Stand der KLV in Essen
Bis zum 22. Mai 1943 waren 3.190 Essener Volksschulkinder der Klassen 1-4 in Familienpflegestellen nach Süddeutschland verschickt worden. Von den in Essen zu dieser Zeit gemeldeten 1.683 Schülern der Klassen 5 bis 7 hatten sich 852 freiwillig zur „Lagerentsendung“ gemeldet, von denen 621 bereits abgereist waren; 600 weitere sollten in der Folgewochen folgen.
Insgesamt standen die Eltern den Verschickungen jedoch weiterhin äußerst skeptisch gegenüber. Das betraf insbesondere die altersmäßige Trennung, da so die älteren Geschwister in Lager kamen. Das habe, so die Essener Schulräte, die gesamte Verschickungsaktion „ernstlich in Frage gestellt“ und in einem Ortsteil zur Zurückziehung der gesamten 50 Anmeldungen geführt.
Die Schulräte waren sich einig, dass eine weitere Ausdehnung der Verschickung der Volksschüler nur durch Zwang erreicht werden könnte. „Eine Reihe von Eltern wartet auf diesen Zwang, um der eigenen Verantwortung ledig zu sein.“ Bei Zwang dürften aber kaum Ausnahmen zugelassen werden, da dann das gesamte System aufgeweicht werde. „Viele Eltern glauben es einfach nicht, dass in Essen kein Schulunterricht sein kann. (…) Sie verweisen darauf, dass in den nicht weniger gefährdeten Städten Köln, Düsseldorf und Mülheim Schulunterricht ist.“ Sollte Zwang ausgeübt werden, müsse das „propagandistisch sehr sorgfältig vorbereitet werden“. „Hier müssen Instinkt und Gefühl bekämpft werden. Sehr leicht kann sonst das Vertrauen in die Staatsführung ins Wanken kommen.“
Für nicht verschickungsfähige Schüler sollten einige Schulen in Stadtrandlage aufrechterhalten werden.