Lagebericht des Regierungspräsidenten Troppau
In einem Lagebericht teilt der Regierungspräsident Troppau am 6. Juli 1943 mit:
„Dass auch bei der Kinderlandverschickung nicht immer mit dem nötigen Geschick vorgegangen und dadurch Missstimmung unter der einheimischen Bevölkerung erzeugt wird, ist aus folgendem Bericht des Bürgermeisters von Odrau an den Landrat in Neutitschein zu entnehmen. Dieser schreibt:
‚Verstimmend wirkt ferner der Umstand, dass von den aus dem Altreich auf Urlaub weilenden Kindern die meisten aus weit besseren Lebensverhältnissen herkommen, als sie in unserer bescheidenen Heimat gegeben sind, eine Tatsache, die bei solchen Aktionen von Haus aus berücksichtigt werden müsste. Wenn z.B. solche Kinder erzählen, dass sie zu Hause 30 Gänse und ungezählte Hühner hätten und dass sie nicht gewohnt seien, zum Frühstück Marmeladebrot ohne Butter zu essen, dann taucht bei unseren bedürftigen Volksgenossen die Frage auf, wozu solche Kinder auf Erholung geschickt werden und warum nicht unsere eigenen Kinder, die in unvergleichlich bedürftigeren Verhältnissen leben, viel eher Anspruch auf eine solche Erholungsaktion hätten. Denn was der Sudetengau noch zu geben hat, ist buchstäblich nichts anderes mehr, als die aufgeschlossenen Herzen und der gute Wille seiner Bevölkerung. Komfort, Schmalz und Reichtum sind hier nicht mehr anzutreffen.‘“