„Beirat für Schulwesen“ zur KLV in Essen
In der Sitzung des „Beirates für das gesamte Schulwesen“ am 15. Oktober 1943 wird über den Stand der örtlichen Kinderlandverschickung referiert. Es heißt dort:
Nach den März-Angriffen des Jahres 1943 hätten hektische Aktivitäten zur Verschickung ganzer Klassen oder gar Schulen eingesetzt. Nach ersten Planungen sollten die Volksschulen in Schwaben, die weiterführenden Schulen in Tirol untergebracht werden. Einzelne Schulen (Hemholtzschule, Humboldtschule, Alfred-Krupp-Schule, Mittelschule Essen-Altstadt, Mittelschule Essen-Süd) seien relativ bald fast geschlossen verlegt worden, so dass die Verantwortlichen geglaubt hätten, dass künftig eine Verlegung aller Schulen „nach einem festen Plan“ erfolgen müsse.
Der allerdings ließ sich nicht so einfach umsetzen. Zwar ergab eine Besichtigungstour durch Schwaben und Tirol die dortige Bereitwilligkeit zur Aufnahme der Schüler, und auch die zuständigen Berliner Stellen hatten zugestimmt, aber dennoch verzögerten sich die Verschickungen immer wieder, was die Verwaltung insbesondere nach den Sommerferien 1943 mit der Polizeiverordnung zur allgemeinen Einstellung des Unterrichts unter erheblichen Druck setzte. Erschweren kam noch hinzu, dass in Essen die Nachricht von der Wiederaufnahme des Schulunterrichts in Köln, Düsseldorf und Wuppertal die Runde machte, und die Eltern kein Verständnis dafür aufbrachten, warum das nicht auch in Essen möglich sein sollte.
Als dann im August endlich die ersten Verschickungen erfolgen sollten, hätten einige Aufnahmegaue frühere Zusagen zurückgenommen. So konnten die weiterführenden Mädchenschulen nicht mehr, wie zuvor geplant, nach Schwaben verschickt werden, sondern mussten den Weg ins „Protektorat“ antreten, was wiederum auf erheblichen Widerstand der Eltern traf. Nachdem der – wohl mit einer gehörigen Portion Druck – überwunden war, sollten Ende Oktober 1943 die ersten KLV-Züge nach Böhmen und Mähren Essen verlassen. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich nach wie vor viele Eltern weigerten, ihre Kinder verschicken zu lassen. Im Oktober hielten sich nach offiziellen Schätzungen rund 30.000 offiziell unbeschulte Kinder und Jugendliche in der Stadt auf. Zu diesem Zeitpunkt machte sich zudem sehr deutlich eine Art „Gegenbewegung“ bemerkbar, denn die Eltern jener Kinder, die sehr bald nach den Angriffskatastrophen vom März 1943 verschickt worden waren, gingen vermehrt dazu über, ihre Kinder nach Essen zurückzuholen. „Die Kinder halten sich jetzt ohne unterrichtliche Betreuung in Essen auf. Versuche von konfessioneller und privater Seite, Privatunterricht einzurichten, sind unterbunden worden.“