben worden war, wandte sich der Referent sich hauptsächlich den Wirkungen und der Bekämpfung der Bomben mit Kampfstoffen zu. An einigen Freiwilligen wurde die Wirkung von Tränengas und Blaukreuzgas demonstriert. Im Freien müsse man sich auf vergastem Gelände äußerst ruhig verhalten und gegen den Wind gehen. Dann behandelte der Redner die Grünkreuz-Kampfstoffe, die schwere Lungenschädigungen zum Ziele haben. Ein behelfsmäßiger Atemschutz könne das angefeuchtete Taschentuch sein, das vor Mund und Nase gehalten wird. Die drei Grünkreuzgifte seien am Geruch zu erkennen, der an verbrannten Gummi oder faulen Apfel oder Chlorwäsche erinnere. Weiter behandelte der Redner ausführlich die Gelbkreuzgifte „Dick“, „Lost“ und „Levisit“, die den Geruch von Zwiebeln, Senf und Pelargonien haben. Gelbkreuz gehe als Flüssigkeit durch die Kleider in die Haut, verursache Brandblasen und Brandwunden mit Geschwüren, und könne in 3-4 Wochen zum Tode führen, je nach den empfindlichen Verbrennungsstellen. Wenn man es rechtzeitig bemerke, müsse man es sauber abtupfen und die Stelle mit Chlorkalk übertupfen. Auch das betroffene Gelände müsse mit Chlorkalk entgiftet werden.
Von jedem der Kampfstoffe wurde eine Riechprobe herumgereicht nebst einer Tafel mit Aufnahmen von Verbrennungswunden. Hierauf folgte eine eingehende Aufklärung über die Gasmasken und ihre Anwendung an Hand von Personen und herumgereichten Gasmasken. Ausführlich schilderte der Referent an Hand von Plänen die Anlage und Einrichtung eines Schutzkellers, sowie das Verhalten dort im Ernstfalle, desgleichen die Bekämpfung von Bomben auf dem Dachboden, der von allem Gerümpel freigemacht werden müsse. Anschließend folgte auf dem Hof der Oberrealschule die Vorführung der praktischen Bekämpfung einer Brandbombe mit Thermitpulver und Bekämpfung von Phosphor unter weiteren Erläuterungen.
Damit war für den Großteil der Besucher der Lehrgang beendet. Ein kleiner Teil wanderte mit dem Referenten noch zum Keller der Turnhalle an der Schützenstraße, wo ihnen an einem von dem Trupp eingerichteten Schutzkeller die theoretischen Aufklärungen des Abends am Objekt praktisch bewiesen wurden. Am heutigen Samstag finden gleichartige Veranstaltungen mit dem Luftschutz-Fachtrupp in Mettmann statt. An den beiden Kundgebungstagen ist von dem Luftschutz-Fachtrupp Ekkehard auch ein Lehrtrupp für die Ortsgruppe Hilden ausgebildet worden. Die Abschlussprüfung dieses Lehrtrupps fand am Freitagnachmittag in Gegenwart der Polizeibehörde und des Vorstands der Ortsgruppe des R.L.B. statt.
Dieser erste Hildener Lehrtrupp ist 26 Mann stark und hat die Zukunftsaufgabe, in Hilden die Hilfskräfte für den zivilen Luftschutz - wie Hauswarte, Hausfeuerwehr usw. - auszubilden. In Hilden sind für den Ernstfall, wie wir schon gestern berichteten, mindestens 5.000 solcher Hilfskräfte notwendig, wenn ein wirklich funktionierender und wirksamer ziviler Luftschutz geschaffen werden soll. Die beiden Luftschutz-Werbetage haben zwar der Ortsgruppe Hilden des Reichs-Luftschutzbundes wieder eine beträchtliche Anzahl Mitglieder zugeführt, sodass deren Zahl auf 500 gestiegen ist- aber die unbestreitbare Notwendigkeit des zivilen Luftschutzes müsste doch dazu führen, dass diese Zahl sich im nächsten Vierteljahr mindestens verdoppelt, da der Mindestjahresbeitrag nur 1. - Mark beträgt. Der Luftschutz muss auf diese Weise zu einer Volksbewegung werden, wie es im Auslande bereits der Fall ist.
Der Reichs-Luftschutzbund hat zurzeit fünf solcher Luftschutz-Fachtrupps, die im Freiwilligen Arbeitsdienst stehen, zur Verfügung. Sie haben ihre Gründung dem Oberleutnant Roßbach zu verdanken, der zum Inspekteur des Luftschutzbundes ernannt worden ist. Im März dieses Jahres wird vom Luftschutzbund eine Führerschule eröffnet, in der die Landesleiter, Bezirksleiter und örtlichen Schulungsleiter nach und nach geschult werden sollen. Die Ortsgruppe Hilden hat seit einigen Wochen ihre Geschäftsstelle im Obergeschoß des neuen Teiles der Turnhalle an der Schützenstraße. Eine Luftschutz-Bauberatungsstelle ist ihr angegliedert und es steht ihr die Dauereinrichtung eines Schutzkellers zur Verfügung, deren Besichtigung dem Publikum gestattet und sehr zu empfehlen ist. Für die Schaffung von Luftschutzkellern und Luftschutzräumen gibt es, woran nochmals erinnert sei, auch die sogenannten Instandsetzungszuschüsse des Reiches.“