Gestaltung des Geschichtsunterrichts
In einem Bericht wird im Juni 1934 die Gestaltung des Geschichtsunterrichts am Leopoldinum in Detmold erläutert:
„Der Geschichtsunterricht als das Kernstück einer zukünftigen Nationalerziehung hat durch die nationale Revolution eine tiefgreifende Wandlung erfahren. Der Nationalsozialismus verlangt für den Geschichtsunterricht das Herausarbeiten großer Entwicklungslinien und Persönlichkeiten, die Erziehung zum deutschen Menschen und zu seinen Lebenswerten: Volk, Staat, Gott, die Zurückführung des deutschen Menschen auf seine völkischen Wurzeln: Rasse und Heimat. Die Geschichtsbetrachtung des Dritten Reiches ist keine politische wie die Rankes, keine kulturkundliche wie die Lamprechts, sondern eine rassenkundliche. Die rassenbiologische Geschichtsauffassung verfolgt die Grundsätze des Lebens in ihrer Wirksamkeit auch innerhalb der geschichtlichen Entwicklung. Sie geht aus von den wissenschaftlich gesicherten Grundergebnissen der Biologie, der Vererbungs- und Abstammungslehre. Auf der anderen Seite muss sie die Geschichte in allen ihren wesenhaften Äußerungen verfolgen und ihnen auf Grund der biologischen Erkenntnisse eine neue und tiefe Deutung geben. Damit ist diese Auffassung umfassender als jede vorausgehende und reicht von der Betrachtung der Lebensäußerungen der einfachsten Zelle bis hinauf zu den geistigen Gipfelleistungen höchster rassischer Entfaltung. Das Entscheidende ist immer bei der rassenbiologischen Geschichtsauffassung die richtige Verknüpfung der wesentlichen Erkenntnisse aus Natur und Geschichte. Sie erkennt und lehrt, dass ähnlich wie Pflanzen und Tiere auch Völker emporgezüchtet wurden und entartet sind. Heute, wo die wertvollsten Rassen, insonderheit die nordische Rasse, unseres Volkes in Todesgefahr sind, ist es unsere Pflicht, die Kräfte zur Entfaltung zu bringen, die einst unser Volk in Zeiten rassischen Aufstiegs erfüllt haben. Wie Hitlers Geschichtsbetrachtung auf rassenbiologischer Grundlage beruht, so muss auch der neue Geschichtsunterricht dieselben Grundlagen haben.
Da die Regierung für den Geschichtsunterricht bis Ostern den Gebrauch von Lehrbüchern untersagt hatte, war es notwendig, für Lehrer und Schüler, die grundlegenden Werke der neuen Geschichtsauffassung und der nationalsozialistischen Revolution sowie eine Anzahl von Leseheften für die Schüler anzuschaffen. Außerdem ist ein Saarfilm angeschafft worden und zur deutschen Vorgeschichte 76 Lichtbilder, deren Vorführung den Geschichtslehrern zur Pflicht gemacht ist. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich hervorheben, dass Lehrer wie Schüler den dickleibigen Geschichtsbüchern keine Träne nachgeweint haben. Der Unterricht war nämlich vielfach in dem Bestreben, mit dem „Pensum” fertig zu werden, in eine Art Paragraphenjagd ausgeartet. Der Geschichtsunterricht hatte oft zu wenig Zusammenhang mit dem Leben, weil nicht immer beachtet wurde, dass Geschichte das Leben der Vergangenheit ist. Durch die Ausschaltung des Lehrbuches bis Ostern war dem Lehrer eine größere Freiheit, aber auch eine größere Arbeit und Verantwortung und dem Schüler ein stärkeres Maß von Mitarbeit in der Stunde zugemutet, die aber von beiden Seiten freudig getragen wurde, weil nunmehr Leben und Bewegung, mehr Erkenntnisse und staatspolitische Schulung als Kenntnisse, den Unterricht beherrschten. Die Reifeprüfungen Ostern 1934 bewiesen, dass auch ohne Lehrbuch gute Ergebnisse erzielt werden können. Das stellten die Vorsitzenden der Reifeprüfungen und der Unterzeichnete gerne fest.
In der Arbeitsgemeinschaft wurden im Einzelnen für die Methode im Geschichtsunterricht folgende Richtlinien aufgestellt: Schon Ulrich Peters hatte sich dagegen gewandt, dass alle Perioden der Geschichte gleich ausführlich behandelt wurden. Er schuf den Begriff des Orientierungsunterrichts für weite Gebiete der Geschichte, worunter er orientierende Überblicke des Lehrers über weniger wichtige geschichtliche Perioden verstand. Er wollte dadurch Zeit gewinnen für eingehendere Behandlung großer Persönlichkeiten und wichtigere Ereignisse, um durch sie Vertiefung und geschichtliches Denken zu wecken. Ähnlich sieht auch Adolf Hitler den Hauptwert des Geschichtsunterrichts im Erkennen der großen Entwicklungslinien. Er macht dem Geschichtsunterricht den Vorwurf, dass er auf den Stoff, auf Namen, Daten und Zahlen allzu großes Gewicht gelegt habe, anstatt auf geschichtliches Denken und Erkennen und Auslösung ethischer Kräfte wie Treue, Opferwilligkeit, Verschwiegenheit. Nicht, dass die Griechen bei Salamis gesiegt haben, ist wichtig, sondern mit wie heroischer von Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit getragener Tapferkeit sie der mehrfachen Übermacht der Perser widerstanden haben. Nicht, dass die Römer bei Cannae geschlagen sind, muss im Mittelpunkt stehen, wohl aber, dass sie durch die Führerpersönlichkeit Hannibals und mit der schiefen Schlachtordnung besiegt sind, die dann Friedrich der Große bei Leuthen und Hinden-burg bei Tannenberg angewandt haben. Noch wichtiger aber ist, dass die Römer in heroischem Widerstand, in politischem Instinkt und nationaler Selbstzucht dem geschlagenen Feldherrn den Dank des Vaterlandes aussprachen, während die Griechen ihre siegreichen Feldherrn hinrichten ließen. Nicht, dass Friedrich der Große 7 Jahre Krieg geführt hat, ist das Entscheidende, sondern welche Kräfte ihn dazu befähigt haben. Das Schwergewicht des Geschichtsunterrichts liegt also nicht auf dem Stoff, sondern auf den ihn bestimmenden Kräften und Ursachen. Nicht auf Kenntnisse kommt es in erster Linie an — sie sind nur Mittel zum Zweck —, sondern auf Erkenntnisse und staatspolitisches Denken und Handeln. Hierfür braucht man aber nicht die genaue Kenntnis aller Ereignisse von den Ägyptern bis zur Gegenwart. Es genügt, das an einigen großen Persönlichkeiten und wichtigen Ereignissen zu zeigen. Non multa, sed multum. Die Zeit, die dadurch gewonnen wird, benutzt man, um durch Quellen und durch die Darstellung bedeutender Historiker eine Vertiefung des geschichtlichen Bildes zu erzielen. Ich weise auf die glänzenden Darstellungen Armins und Steins hin von Moeller van den Bruck, die im Unterricht der Oberstufe gelesen worden sind.
Zusammenfassend versuchen die Geschichtslehrer, folgende 4 Aufgaben zu erfüllen:
1. Verständnis zu wecken für die in der deutschen Geschichte wirkenden völkischen Grundkräfte: Boden, das rassisch bestimmte Volk, Persönlichkeit, Kultur und Gott.
2. Auslösung ethischer Kräfte, wie Opferwilligkeit, Mut, Treue, Verschwiegenheit.
3. Weckung von Nationalbewusstsein und Nationalstolz.
4. Ummünzung dieses Nationalgefühls in politische Willenskraft und Opferbereitschaft für Volk und Staat. Immer muss der Geschichtsunterricht getragen sein von einem Geist, wie ihn Fichte formuliert: Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben. An deines Volkes Auferstehn!“