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Ereignisse
1943
November

KLV durch Schulunterricht vor Ort erschwert

Am 1. November 1943 richtet der Rektor der nach Meuselwitz verlegten Marianne-Rhodius-Schule in Krefeld folgendes Schreiben an den Regierungspräsidenten in Düsseldorf, in dem sie darauf hinweist, dass die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder an Verschickungsaktionen bzw. Schulverlegungen teilnehmen zu lassen, durch die Fortsetzung des Schulunterrichts in den Heimatstädten verringert würde:

„Die Rückkehr aus den Aufnahmegauen kann von den verschickten Lehrkräften nur dann nachdrücklich unterbunden werden, wenn die Wiederaufnahme zurückgekehrter Haupt- und Mittelschüler in die 1.-5. Klassen in Krefeld grundsätzlich versagt wird.

Die Lehrkräfte in den Aufnahmegauen betrachten es von Anfang an als ihre Pflicht, der Rückwanderung entgegen zu wirken und tun, was sie können, ihre Klassen zusammenzuhalten. Viel wichtiger ist es, wenn die in der Heimat verbliebene Erzieherschaft sich dafür einsetzt, dass die Schulverlegung vorgeführt wird und sich nicht eifrig bemüht, , ihren Klassen in der Heimat das Gefühl des Geborgenseins zu geben. Ich muss immer wieder diesen Eindruck gewinne; denn selbst die bereitwilligen Eltern ziehen jetzt ihre gegebene Meldung zur Nachverschickung zurück, wie beigefügter Originalbrief einer Mutter zeigt, die gebeten hatte, für ihre Tochter ein Quartier bereitzustellen. Solange Haupt- und Mittelschulklassen in Krefeld unterhalten werden, ist die Schulverlegung auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten, dann streben die bereits Verschickten wieder zurück. Wenn aber in der Heimat keine Möglichkeiten eines geordneten Schulbesuchs mehr bestehen, werden die meisten Eltern der Verschickung zustimmen. Der Besuch auswärtiger Schulen wurde doch schon in Friedenszeiten von vielen Eltern in Kauf genommen, die in Orten ohne weiterbildende Schulen wohnten und Interesse an der Ausbildung ihrer Kinder hatten. Diese „Verschickung“ war sogar mit besonderen Kosten verbunden, ein Opfer, das von einsichtigen Vätern gerne gebracht wurde. Es wird auch heute gebracht, wenn im Heimatort keine Möglichkeit zum Besuch mittlerer oder höherer Schulen besteht. Wenn aber in Krefeld Mittelschulklassen geöffnet bleiben, ist es verständlich, dass alle Eltern davon Gebrauch machen wollen und auch die bereits verschickten Kinder zurückholen. Wir verschickten Lehrkräfte kämpfen solange vergeblich um den Bestand der verlegten Schule, bis entweder die Klassen in der Heimat geschlossen, oder wenigstens den aus dem Aufnahmegau zurückgekehrten Schülern die Aufnahme dort grundsätzlich verweigert wird, ganz davon abgesehen, dass eine Umschulung innerhalb derselben Schule, d.h. von der verlegten Klasse zur Parallelklasse in der Heimat ohne das Einverständnis des Schulleiters eine Unmöglichkeit ist. Ein Schulleiter muss doch innerhalb seiner eigenen Schule, auch wenn sie z. Zt. in zwei verschiedenen Orten untergebracht ist, eindeutige Anordnungen treffen können. Entweder gilt die Schule als verlegt, dann trifft das für Leiter, Lehrkräfte und Schülerschaft zu, und alle bleiben b.a.w. im Aufnahmegau, oder die Schulverlegung wird aufgehoben, dann kehren die meisten in die Heimat zurück.

Als es in den ersten Tagen nach dem Terrorangriff auf Krefeld hieß, die Marianne Rhodius-Schule wird verlegt, lagen in wenigen Tagen ca. 300 Meldungen zur Verschickung vor. Erst als gewissenlose Elemente (auch in der Erzieherschaft) die Parole ausgaben: „Hierbleiben! Je mehr hierbleiben, umso sicherer werden hier in Krefeld die Schulen wieder aufgemacht,“, bleiben viele im letzten Augenblick zurück, etwa 200 fuhren mit zum neuen Schulort. Als kurze Zeit nach der Verlegung die Wiedereröffnung der 1.-5. Klassen bekannt wurde, begann die Rückwanderung größere Ausmaße anzunehmen. Sie hat inzwischen die Zahl 32 erreicht, und ich konnte sie nur abstoppen, als ich den Eltern gegenüber mit allem Nachdruck darauf hinwies, dass die Wiedereröffnung nur vorübergehend   sei. Sobald diese nun den Eindruck gewinnen, dass aus der vorübergehenden Öffnung ein Dauerzustand wird, werden die meisten ihre Kinder zurückholen und versuche, sie in Krefeld einzuschulen. Dann ist unsere aufgewandte Mühe, der Schule im Aufnahmeort eine zweite Heimat zu schaffen vergeblich gewesen, und alles Einwirken durch Wort und Beispiel seitens der eingesetzten Lehrkräfte kann die Rückwanderung nicht mehr aufhalten. Wir verlieren das Vertrauen der Eltern, man glaubt uns nicht her, weil da, was wir versprochen und in Aussicht gestellte haben, nicht durchgeführt wurde. Es muss m.E. bei der vorübergehenden Wiederaufnahme des Unterrichts im Gau Düsseldorf bleiben, dann wird die Frage der Wiederaufnahme zurückgekehrter Schüler ohne weiteres hinfällig.

Wie weit die verlegte Schule am neuen Ort bereits Fuß gefasst hat, und wie sie bemüht bleibt, ein gutes Einvernehmen mit der hiesigen Bevölkerung zu gewährleisten, mag der beigefügte Presseauszug zeigen.“

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