Bericht über Schuljahr
Im Bericht von Studiendirektor B. über das Schuljahr 1933/34 an der Staatlichen Aufbauschule in Detmold heißt es am 15. Juni 1934:
„Das Schuljahr 1933/34 stand im Zeichen der nationalsozialistischen Revolution. Die ungeheure Macht der Ideen dieser Bewegung erfasste nicht allein das politische Leben unseres Volkes und schuf hier eine ganz neue politische Gestalt; als echte, auf einer neuen Weltanschauung gegründeten Revolution drang sie aufrüttelnd, umstürzend und neugestaltend tief in das geistige und seelische Leben unseres Volkes ein. Diese Bewegung, die das „Wir” der deutschen Volksgemeinschaft anstelle des „Ich” der vergangenen liberalistischen Zeit einsetzte, musste naturnotwendig revolutionierend in unsere Erziehung eingreifen, in der man seither die Bildung des Einzelmenschen und seine Erziehung zur Menschheit schlechthin als höchstes Ziel gesehen hatte. Der sich hier vollziehende geistige Umbruch und der Kampf der nationalsozialistischen Bewegung um den Durchbruch der neuen Ideen spiegeln sich in der Geschichte des vergangenen Jahres wieder. Es galt hier nicht nur den aus politischer Einstellung sich ablehnend Verhaltenden — den Gegner zu erfassen, sondern auch den weitaus größten Teil unserer Lehrerschaft, die durch die alte Schule gegangen war und noch im alten Denken steckte. Die neue Gestalt unserer nationalsozialistischen Schule zu schaffen ist Aufgabe der vom Führer beauftragten Männer; in die neue Gestalt aber den notwendigen, vom Nationalsozialismus durchdrungenen Inhalt zu gießen, ist Aufgabe der Erziehung des deutschen Menschen. Diese große Erziehungsarbeit begann mit dem Anfang des abgelaufenen Schuljahres. Die Geschichte der Bewegung wurde Gegenstand der geschichtlichen Behandlung, die Erblehre und Erbpflege wurde verstärkt im Biologieunterricht getrieben, in Konferenzen, Vorträgen und Arbeitsgemeinschaften das Ideengut des Nationalsozialismus in die Lehrerschaft getragen und durch das Miterleben der erhebenden Feiern des neuen Staates das Herz für die Größe und Macht der Bewegung aufgeschlossen. Während die ältere Generation nur zögernd und abwägend dem Neuen entgegenkam und das große Geschehen mehr verstandesmäßig zu erfassen versuchte, empfand unsere deutsche Jugend diese Revolution der Jugend als eine Erfüllung ihres innersten Sehnens und Hoffens und stürmte unbelastet und mit offenem Herzen dem Führer entgegen. So musste sich ein scharfer Gegensatz zwischen Jugend und Schule herausbilden, der noch teilweise dadurch vertieft wurde, dass manche ihrer Lehrer einen allzu raschen, politischen Kurswechsel Vornahmen. Nur in einem Falle war an unserer Anstalt durch das ungeschickte politische Verhalten eines Kollegen ein solcher Gegensatz aufgetreten, der aber durch das Eingreifen des Unterzeichneten rasch beseitigt werden konnte. Andererseits griffen manche übereilte und über das Ziel hinausgehende Maßnahmen der Jugend störend in das Gebiet der Schule ein; diese Übergriffe müssen selbstverständlich aus der Jugend und der Zeit heraus verstanden und gewertet werden. Sie konnten jeweils durch verständnisvolle Zusammenarbeit mit der Führung der HJ abgestellt werden. Eine schwere und bedenkliche Störung erfuhren besonders im letzten Halbjahr Unterricht und Schule durch die allzu häufige Inanspruchnahme der Jugend für alle möglichen Sammlungen und Veranstaltungen. Es ist zu hoffen, dass die neugegründete NSV in Zukunft diese Aufgaben selbst übernimmt, damit endlich unsere Schule einmal in die zur Arbeit unbedingt notwendige Ruhe kommt. Was die Störungen des Unterrichts durch die oftmals überspannten Forderungen der HJ anbelangt, so begrüßt die Schule ganz besonders warm die geplante Einführung des Staatsjugendtages. (…)
Abschließend ist über das vergangene Jahr zu sagen: Nicht allein durch die große Idee und den Schwung der nationalsozialistischen Bewegung ist ein neuer Geist in unsere Jugend und in unsere Schule eingezogen; der überall fühlbare Aufschwung unserer Wirtschaft hat darüber hinaus unseren jungen Menschen ein neues Hoffen für ihre eigene Zukunft geschenkt. Dieses Vertrauen zur Führung des neuen Staates, die innere Verbindung unserer Jugend mit der Bewegung, die planvolle Erziehung dieser Jugend durch die Schule, das Elternhaus und die Organisationen der Bewegung im Sinne unseres Führers wird ein Geschlecht schaffen, das fähig und bereit ist, Deutschlands Schicksal in der Zukunft zu meistern.“