KLV-Chaos in Bayern
Dem Essener Stadtschulrat Debusmann geht am 15. Mai 1943 folgender Bericht über den Stand der KLV in den bayrischen Aufnahmeorten zu:
„Heute sind die Kinder angekommen, und ich möchte Ihnen einen vorläufigen knappen Bericht geben. Meine Vorarbeit, die in der Hauptsache Leerlauf war, riss vom ersten Tage bis heute nicht ab. Auch hier wusste man nicht, wohin die Kinder kommen sollten. Die uns von Augsburg angegebenen amtlichen Zahlen waren hier nicht genau bekannt. 240 Kinder sollten nach Memmingen (Stadt); hier meinte man 180, und die wusste man nicht alle unterzubringen. Dass Kinder nach Hausen kommen sollten, war gar nicht bekannt, ebenso wenig wie der Ort Hausen selbst, der im Kreise Mindelheim liegt. Man war froh, dass man mit der entsprechenden Kindergruppe nichts zu tun hatte. Ich sollte nach Mindelheim fahren, um dort die Unterbringung der Kinder für Hausen einzulenken. Auf dem Wege zum Bahnhof – am folgenden Tag – rief man mich zurück: Die Kinder kommen auch in den Kreis Memmingen. Mitten in der Arbeit rief man von Mindelheim an: Die Kinder kommen doch in den Kreis Mindelheim, bis ich selbst die Angelegenheit mit Augsburg fernmündlich klärte. Ergebnis: Alle Kinder kommen in den Kreis Memmingen, wo sie nun verteilt sind auf folgende Orte: Memmingen, Legau, Herbishofen, Sonthofen, Erkheim, Frechenrieden, alles neue Begriffe. Für mich entstand nun die unangenehme Aufgabe, alle von Adamus und Schwarz ausgeführten Klassenzusammenlegungen zu zerschlagen und ohne genaue Kenntnis der Borbecker Schulverhältnisse neue Klassen zu bilden und mit Lehrkräften zu besetzen. Dabei hatte ich mich an bestimmte Zahlen für die einzelnen Orte zu halten. Der Zug wurde in Essen vom Kreisleiter und dem Kreisamtsleiter von Memmingen abgeholt. Unterwegs eröffneten diese Herren Adamus, dass die Klassen auch auf Dörfern untergebracht würden. Die Dörfer wurden benannt. Adamus und Schwarz machten dann im Zuge neue Pläne. Ich fuhr dem Sonderzug um 5.29 Uhr bis Vöhringen entgegen, um meine Pläne auszugeben und zu besprechen. Nun ergab sich folgendes: Ich hatte zum Teil ganz andere Dörfer als der Kreisleiter, worüber dieser erstaunt war und die Lehrkräfte die wenig verbliebenen Lust nun ganz verloren. Wir stürzten uns im Zuge auf meine Pläne, denn Memmingen war in Sicht und dort mussten die Kinder nach diesen Plänen eingeteilt werden. Wir wurden zeitig fertig. Als wir einliefen, war tatsächlich auch nichts umgestoßen worden während meiner kurzen Abwesenheit, was mich verwunderte.“