Volksspielgruppe des Gebietes Mittelrhein
Im Gebiet Mittelrhein formiert sich vermutlich im Sommer 1934 eine "Volksspielgruppe", die sich zum Ziel setzt, eine neue Form des Schauspiels und der Fest- und Feiergestaltung zu entwickeln, die nicht das Vorführen, sondern das Miteinander von Darstellern und Zuschauern in den Mittelpunkt stellt.
Die Gruppe wird am 23. August 1934 im Westdeutschen Beobachter vorgestellt, und bei der Gelegenheit werden auch die neuen Vorstellungen einer nationalsozialistischen Fest- und Feiergestaltung dargelegt. Demnach soll die HJ "ihrem arteigenen Wollen auch nach außen hin eine formeigene Gestalt" geben und zu einer "neuen Form der Fest- und Feiergestaltung" finden. Der Weg führe vom "einfachen Laienspiel" über den Sprechchor zum "chorischen Festspiel und zum großen deutschen Volksspiel", soweit es die "heldische und völkische Eigenart" vertrete. Die HJ wolle dabei nicht an "schöngeistige Traditionen klangvoll benannter Theatervereine" anknüpfen, sondern immer das "Symbolische ihrer jugendlichen Revolution in einer von ihr durchlebten Begeisterung darbieten und somit den neuen jugendlichen Kult festigen".
Abgelehnt werden bei der neuen Form "Prunkkulissen und -kostüme, wallende Erzväterbärte, Schminke usw.". Statt dessen sollen "Sprechchor, Singgruppen, Volkstanz und Musik" zum Einsatz kommen. Ziel soll die "Verwirklichung des nationalen Volkstheaters, wie wir es aus dem Mittelalter her kennen" sein. Die "Gemeinschaft des ganzen Volkes" solle teilhaben.
Als entscheidend dafür werden die Spielstätten genannt. Gefordert wird der Bau von "heimatlichen Thingplätzen", deren landschaftlicher Charakter in den Stoffen Berücksichtigung finden sollen.
Als adäquate Stücke werden neben den überlieferten Stoffen des Mittelalters die Werke neuer Dichter angeführt, die die "Totalität des Lebens in der geistig durchdrungenen Form ihrer Werke bieten": "Die Gestaltung der deutschen Volkwerdung, ihr Kampf und Sieg, sind die vornehmsten Pflichten und Aufgaben, die wir den jungen Dichtern geben können."
Die Gebiets-Volksspielgruppe wird als Organisation vorgestellt, die "straff organisiert" ist und sich dadurch von den "bündischen Spielgilden" unterscheidet. Sie habe eine "feste Verbindung" zur ganzen Einheit der HJ durch "Volkssport, Fahrten usw." und werde daher nie zu einer "Kliquenbildung" Anlass geben. Die Mitglieder der Gruppe seien "Soldaten des Spiels" und die Gruppe wolle eine "geistige Waffe gegen die Verbürgerlichung und Verkitschung programmschöner Heim- oder Elternabende sein".