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Ereignisse
1943
Juni

Kölner Erzbischof fordert Sicherstellung religiöser Betreuung

Am 22. Juni 1943 richtet der Erzbischof von Köln folgende Eingabe an Reichsverteidigungskommissar Reichsminister Frick:

„Betr. seelsorgerliche Betreuung der Evakuierten
(Jr.-Nr. 2400/I/43) 22.6.1943

Die Sorge um die Bevölkerung in den luftgefährdeten Gebieten, deren Not mit aus eigener Anschauung und durch die Berichte meiner Pfarrer bekannt ist, zwingt mich zu diesem Schreiben.

Ich weiß, dass die Regierung sich die größte Mühe gibt, die Kinder und die alten Leute aus diesen luftgefährdeten Städten zu entfernen und in luftsicheren Gebieten unterzubringen. Auch die Kirche sieht die Notwendigkeit dieser anderweitigen Unterbringung ein. Unsere karitativen Stellen, wie auch unser Klerus, arbeiten, soweit ihnen die Möglichkeit gegeben ist, weitgehend mit. In der Bevölkerung selbst bestehen aber große Hemmungen, und zwar deshalb, weil man weiß, dass vielerorts gar nicht für religiöse Betreuung gesorgt ist, ja, in vielen KLV-Lagern eine religiöse Betreuung direkt unmöglich ist. Schon im vaterländischen Interesse müsste dafür gesorgt werden, dass diese Hemmungen verschwinden. Wenn je, dann hat heute die Bevölkerung der luftgefährdeten Gebiete ein Recht, dass ihre religiöse Überzeugung geachtet wird und für ihre religiöse Betreuung gesorgt wird, haben die Eltern ein Recht darauf, dass man auf ihre Gewissensstimme achtet und für die Kinder in den KLV-Lagern oder wo sie auch sonst untergebracht sind, eine religiöse Betreuung durch die Vertreter ihrer Kirche ermöglicht. Ich habe in dieser Angelegenheit mich schon an den Herrn Minister für kirchliche Angelegenheiten gewandt.“

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