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Ereignisse
1934
April

Westbund auf Seiten der Bekennenden Kirche

Nachdem sich der Westbund am 11. April 1934 dezidiert auf die Seite der Bekennenden Kirche gestellt hat, kommt es – zunächst in Westfalen – zu Konflikten mit Beauftragten der Amtskirche. Auf die Vorgänge reagiert der Westbund am 5. Juni 194 mit einem gedruckten Rundschreiben, in dem die Vorgänge skizziert werden. Es heißt dort:

„In den letzten Tagen ist an ‚alle Pfarrer, Presbyterien, Eltern und an die gesamte Jugend im Obergebiet West‘ folgende ‚Erklärung‘, die sich auf die Verhältnisse in der Kirchenprovinz Westfalen bezieht, versandt worden:

„Der ‚Bruderrat‘ der sogenannten ‚Westfälischen Bekenntnissynode‘ erlässt unter dem 16. Mai 1934 eine Anordnung, die evangelische Jugendarbeit betreffend, in der es heißt:

‚Die Verhandlungen mit dem Westfälischen Provinzialverband der weiblichen Jugend und mit dem Westdeutschen Jungmännerbund haben einen solchen Fortgang genommen, dass wir alle Amtsbrüder auffordern, in Fragen der weiblichen Jugend nur mit dem Westfälischen Provinzialverband in Witten (z.Hd. Pastor Steinsiek) und in der männlichen Jugendarbeit nur mit Pastor Busch-Witten zusammenzuarbeiten.
Irgendwelche Zusammenarbeit oder auch nur Fühlungnahme mit den von Münster Beauftragten, Pastor Zickmann oder Dr. Wilkes, kommt nicht infrage.‘

Das Evangelische Jugendwerk der Deutschen Evangelischen Kirche im Obergebiet West erklärt hierzu:

1. Wir haben in allen Verhandlungen mit den Verbandsführern zum Ausdruck gebracht, dass wir zu einer gemeinsamen Jugendarbeit, frei von jeder kirchenpolitischen Bindung, bereit waren und sind. Unser Angebot an die Verbände, sich als „Fachschaft“ beim Evangelischen Jugendwerk einzubauen, ist abgelehnt worden. Diese Ablehnung erfolgte, obwohl sachliche Einwände gegen die neue Form evangelischer Jugendarbeit von keiner Seite erhoben wurden. Das wurde u.a. sehr deutlich in einer Besprechung zwischen dem Weiblichen Verband und Vertretern des kirchlichen Jugendwerkes (11. Mai 1934 in Witten). In dieser Verhandlung haben wir uns in gegenseitigem Vertrauen ernsthaft bemüht, einen gemeinsamen Weg der Weiterarbeit zu finden und waren aufs Höchste überrascht, als zum Schluss der mehrstündigen Verhandlungen von Seiten des Weiblichen Verbandes die Erklärung abgegeben wurde, dass auf Beschluss ihres Vorstandes der Anschluss an die Westfälische Bekenntnissynode schon vollzogene Tatsache sei.

2. Die Unterstellung der Verbände unter die Westfälische Bekenntnissynode bedeutet einen Missbrauch evangelischer Jugend für einen kirchenpolitischen Zweck. Das Bemühen um die Herstellung einer Einheitsfront der deutschen Volksjugend wird dadurch aufs Schwerste gefährdet. Mit der Führung der männlichen Verbandsjugendarbeit in Westfalen ist Pfarrer Busch-Witten beauftragt worden, ein Mann, der bis heute die Unterzeichnung des Eingliederungsformulars verweigert hat. Der Anschluss an die Westfälische Bekenntnissynode bedeutet zugleich den Versuch, den Neuaufbau einer geschlossenen Jugendarbeit der Deutschen Evangelischen Kirche unmöglich zu machen.

3. Kennzeichnend für die zweideutige Haltung ist die Tatsache, dass der führende Mann des Westbundes für diesen Bund den Anschluss an die Bekenntnissynode gefordert hat, für den Reichsverband dagegen die kirchenpolitische Neutralität empfiehlt.

Im Namen der evangelischen Jugend erheben wir schärfsten Einspruch gegen den Versuch, die Jugend unserer Gemeinden zur Stärkung einer kirchenpolitischen Front zu benutzen und so durch diese Spaltung die Möglichkeit der Evangeliumsverkündigung an die gesamte deutsche Jugend entscheidend zu beeinträchtigen. Wir rufen daher noch einmal alle verantwortungsbewussten, aufbauwilligen Kreise zur Mitarbeit an dem einheitlichen Evangelischen Jugendwerk der Kirche auf.

Evangelische Eltern! Verhindert, dass der kirchenpolitische Kampf auf dem Rücken Eurer Jugend ausgetragen wird!

Evangelische Jugendarbeiter! Die Evangelische Kirche braucht Eure Erfahrungen und Euren Dienst. Stellt Euch bereit zur Arbeit! Versperrt Euch nicht durch einseitige Bindung den Zugang zur gesamten deutschen Jugend!

Deutsche Evangelische Jugend! Ihr habt durch Euren Eintritt in die Volksjugend gezeigt, dass Ihr die Einheitsfront deutscher Jugend wollt! Ihr seid gerufen, diese Einheit zu wahren!

Evangelische Jugendarbeit der Zukunft kann keine Konkurrenzarbeit zur Volksjugend sein. Als Deutsche Evangelische Kirche kennen wir nur den einen Auftrag, der deutschen Jugend heute die Botschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Christus zu bringen. Es geht um die Zukunft der einen evangelischen Kirche, es geht um die Zukunft der Volksgemeinschaft, die den Dienst dieser Kirche braucht, es geht um die deutsche Jugend, der wir das Evangelium schuldig sind!

Dr. Voß, Fiebig, Zickmann, Dr. Wilkes, Adler.‘

Ohne auf alle Einzelheiten der Erklärung einzugehen, stellen wir folgendes fest: Der Vorstand des Westdeutschen Jungmännerbundes hat durch Beschluss vom 11. April ds. Js. bezeugt, ‚dass er getreu seiner ganzen Geschichte auf der Seite der bekennenden Gemeinden steht‘.

Daraufhin hat der Bruderrat der Westfälischen Bekenntnissynode und der Bruderrat der Freien Evangelischen Synode im Rheinland den Beschluss gefasst, die Arbeit an den jungen Männern in den diesen beiden Synoden angeschlossenen Gemeinde in Verbindung mit dem Westdeutschen Jungmännerbund zu treiben. Eine Unterstellung des Bundes wie überhaupt der freien Verbände unter die Synoden ist weder beabsichtigt noch gefordert worden. Herr Pastor Busch-Witten, den der Vorstand des Westdeutschen Jungmännerbundes bis auf weiteres zum stellvertretenden Bundeswart berufen hat, ist zur ‚Unterzeichnung des Eingliederungsformulars‘ nie aufgefordert worden, da er nicht Präses des Presbyteriums seiner Gemeinde war.

Es ist uns nicht bekannt, dass ein „führender Mann des Westbundes für den Westbund den Anschluss an die Bekenntnissynoden gefordert, für den Reichsverband der Evangelischen Jungmännerbünde Deutschland dagegen die kirchenpolitische Neutralität“ empfohlen hat. Bei der entscheidenden Sitzung des Reichsverbandes haben vielmehr die Vertreter des Westbundes einstimmig für eine ihrem Entschluss parallel laufende Erklärung des Reichsverbandes gearbeitet, daneben aber zum Ausdruck gebracht, dass sie natürlich nicht berechtigt seien, andere zum Reichsverband gehörende Bünde und verwandt Bestrebungen zu einer Erklärung, wie sie der Westbund gefasst hat, zu drängen, ehe die Verhältnisse an Ort und Stelle für solche Entscheidungen herangereift seien.

Wir bestreiten den Unterzeichnern der Erklärung durchaus das Recht, ‚Im Namen der Evangelischen Jugend‘ zu reden und weisen die Unterstellung zurück, dass in unserem Verhalten irgendwie der Versuch liegen könne, ‚den Neuaufbau einer geschlossenen Jugendarbeit der Deutschen Evangelischen Kirche unmöglich zu machen‘.

Zur Orientierung über das, was der Westdeutsche Jungmännerbund in seiner zukünftigen Arbeit erstreben wird, bitten wir Sie, von den wichtigsten Absätzen unserer Erklärung vom 11. April ds. Js. freundlich Kenntnis zu nehmen:

‚Für die Leitung und die Arbeit des Westdeutschen Jungmännerbundes ergibt sich in der gegenwärtigen kirchlichen Lage die unabweisbare Forderung, zu bezeugen, dass unser Bund getreu seiner ganzen Geschichte auf der Seite der bekennenden Gemeinden steht.

Von hier aus bestimmt sich unser Dienst im Evangelischen Jungmännerwerk, in dem wir mit unseren Kräften, Erfahrungen und Einrichtungen gerne mitarbeiten auf der uns von dem Gehorsam gegen die Heilige Schrift gebotenen Linie, wie sie uns von den Reformatoren unserer Kirche und von den Gründern und Vätern unseres Werkes gewiesen worden ist.

Es ist uns selbstverständliche Pflicht, mit der Leitung der Gemeinden, in denen die unserem Bund angeschlossenen Vereine bisher in vertrauensvollem Zusammenwirken mit der Gemeinde das Werk an den evangelischen jungen Männern getrieben haben, auch in Zukunft in brüderlicher Arbeitsgemeinschaft verbunden zu bleiben und unseren Dienst den heutigen Erfordernissen entsprechend in die Arbeit der Gemeinden einzuordnen. Die neuen Formen des Werkes müssen nach den örtlichen Verhältnissen in gemeinschaftlichen Besprechungen erarbeitet werden.

Es geht uns nicht darum, vor allem die Organisation des Bundes in ihrer bisherigen Gestalt zu erhalten, sondern für den Dienst des Evangeliums an den jungen Männern im Dritten Reich die richtigen Wege zu finden. Das bedeutet freudige Bereitschaft für jede neue Möglichkeit unserer Arbeit. Bei dem Ringen im Formenwandel unserer Zeit bitten wir unsere Brüder um Vertrauen, um aufbauende Mitarbeit und treue Fürbitte.

Unsere ganze #Arbeit in Verkündigung des Evangeliums, in Bibelschulung, Einführung in Gesangbuch, Katechismus, Kirchengeschichte, Missionskunde, Lebensbilder u.a. soll nach dem Inhalt der biblischen Botschaft für die jungen Männer von heute neu ausgerichtet werden.

In die Leitung unseres Bundes dürfen nur Männer und junge Männer berufen werden, die in allen Fragen des Glaubens und des Dienstes keine andere Bindung für sich anerkennen als die Heilige Schrift und die reformatorischen Bekenntnisse. Von unseren Vereinen erwarten wir dieselbe Haltung. Wer nicht mit klarer Entschiedenheit diesen Weg mit uns zu gehen und entgegenstehenden Bindungen nicht zu entsagen vermag, wird folgerichtig in leitenden Stellen unseres Werkes nicht dienen können.‘

Es ist uns eine wichtige Pflicht und ein dringendes Bedürfnis, Sie, verehrte Herren, zu bitten, der Arbeit unseres Westdeutschen Jungmännerbundes auch in Zukunft Ihr Vertrauen zu schenken, uns mit Ihrem Rat und tatkräftiger Hilfe beizustehen und die Berufsarbeiter unseres Bundes, vor allem unseren stellvertretenden Herrn Bundeswart, freundlichst zu unterstützen. Herr Pastor Busch ist bereit, jede gewünschte Auskunft zu geben und hält sich auch zu Besprechungen, wo sie gewünscht werden, zur Verfügung. Den Briefwechsel bitten wir an den „Westdeutschen Jungmännerbund“, Wuppertal-Barmen, Besenbruchstr. 28, zu richten.

Wir wiederholen die Worte unserer Erklärung vom 11. April:

‚In der neuen Lage unseres Volkes und unserer Kirche stehen wir vor Gott mit der Bitte um eine neue Vollmacht und neue Ausrüstung, den alten Auftrag unseres Werkes auszuführen, junge Männer zu Jesus Christus, dem Heiland, zu rufen, die Gleichgültigen und Schlafenden zu wecken, und den Suchenden in brüderlicher Gemeinschaft zu helfen, die Antwort Gottes auf alle Fragen und die Hilfe Gottes für alle Kämpfe ihres Jungmanneslebens aus der Heiligen Schrift zu finden. Wir wissen, dass wir mit der Erfüllung dieses unseres Auftrages den jungen Männern unseres Dritten Reiches den Dienst tun, den wir, gebunden an das Wort Gottes, ihnen schulden.‘

Der geschäftsführende Ausschuss im Vorstand des Westdeutschen Jungmännerbundes E.V.
Chr. Ebert, Pastor Frick, F.W. Nielen, D. Humburg;

der stellvertretende Bundeswart
Pastor Johannes Busch“

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