Konflikte Evangelisches Jugendwerk-HJ
Am 3. und 4. Januar 1934 kommt es in Duisburg und Bochum zu Zwischenfällen zwischen HJ und Evangelischem Jugendwerk, die die Alleinvertretungs- und Machtansprüche der HJ belegen. Auch ein Protestanruf von Westbund-Bundeswart im Reichsinnenministerium ist vergeblich, wie sich folgender Telefonnotiz vom gleichen Tage zu entnehmen ist:
„Donnerstag, den 4. Januar 1934, mittags 12 Uhr.
Anruf beim Reichsinnenministerium, Ministerialdirektor Dr.Buttmann.
Mitteilung meinerseits:
1.) Gestern Abend Amtsträgertagung für männlichen und weiblichen Verband in Duisburg. Der Oberbannführer mit Begleitung erscheint. Will teilnehmen. Ihm wird mitgeteilt: Geschlossene Versammlung. Er beansprucht trotzdem Teilnahme. Die Polizei wird angerufen. Erscheint. Erklärt: Befehl der HJ-Führung, dass die evgl. Jugendversammlungen von der HJ-Führung zu überwachen seien. Der Polizeipräsident wird angerufen. Teilt mit: Mir ist nichts bekannt. Die Polizeibeamten gehen fort. Kurz nachher wieder Anruf vom Polizeipräsidenten: Jawohl, es liegt ein Befehl der HJ-Führung vor. Ich kann nichts machen.
2.) Heute früh Jugendsekretär Reinicke-Bochum abgesetzt von dem dortigen Bannführer mit dem Hinweis: Im Einvernehmen mit der Staatspolizei, und zwar wegen Sabotage der Volksgemeinschaft. Einspruch Reinickes unter Hinweis, dass die Führung des Werkes noch nicht dem Vertrage zugestimmt hätte. (Antwort des Bannführers: Wir haben es nur mit dem Reichsbischof zu tun. Dar ist die einzige Stelle, die für Sie gilt.) Er erreicht nur Frist bis morgen (5.1.) mittags 12 Uhr.
Meine Frage an Dr. Buttmann: Hat der Befehl der HJ rechtliche Grundlage und bezieht er sich auch auf geschlossene Yersammlungen?
Antwort Dr. Buttmanns: Darüber kann ich Jhnen nichts sagen. Das ist Sache der Länderpolizei. Sie müssen sich deswegen mit dem Preußischen Innenministerium in Verbindung setzen.
Meine weitere Frage: Ist die Absetzung eines evgl. Jugendführer durch einen Bannführer rechtlich möglich?
Antwort Dr.Buttmanns: Die Sache ist augenblicklich rechtlich noch nicht geklärt. lch kann Ihnen darüber keine telefonische Auskunft geben. In den allernächsten Tagen wird eine Verfügung darüber erscheinen.
Meine Antwort: Danke, ich werde mich dann mit dem Preußischen Innenministerium in Verbindung setzen, nicht wahr.
Dr. Buttmann: Jawohl! Heil Hitler!“