Kinderlandverschickung im Gau Köln-Aachen
"Auf dem Lande soll der deutschen Jugend die Bedeutung des Bauerntums für ein Volk aufgehen, soll in ihr die Liebe und Freude am Landleben sowie für bäuerliches Sein und Wirken geweckt werden. Der Landaufenthalt soll die Jugend stärken an Leib und Seele, soll ihr, die bislang nur wenig gehört und gesehen von den Schönheiten deutscher Lande, sonnige Tage bereiten, Tage der Freude und Erholung in der nationalsozialistischen Jugendgemeinschaft, Tage, die sie mit neuer Schaffensfreude für ihre künftige Arbeit in Schule und Beruf erfüllt."
Mit diesen Worten wird am 7. Juni 1934 ein Artikel im Westdeutschen Beobachter über die Kinderlandverschickung (KLV) eingeleitet und anschließend ein Überblick über deren Organisation gegeben. Zuständig für die KLV ist das Amt für Volkswohlfahrt, das in engster Zusammenarbeit mit dem sozialen Amt der Reichsjugendführung agiert. Den einzelnen Gauen wird die Zusammenfassung aller Organisationen zugewiesen, die bisher auf dem Gebiet tätig waren, also HJ, NS-Frauenschaft, Innere Mission, Caritas, Rotes Kreuz und andere.
Die Werbung der Pflegeeltern erfolgt in den Ortsgruppen, die Überwachung den Kreisen der NSV. Die HJ ist in die Werbung eingebunden und wirkt als Begleiter bei den Kindertransporten mit.
Hervorgehoben wird, dass besonders auf gesundheitliche Aspekte geachtet werde und auch darauf, dass die Pflegestellen über die notwendigen wirtschaftlichen Möglichkeiten verfügten.
Die Kosten für Werbung und Anmeldung trägt der Gau der NSV, der Beitrag der Eltern beträgt für jedes Kind, das zu dem fünf- bis sechswöchigen Landaufenthalt fährt, mindestens 5 RM. In "Notfällen" helfen die Ortsgruppe oder die Kreisamtsleitung der NSV aus.
In Köln wird die Organisation der KLV zehn Büroräumen in der Machabäerstraße in Köln geleistet und von Stadtdirektor Tillmann und Gaujugend- und Wohlfahrtspfleger Ulanowsky geleitet (Ulanowsky war bereits vor 1933 für die HJ tätig). Sie werden von über 30 Fachleuten sowie einer Transportüberwachungsstelle am Kölner Hauptbahnhof unterstützt.
Der Gau Köln-Aachen führt zahlenmäßig mit 30.000 Kindern die an der Aktion teilnehmenden Gaue an. Im Jahr zuvor wurden nur 2000 Kinder erfasst.