HJ stört Heimabend der katholischen Jugend in Rheydt
Der Heimabend der katholischen Jungschar in Rheydt wird am 18. Februar 1934 von dem örtlichen Gefolgschaftsführer zusammen mit vier Jungen, davon zwei in HJ-Uniform, erheblich gestört, so dass er schließlich beendet werden muss.
Der HJ-Führer erscheint, ohne zu klopfen und zu grüßen im Jugendheim und fragt, was hier los sei, jede Betätigung der katholischen Jugend sei verboten, besonders jede sportliche. Der 19-jährige Führer der Jungschar zeigt sich mit der Vorschrift vertraut, verweist jedoch darauf, dass der Gruppenabend gestattet sei. Er bittet den HJ-Führer, ihm einen Ausweis zu zeigen, was dieser ablehnt. Statt dessen schickt der HJ-Führer einen Hitlerjungen zum Benachrichtigen der Polizei und macht beleidigende Bemerkungen, in denen er den katholischen Vereinen die Daseinsberechtigung abspricht. Einem Jungen, den der Jungscharführer zum Kaplan schicken möchte, versperrt er den Weg.
Der Hitlerjunge kommt bald darauf unverrichteter Dinge zurück: Nur wenn Fahnen da seien oder ein Junge Kluft trage, werde ein Beamter kommen. Der HJ-Führer versucht daraufhin, den Jungen, die alle in Zivil sind, nachzuweisen, dass sie Teile der Kluft trügen. Als ihm das nicht gelingt, verschwindet er endlich, nicht ohne an der Tür zu bemerken, der Heimabend könne nun fortgesetzt werden, er sei jedoch verboten. Der katholische Jugendführer schickt die Jungen danach dennoch nach Hause.
Der Vorfall wird anschließend von Kaplan Dr. Eschweiler unter Vernehmung mehrerer Zeugen zu Protokoll genommen. Dabei wird der HJ-Führer als ein Hans Meyer, Kreuzstraße 94 (HJ 2/233/2) identifiziert. Überdies gibt Frau Kuhlen, die im Jugendheim wohnt, an, dass sie die Hitlerjungen ebenfalls nach Ausweisen gefragt habe. Man habe ihr auch Ausweise gezeigt, die sie ohne Brille jedoch nicht habe lesen können. Ihr Verlangen, mit einem höheren Führer der HJ zu sprechen, nämlich mit Unterbannführer Winkens, sei mit dem Hinweis abgelehnt worden, er, Meyer, habe dieselben Rechte wie jener.
Die Protokolle schickt Kaplan Dr. Eschweiler an den Polizeipräsidenten, den Regierungspräsidenten in Düsseldorf, den Diözesanbischof und den Päpstlichen Nuntius in Berlin.