„Gemeinschaftsbriefe“ erwünscht?
Im „Oberdonau-Hochwald. Elternbrief der Erweiterten Kinderlandverschickung“ heißt es im Juli 1943:
„Der "Hochwald"-Elternbrief hat schon in diesem und jenem Lager von Gemeinschaftsbriefen gehört und dabei herausgefunden, dass die Lagerleiter in dieser Sache durchaus nicht einer Meinung sind. Manch ein Lagerleiter hegt die Befürchtung, dass die Eltern an solchen Briefen keine rechte Freude hätten, ja, dass sie dieselben vielleicht mit Misstrauen aufnehmen würden.
Nun, liebe Eltern, wie ist das? Setzt Ihr wirklich ein Fragezeichen hinter solch einen Gemeinschaftsbrief, und denkt Ihr, dass da ein Lagerleiter dem Kinde etwas diktiert hätte, was diesem nicht vom Herzen käme? Und Ihr, die Ihr bereits solch einen Brief erhalten habt, wie stellt Ihr Euch dazu? Der "Hochwald"-Elternbrief jedenfalls möchte sich in dieser Frage voll und ganz der Meinung eines sehr umsichtigen und bewährten Lagerleiters anschließen, der sich für den Gemeinschaftsbrief einsetzt und seine Jungen fallweise solche schreiben lässt. Der Mann hat nur zu Recht, Kinder schreiben immer dasselbe und in der Hauptsache - Unwesentliches. "Wir bekamen drei Butterbrote." Wie oft hat der Junge oder das Mädel Euch denn schon diese an sich ja gewiss erfreuliche Tatsache gemeldet? - Schließlich gibt es aber im Lagerleben, das so vielseitig gestaltet ist, denn doch noch bemerkenswertere Begebenheiten. (...)
Es wäre also durchaus verfehlt, wollte man hinter einem gutgemeinten Gemeinschaftsbrief Unechtes vermuten. Nein, liebe Eltern, da könnt Ihr vollauf beruhigt sein. Der Gemeinschaftsbrief will nichts anderes, als Euch möglichst viel von dem vermitteln, was das Leben Eurer Kinder so reich und schön gestaltet und will Euch sagen, dass die Umsicht, die über Euren Kindern wacht, etwas mehr zu geben hat, als die berühmten -- drei Butterschnitten.“