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Ereignisse
1934
April

HJ in Uerdingen versucht, katholisches Jugendheim zu beschlagnahmen

Anton Schoeder, Kaplan in Uerdingen, schickt dem Bischöflichen Generalvikariat in Aachen am 5. Juni 1934 mehrere Berichte, in denen es um die „unerträglichen Übergriffe der Hitlerjugend Uerdingens“ geht. Das Generalvikariat bittet Schroeder um Weiterleitung an die zuständigen staatlichen Stellen, da anderenfalls „die Lage der katholischen Jugend in unserer Pfarre sonst aussichtslos wäre“.

Der erste Bericht schildert das unerlaubte Eindringen von mehreren Hitlerjungen in das Heim der katholischen Jugend der Pfarre St. Heinrich in Uerdingen während eines Heimabends. Die Hitlerjungen behaupten, von ihrem Führer geschickt worden zu sein, um die Burg nach Flugblättern gegen die HJ-Zeitschrift „Die Fanfare“ und nach „Hetzschriften“ zu durchsuchen. Zudem geben sie an, auf der Suche nach jemandem zu sein, der kurz zuvor zwei Hitlerjungen geschlagen habe.

Kurz darauf kommt ein HJ-Führer hinzu, auf dessen Befehl die Schränke des Heims trotz des Protests der katholischen Jugendlichen durchsucht werden – ohne etwas zu finden. Anschließend betritt ein weiterer HJ-Führer den Raum und erklärt das Heim für geschlossen und beschlagnahmt. Die Mitglieder des katholischen Vereins werden aufgefordert, das Heim zu verlassen, was diese mit dem Hinweis, darüber habe der Präses zu befinden, jedoch nicht tun.

Nachdem die Hitlerjungen das Heim verlassen haben und nun die Umgebung durchsuchen, wird der Präses geholt. Als daraufhin kurze Zeit später der HJ-Führer erneut erscheint, der zuvor das Heim durchsucht hatte, wird er vom Präses hinausgeschickt: Der Zutritt sei nur Vereinsmitgliedern gestattet, überdies sei die Polizei verständigt. Der kurz darauf erscheinende Polizeibeamte verweist die Hitlerjungen dann endgültig aus dem Heim.

Der zweite Bericht bezieht sich vermutlich auf den nämlichen Tag, hier angegeben als 4. April 1934. Darin wird dargelegt, wie ein Mitglied des katholischen Jungmännervereins St. Heinrich, Richard S., auf dem Weg zum Heim von zwei Hitlerjungen angehalten wird, die ihm die „Fanfare“ zum Kauf anbieten. Als S. wortlos weitergeht, wird er von den Hitlerjungen verfolgt. Als sie kurz darauf auf einen SA-Mann treffen, stellt dieser auf Aufforderung der Hitlerjungen S. zur Rede und behauptet, S. habe Flugblätter und Plakate in der Tasche. S. zieht darauf eine Nummer der „Fanfare“ hervor. Nun behauptet der SA-Mann, „Hitlerjugend sei von PX-Jugend blutig geschlagen worden“, in S. meine man den Täter zu erkennen, er müsse daher warten. Kurz darauf kommen weitere Hitlerjungen hinzu, die die Verdächtigung entkräften. Darauf wird S. freigelassen.

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