Zerstörung des Schulgebäudes der Kölner OfJ Kreuzgasse
In der Schulchronik der Kölner Oberschule für Jungen in der Kreuzgasse heißt es zu den Zerstörungen am 29. Juni 1943:
„In der Nacht 28./29.VI. 1943 sind auch die Schulgebäude der Kreuzgasse dem Terrorangriff auf die Innenstadt zum Opfer gefallen. Die Brandwache bestand aus St.Rt. Burckhardt, 7 Schülern, der Frau des Hausmeisters Friedrich und der Putzfrau Kühl. Als das Warnzeichen gegeben wurde, machte sich die Wache sofort bereit für ihre Aufgaben, für eine Arbeit, die sehr erschwert wurde durch das Versagen fast aller Beleuchtungsmittel, durch die Unübersichtlichkeit der Kellerräume und Ausgänge, durch Eindringen von Qualm. Die Geschehnisse selbst erfolgten etwa in folgender Reihenfolge: Gleich zu Beginn des Angriffs wurde die Turnhalle in Brand geworfen und schnell vom Feuer zerstört, ohne dass ein Löschversuch unternommen werden konnte, da vor allem ein Überqueren des Hofes bei der Stärke des Bombenabwurfs ausgeschlossen war. Ungefähr gleichzeitig fiel eine Stabbrandbombe in den kleinen Hof zwischen Hauptgebäude und Haus Kreuzgasse 6, die beobachtet wurde und ohne Schaden ausbrannte. Bald darauf drang starker Rauch in die Kellergänge, so dass für die im Keller befindlichen Personen der Durchbruch zum Hause Kreuzgasse 2 aufgeschlagen wurde, während sich schon einige Leute über den Koks durch ein großes Kellerfenster entfernten. Während des Vorstoßes der zweiten Welle von Flugzeugen war, ohne dass die Entwicklung im Einzelnen zu beobachten war, der Gebäudeteil, der die Klassenzimmer enthält, in Brand gesetzt, wobei sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet hatte, so dass ernstliche Löschversuche oder Rettung von Material hier nicht in Frage kamen. Ähnlich war die Lage im vorderen Trakt des Hauptgebäudes, wo in dem Augenblick, als der Brand festgestellt wurde, sich Löschbemühungen schon aus dem Grunde verboten, weil eine sturmartige Luftbewegung das Feuer mit besonderer Schnelligkeit um sich greifen ließ. Kontrollgänge, von denen einer während des Hauptangriffs versperrt war - Genaueres ließ sich bei dem Mangel an Beleuchtung nicht erkennen -, und Beobachtung der brennenden Gebäudeteile ließen es mit, als ich die Schüler an der kleinen Hoftür beisammen hatte, geboten erscheinen, die Beendigung der Arbeit zu verkünden, in einem Augenblick in dem über uns die Treppe der früheren Direktorwohnung anfing zusammenzubrechen. Die Schüler machten sich daran, aus ihrem Aufenthaltsraum ihre Sachen zu holen. Ich trat in den Torweg, von wo sich inzwischen das angesammelte Publikum entfernt hatte, außer einer alten Frau und einem älteren Herrn. Als ich die Tür öffnete, um die Lage vor dem Hause zu erkunden, klammerte sich die alte Frau an mich mit der dringenden Bitte sie zu retten. Da ich die Schüler abmarschbereit wusste, übernahm ich diese Aufgabe und brachte die beiden Alten durch den Funkenregen der Brüderstraße bis kurz vor das Polizeipräsidium, wo der Frau die Kräfte ausgingen. Sie wurde mir dort von Leuten, die in einem Torweg versammelt waren, abgenommen. Ich selbst war, da ich keine Maske zur Verfügung hatte, während die Schüler alle mit Masken hatten versorgt werden können, so benommen, dass ich in den Toreingang des Polizeipräsidiums trat. Dort verwies man mich in die Gänge des Gebäudes, wo ich aber nicht blieb, sondern wieder den Weg auf die Straße suchte. Dabei kam ich auf den Ausgang der Schildergasse und beobachtete die Wege zum Neumarkt. In diesem Augenblick gingen 4 Schüler der Wache vorüber und berichteten mir, dass die übrigen Schüler mit ihnen die Schule verlassen hätten, aber eine andere Richtung eingeschlagen hätten. Dann eilten diese 4 Schüler sofort weiter über den Neumarkt davon. Ich selbst blieb noch einige Zeit an der Ecke gegenüber dem Polizeipräsidium auf dem Neumarkt, ehe ich zum Opernhaus hin den Heimweh suchte. Von den abgesplitterten drei Schülern hat einer glücklich über die Durchbruchstraße nach Hause gelangen können, während wir der beiden anderen als Opfer dieser Brandnacht in voller Anerkennung ihres Einsatzes und in tiefem Schmerz gedenken müssen. Anno Klinkenberg hat den Weg zur Hängebrücke über die Schildergasse gesucht und ist in der engen Straße von einer Rauchvergiftung befallen, die trotz ärztlicher Hilfe seinen Tod herbeigeführt hat. Paul Erpenbach ist mit einem Lungenriss - soweit zur Zeit bekannt ist - am zweiten Morgen nach der Unglücksnacht in der Brüderstraße (?) gefunden worden. Er hat sich gerade für die Brandwache in den letzten Monaten immer einsatzfreudig zur Verfügung gestellt.“