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Ereignisse
1934
Juni

Sonnwendfeiern in Köln

Im gesamten Gau Köln-Aachen finden nach Anordnung des Gauleiters am 23. Juni 1934 Sonnwendfeiern statt, an denen die Gliederungen der Partei teilzunehmen haben.

In Köln werden mehrere Feiern als Massenveranstaltungen durchgeführt, die im Westdeutschen Beobachter stark beworben werden. Neben den Parteigliederungen ist auch die Kölner Bevölkerung aufgerufen, an den Feiern teilzunehmen.

Am Nachmittag des 23. Juni werden von der HJ verschiedene Sportveranstaltungen durchgeführt, da der Tag auf Anordnung des Reichsministers des Innern, Frick, und des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Unterricht, Rust, zusammen mit der Sonnenwendfeier als "Deutsches Jugendfest" begangen werden soll.

Die Sonnenwende und Jugendfest werden dabei ideologisch miteinander verbunden und zur Propaganda der HJ als "Staatsjugend" verwandt. Überdies wird die Sonnenwende als angeblicher alter germanischer Brauch propagiert, der sich über Jahrtausende erhalten habe. Der Westdeutsche Beobachter schreibt dazu am 22. Juni:

"Der über Jahrtausende erhaltene Brauch der Sonnwendfeier unsrer Vorfahren birgt eine Fülle urdeutschen Volkstums, und die Verehrung der Sonne als unversiegbarer Kraftquell umschließt die Ausdruckskraft der Naturverbundenheit unsrer Vorfahren. Und weil der Nationalsozialismus die Pflege des alten deutschen Volkstums als Ausdruck des ihm entströmten Gemeinschaftsgeistes erstrebt und fördert, darum verquicken der Reichsminster des Innern, Dr. Frick, und der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Unterricht, Dr. Rust, diese urdeutsche Feier mit dem deutschen Jugendfest. [...]
Hunderttausende Jugendliche werden nun am Samstag in den Kampfarenen des ganzen deutschen Reiches von ihrer Zusammengehörigkeit und Geschlossenheit Zeugnis ablegen."

Deutsches Jugendfest im Kölner Stadion

Die Durchführung der Sonnwendfeiern als Deutsches Jugendfest obliegt 1934 den Gliederungen des Reichsbundes für Leibesübungen im Zusammenarbeit mit der HJ.

In Köln findet die Veranstaltung im Stadion statt. Als einheitliche Grundform für alle Altersklassen wird die Durchführung eines Dreikampfes in den Disziplinen Lauf, Sprung und Wurf angeordnet. Daran beteiligen sich die Schuljugend sowie HJ, BDM, die Jugendabteilungen der Turn- und Sportverbände und die Vereinslosen.

Zudem finden unter anderem Fußballspiele, Schwimmwettkämpfe, Hand-, Faust- und Schlagballspiele und Tanzvorführungen des BDM statt.

Nach den Sportwettkämpfen findet eine große Sonnwendfeier auf der Jahnwiese statt, zu der die gesamt Kölner Bevölkerung eingeladen ist.

Sonnenwende in der Merheimer Heide

Für die rechtsrheinischen Stadtteile Kölns wird am Abend des 23. Juni 1934 eine große Sonnwendfeier in der Merheimer Heide, einem Kölner Naherholungsgebiet, veranstaltet. Der Westdeutsche Beobachter schätzt die Gesamtteilnehmerzahl auf 25.000.

Kreisleiter Dr. Krämer spricht in der Feierrede von der Sonnenwende als "Fest deutscher Tradition, ein Brauch unsrer Vorväter, die freie Germanen waren". Dieses Fest der "Naturverbundenheit" solle nun in der "Art unverfälschten deutschen Brauchtums" als "Dank an die lichtspendende und fruchtbringende Sonne, die uns ewige Jugendkraft gibt" begangen werden. Gerade die Naturverbundenheit sei symbolisch für den Nationalsozialismus, der ein "politisches Naturgesetz für das Zusammenleben der Völker" wolle. Nur das Volk, das in der "Rassenlehre" das Höchste sehe, dem es um "wahren Nationalismus udn Sozialismus" gehe, folge den Naturgesetzen. Der Internationalismus aber kämpfe dagegen und somit auch gegen den "Herrgott".

Sonnwendfeier auf den Kölner Messewiesen

Eine weitere große Sonnwendfeier findet am 23. Juni 1934 auf den Kölner Messewiesen statt. Sie wird von der Gauleitung organisiert . An ihr nehmen die drei Stadtkreise der Partei mit sämtlichen Gliederungen teil, darunter die HJ.

Tagsüber finden Sportwettkämpfe von HJ, Turn- und Sportvereinen sowie Schulen statt. Die Anmeldung erfolgt im Städtischen Jugend- und Sportamt.

Alle Formationen nehmen abends um 10 Uhr auf der Wiese um das Sonnwendfeuer Aufstellung, um dort unter anderem die Feuerrede des Gauleiters zu hören, die von Lautsprechern übertragen wird.

Die Bevölkerung ist aufgerufen, an der Feier teilzunehmen.

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