Menü
Ereignisse
1943
Oktober

Probleme bei Aufnahme von Privatschülern in LWH-Unterricht

Oberstudiendirektor Halfmann will als Koordinator des LWH-Einsatzes in Köln verhindern, dass Privatschüler, deren Kenntnisstand nicht dem der gleichaltrigen Gymnasiasten entspricht, durch die Einberufung zur Luftwaffe und die dann folgende Verteilung auf die Oberschulklassen den Zugang zu höheren Schulen erlangen. Deshalb schlägt er dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz am 20. Oktober 1943 vor, die Heranziehung dieser Schüler zur Luftwaffe von einer Prüfung abhängig zu machen, die in den Aufnahmeschulen durchgeführt werden soll:

„Nachdem ursprünglich die Schüler der privaten Vorbereitungsanstalten nicht als LWH einberufen werden sollten ist später vom Minister ihr Einsatz verfügt worden. Die privaten Vorbereitungsanstalten verfahren weisungsgemäß wie die öffentlichen höheren Schulen. Sie reichen die Listen ihrer zu verpflichtenden Schüler ein, veranlassen die ärztliche Untersuchung und händigen schließlich die Dienstverpflichtungsbefehle aus. Da kein geschlossener Einsatz der Privatschul-Klassen erfolgen soll, verteilt die Luftwaffe die Privatschüler auf die verschiedenen Batteriestellungen und damit auf die bei diesen Batterien eingesetzten Klassen damit auf die bei diesen Batterien eingesetzten Klassen der öffentlichen Schulen. Praktisch werden damit die Privatschüler zu Probeschülern staatl. oder städt. Anstalten, ohne dass wie früher eine Aufnahmeprüfung möglich war.

In diesem Verfahren liegen die Schwierigkeiten begründet, zumal dann, wenn sich während der Probezeit herausstellt, dass der eine oder andere Probeschüler nicht in seiner Klasse dem Unterricht zu folgen vermag. Die Anstaltsleiter sehen sich in diesem Falle gezwungen, die betreffenden Jungen entweder um eine Klasse zurückzustufen oder sogar als ungeeignet völlig abzulehnen. In diesem letzteren Fall oder dann, wenn ein Probeschüler aus Klasse 6 nach 5 zurückzustufen wäre, müsste sinngemäß eine Entlassung als Luftwaffenhelfer erfolgen. Bei ungeeigneten Jungen sind diese Fälle die Regel.

Da nach den geltenden Bestimmungen aber auch Schüler der 7. Klassen, die zeitig untauglich sind, alle Vierteljahre ärztlich untersucht werden, müssen auch Schüler dieser Klassenstufe der Privatschulen gegebenenfalls eingestellt und als Probeschüler betreut werden. Rückstufungen solcher Jungen sind damit nicht nur Rückversetzungen in die 6. Klasse, sondern in der Regel auch Versetzungen zu anderen Batterien, bei denen 6. Klassen eingesetzt sind. M.E. muss daher das Einberufungsverfahren für die Schüler privater Vorbereitungsanstalten geändert werden, und ich mache hierzu folgenden Vorschlag:

Die Leiter der privaten Vorbereitungsanstalten reichen künftig ihre Meldeliste nicht mehr unmittelbar der Erziehungsbehörde (Polizei) oder der Luftwaffe, sondern (in Großstädten) einem beauftragten Direktor ein. Dieser verteilt die gemeldeten Jungen auf die einzelnen höheren Schulen des Ortes zur Ablegung der Aufnahmeprüfung. Schüler, die diese Prüfung bestanden haben, werden dann von der Schule, die die Prüfung abnahm, der Polizeibehörde und der Luftwaffe zur Einberufung gemeldet, nachdem die ärztliche Untersuchung erfolgt ist.

Die Jungen werden alsdann, - selbstverständlich zunächst als Probeschüler -, mit denen der aufnehmenden Anstalt zum Einsatz kommen. Schüler, die die Aufnahmeprüfung nicht bestanden haben, sind dem Arbeitsamt zum Einsatz zu melden.

Mir erscheint dieser Vorschlag der einzig mögliche Weg, um ungeeigneten Jungen den Zugang in die höhere Schule zu sperren. Nach unseren Beobachtungen machen in der letzten Zeit vielfach Schüler von Mittelschulen und den gehobenen Volksschulklassen den Versuch, auf diesem Umweg in die höheren Schulen zu gelangen. Da ihnen in der Regel jegliche Lateinkenntnisse fehlen, melden sie sich nach Abschluss der Mittelschule in einer Privatanstalt an, erhalten dort den ersten Lateinunterricht und erscheinen nach einem Jahr als Luftwaffenhelfer, ohne in der Lage zu sein, im Lateinischen dem Unterricht zu folgen und auch ohne die Möglichkeit, die fehlenden Kenntnisse nachzuholen.

Die Meldung der OfJ Lindenthal über einen solchen Fall füge ich bei.“

Baum wird geladen...