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Ereignisse
1934
Juni

HJ-Kundgebung in Münster

Im Auftrag des Gauleiters Westfalen-Nord vermittelt der Leiter des Gauorganisationsamtes, Gaukommissar Steinecke, am 11. Juni 1934 per Rundschreiben (Nr. 34/34) folgenden Bericht über „eine erhebende Kundgebung“, die am Tag zuvor in Münster stattgefunden hat.

„Der Bund zwischen der Partei (PO.) und der Hitlerjugend

Der Gauleiter wurde von einer mustergültig disziplinierten Führerversammlung der Hitlerjugend und des BDM. in der Stadthalle zu Münster begrüßt. Während der gesamten Kundgebung, die einen einzigartigen Auftakt zu einem Bund zwischen dem jungen und alten nationalsozialistischen Kämpfertum bildete, herrschte in herzerfrischender und eindrucksvoller Weise eine Stimmung wie in Tagen und Jahren des vergangenen Kampfes.

Der Gebietsführer Langanke gab nach den Worten der Obergauführerin des BDM., deren Mädel die Emporen im weiten Rund füllen, die Parole aus für den Kampf des jungen Deutschlands. Seine ernsten und eindringlichen Worte waren ein Bekenntnis zur Partei: „Die Hitlerjugend ist nicht Selbstzweck — sie ist ein Teil der Bewegung. Die Hitlerjugendführer haben die schwerste Verantwortung, sie sind die unmittelbaren Hüter der kommenden Führer Deutschlands. Kritik ist allen wahren Kämpfern aus dem großen Ringen und dem Kampf der Partei gestattet, aber nicht den Spießern, Meckerern und Besserwissern!”

Den Höhepunkt der Tagung stellte die Rede des Gauleiters dar, die durch die stürmische Zustimmung der jungen Führer immer und immer wieder unterbrochen wurde.

Der Gauleiter bestätigte und unterstrich diesen neugeschlossenen und unlösbaren Bund zwischen der PO [= Politischen Organisation] und der Hitlerjugend. Die Hitlerjugend ist ja nicht als satte Nutznießerorganisation nach Ergreifung der Macht entstanden, sondern ist im Kampf durch Blut und Todesopfer gebildet. Sie hat sich ihre Stellung in Staat und Partei in schwerem Kampf erkämpft. Die feste Verbundenheit der alten Kämpfer, der SA, also der alten Garde mit der jungen Garde der HJ ist eine blutsverbundene, im Kampfe erhärtete Selbstverständlichkeit. Im Gegensatz zur italienischen Ballila, die reine Organisationsarbeit unter Beamten- und Offiziersaufsicht darstellt, ist die Hitlerjugend des neuen Deutschlands eine Bewegung! Eine Bewegung, die mit Recht aus ihren Reihen heraus die Führer entstehen lässt.

Die Hitlerjugend stellt den Nachwuchs für die Gesamtpartei dar. Die Auslese der Hitlerjugend stellt die Führer für Partei, Staat, Wirtschaft. In der SA und SS soll der Hitlerjunge seine bedingungslose deutsche Treue im Geiste eines Horst-Wessel beweisen und im Arbeitsdienst die Volksgemeinschaft achten und lieben lernen. Diese Volksgemeinschaft, die zum ersten Mal in den Schützengräben des großen Krieges ihre Geburtsstunde feierte, diese Volksgemeinschaft ist der Sinn des Nationalsozialismus. Alles das, was diese Volksgemeinschaft hindert, was neue Klassenhetze herausfordern will, muss vernichtet werden.

Aber aus dieser ehrenvollen Bestimmung der Hitlerjugend erwächst schwere Verantwortung dem Führer und dem Staat gegenüber. Die Hitlerjugend ist revolutionär und soll revolutionär sein!

Sie muss und wird aber auch denselben Gehorsam, dasselbe blinde Vertrauen, dieselbe Selbsterziehung beweisen müssen, wie sie die alte Garde bewiesen hat. Der Gebietsführer hat jegliche Einmischung in konfessionelle Streitigkeiten verboten.

Was nützt es, wenn übereifrige Jugendführer in ihrem Bestreben, das wir verstehen, einen Feuergeist in einem morschen Körper bilden! Schon jetzt liegen Meldungen vor, dass junge Menschen durch körperliche Überanstrengung durch den Dienst militäruntauglich geworden sind. Wir werden dafür Sorge tragen, so führte der Gauleiter aus, dass ihr junge, verständige, beratende Arzte bekommt. Keine Meckerer, sondern junge Menschen, die zu Euch gehören und Euch begreifen können, wie wir Euch verstehen und lieben. Wir werden Euch helfen, wo wir können!. Ich werde meine politischen Leiter, meine Kreis- und Ortsgruppenleiter sofort an weisen, sich über alle Eure Fragen und Sorgen der HJ zu orientieren, Euch fördernd zu helfen in jeder Weise. Ein fortwährender Gedankenaustausch zwischen den Stellen der PO und HJ soll diesen für alle Zeiten geschlossenen Bund festigen! Partei und Staat werden gegen jeden vorgehen, der sich gegen das junge Deutschland versündigt!”

Die Pflege der Familie als Zelle des nationalsozialistischen Staates, die Achtung vor der Familie als entscheidender Bestandteil für das Leben der Nation ist Pflicht für jeden deutschen Jungen und jedes deutsche Mädchen.

Die Kundgebung hat bewiesen, dass unsere Jugend begeisterungsfähig, jung und stark ist. Der Gauleiter erwartet von jedem seiner politischen Führer, dass er sich nun in geeigneter Weise mehr denn je seiner jungen Kameraden annimmt. Nicht als Lehrer im erzieherischen Ton, sondern als verständnisvoller Kamerad. Besonders aber betonte der Gauleiter zum Schluss, dass alle seine politischen Leiter schon jetzt auf Verlangen den Führern der HJ Einblick in die Organisation der PO zu geben hätten, damit eine parteiamtliche und staatspolitische Ausbildung gewährleistet wird.“

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