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Ereignisse
1943
August

Hirtenbrief der deutschen Bischöfe

In einem Hirtenbrief der deutschen Bischöfe vom 23. August 1943 heißt es unter der Überschrift „Glaubensbegriff, Glaubensgefahren, Zeitlage - Einspruch gegen staatliche Maßnahmen“:

„Zum vierten Mal während dieses furchtbaren Krieges knien wir Bischöfe betend am Grabe des hl. Bonifatius. (...)

Im Augenblick gilt unsere besondere Sorge auch allen jenen Tausenden, wenn nicht Millionen, die die heimische Scholle verlassen und in fernen Gauen, auf fremdem Eigentum, eine einstweilige Unterkunft suchen mussten, weil sie alles verloren haben. (...)

Wir sind uns wohl bewusst, wie leicht sich durch diese Mischung von Menschen verschiedenster Denkungs- und Lebensart Unglaube und Unsitte in die Familien einschleichen, wie leicht durch verdorbene Menschen Kinder verführt und ganze Familien in tiefstes sittliches Elend gebracht werden können. (...)

An die Ausgewanderten aber richten wir die Mahnung: (...) Wenn eure Kinder bei euch sind, führt sie dem Gottesdienst, dem kirchlichen Unterricht in der neuen Heimat zu! Und sind eure Kinder fern von euch, vielleicht in Gemeinschaftslagern, dann ermahnt sie in euren Briefen immer wieder, den Herrgott nicht zu vergessen! Lasst es ihnen gegenüber immer wieder durchblicken, dass eine Sorge euch am tiefsten bewegt, die Sorge um ihre unsterblichen Seelen, dass sie rein und unverdorben bleiben und Gott die schuldige Ehre geben. Ihr habt als Eltern und Erziehungsberechtigte das Recht zu fordern, dass eure Kinder, auch in den Lagern, die Möglichkeit haben, sonntags der heiligen Messe beizuwohnen und religiösen Unterricht nach den Lehren unseres heiligen Glaubens zu erhalten. Kämpft für dieses Recht und ruhet nicht, bis es euch gewährt ist! Wir deutschen Bischöfe tun, was in unseren Kräften steht, dass unsere Priester sich untereinander austauschen und überall, auch in der Diaspora, Gelegenheit bieten, die heiligen Sakramente zu empfangen, das heilige Opfer mitzufeiern, Religionsunterricht zu erhalten. Möge die gewaltige Binnenwanderung die unser ganzes Volk ergriffen hat und die uns vor unerhörte Seelsorgeaufgaben stellt, schließlich dazu beitragen, dass Gottes Ehre vermehrt, unser Glaube gefestigt, christliche Tugend gefördert werde. (...)

Aber leider müssen wir mit tiefem Bedauern feststellen, dass der Kampf gegen Christentum und Kirche immer noch fortgeht, dass Unterricht und Schulung in weitem Umfange in den Dienst der Entchristlichung des Volkes, besonders der Jugend gestellt wird, dass landverschickten, in Lagern, Heimschulen und Schülerheimen untergebrachten Kindern und Jugendlichen der Gottesdienst und Sakramentsempfang vielfach sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht wird.“

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