Mangelhafte Disziplin in HJ
Im Verordnungsblatt der Reichsjugendführung heißt es unter dem 19. Mai 1934:
„In vielen Untergliederungen der Hitler-Jugend werden die Anordnungen der RJF nicht oder nur mangelhaft durchgeführt. Zum Teil liegt das an den Führern der höheren Einheiten der Hitler-Jugend und des BDM, die sich nicht genügend um die Durchführung der Anordnungen bekümmern. Zum anderen Teil liegt es daran, dass verschiedene Führer glauben, dass die erlassenen Anordnungen nur für die Jungen gültig sind und nicht auch für sie selbst. Ein Führer, der sich selbst an erlassene Verfügungen nicht hält, kann von seinen Jungen nichts anderes erwarten. Die Hitler-Jugend war bisher stolz darauf, dass wir einen Unterschied zwischen Führer und Jungen nur in der Leistung kannten. In letzter Zeit machten sich bei verschiedenen Führern in ihrem Auftreten Spuren von beginnender Überheblichkeit bemerkbar. Die RJF wird allerschärfstens in solchen Fällen durchgreifen. Wir haben als einfache deutsche Jungen unseren Kampf begonnen und wollen auch nach Erreichung unseres ersten Zieles einfache deutsche Jungen bleiben. Dies gilt nicht nur für die Hitlerjungen, sondern vor allem auch für die HJ-Führer.
Bei Aufmärschen wird immer wieder beobachtet, dass Jungvolkjungen und -führer falsche und nicht vorschriftsmäßige Abzeichen an ihrer Dienstkleidung tragen. Wir machen die Führer dafür verantwortlich, dass solche Dinge schnellstens verschwinden. Ebenso ist das Tragen von sogenannten Freundschaftsringen strengstens verboten. Als Halstuchknoten ist nur der von der RJF. festgesetzte Lederknoten zu tragen.
Es macht auf Zuschauer bei Aufmärschen und bei sonstigen Veranstaltungen der Hitlerjugend einen denkbar schlechten Eindruck, wenn Hitlerjungen in lässiger Haltung (Hände in den Hosentaschen, nicht zugeknöpften Taschen usw.) sich bewegen. Auch hierauf wird von den Führern noch viel zu wenig geachtet.“