Gestapo über Edelweißpiraten in Rheydt
Am 27. Mai 1943 berichtet die Gestapo Mönchengladbach Folgendes über eine Gruppe der Edelweißpiraten in Rheydt:
„Die Edelweißpiraten-Bewegung kann hier als ziemlich abgeschlossen betrachtet werden. Eigentlich gibt es erst solche Piraten, nachdem in den HJ-Einheiten die Jugendlichen auf das Bestehen einer solchen Bewegung aufmerksam gemacht worden sind. Sie wurde zugleich ein Sammelbecken der Jugendlichen, die sich an eine unterordnende Disziplin in der HJ nicht gewöhnen konnten oder nach neuen Idealen strebten. Da auch in den harmlosesten Fällen staatspolizeilicherseits eingeschritten wurde, trug dieses mit dazu bei, dass diese illegale Jugendbewegung sich bald in sich auflöste. Die hier erfasste und aufgelöste Gruppe in Rheydt trägt allerdings schon ernsthafteren Charakter, da sie vereinsmäßig aufgezogen war, was aus dem gefertigten Abzeichen (Edelweiß-Jugend gleich Edelweißpiraten), aus den von jedem Mitglied ausgeschriebenen Personalien und aus dem Versuch der Herstellung von Vordrucken für einen Eintritt in diese Gruppe ersichtlich ist. L., dessen geistige und auch sonstige Qualitäten nicht hoch einzuschätzen sind, war der Anführer und der Urheber, der unter dem Deckmantel eines Schachklubs die Sache aufzog und unter eben diesem Deckmantel die Jungen geworben hat. Dass diese E.P.-Gruppe dann bald nach anfänglichem Erstarken der inneren Auflösung verfiel, mag an der Einsicht der Beteiligten gelegen haben, da sie die Piraterei als Unfug angesehen haben und auch von L. nicht überzeugt werden konnten. Der Besitz des Revolvers wird L. nicht minder beeinflusst haben, sich als Anführer irgendeiner Bewegung aufzuspielen. Da die Edelweißpiraten zur Zeit gerade aktuell waren, fand er hier ein Vorbild. Ob diese Gruppe und auch L. selbst mit anderen Gruppen in Verbindung stand oder ob L. im Auftrage eines Auftraggebers handelte, war nicht festzustellen und ist auch nicht anzunehmen. Nach außen hin ist erwähnte Gruppe nicht in Erscheinung getreten. Von einer Einziehung der Schreibmaschine, die zur Herstellung von Vordrucken für einen Eintritt benutzt worden war, wurde abgesehen, da der jugendliche Helmut Kesselmann ohne Wissen der Eltern, denen die Maschine gehört, diese dem L. zur Verfügung gestellt hat.
Dagegen wurde der Revolver eingezogen.“