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Ereignisse
1934
Juli

Gebietsführung Mittelrhein wirft katholischen Geistlichen Hetze gegen HJ vor

Die Gebietsführung Mittelrhein zählt in einem Bericht vom 7. Juli 1934 zahlreiche Beispiele dafür auf, wie seitens der katholischen Geistlichkeit gegen die HJ vorgegangen wird und sie in ihrer Arbeit behindert wird.

Insbesondere nach dem HJ-Oberbannaufmarsch in Düren habe man im gesamten Regierungsbezirk Aachen den Augenblick für gekommen gehalten, "ungestraft die Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Jugend sabotieren" zu dürfen.

In Herzogenrath habe man die "Pimpfe", die wegen des Aufmarschs nicht zur Messe gegangen seien, mit Strafarbeiten bedacht - und dies, obwohl ihnen der Pfarrer zuvor die Möglichkeit genommen hatte, ihren kirchlichen Verpflichtungen nachzukommen, indem er sich geweigert hatte, eine morgendliche Messe zu lesen.

In Schaufenberg sei die katholische Jungschar mit Dulden der Geistlichkeit durch die Straßen gezogen und habe gesungen: "Und kommt die HJ bei uns herein, wir hauen ihr den Schädel ein und mag es Adolf Hitler sein." Überdies habe dort der örtliche Pfarrer Jungvolkmitglieder "durchgeprügelt", weil sie um 6 Uhr statt um 10 Uhr zur Messe gegangen seien.

In Monschau wiederum habe ein Kaplan die Religionsstunde zur Werbung für die katholischen Jugendverbände "missbraucht" und die Gründung einer Pfarrjugend in Aussicht gestellt, um die Jugendlichen der Kirche zu erhalten. In Hinblick auf die HJ habe er noch bemerkt, dass die Jugendlichen sich Verbänden fernhalten sollten, die ihnen den Kirchgang nicht ermöglichten.

Darin sei er vom Rektor des Alumnats, Dr. Moll, unterstützt worden, der noch dazu die "wüstesten Lügen" über die HJ verbreiten würde und einem neuen Schüler des Alumnats den Rat erteilt hätte, mit seinem Beitritt zur HJ noch einige Wochen zu warten, da dann die Verhandlungen bezüglich der Jugendpflege in Rom abgeschlossen seien und er wieder einem katholischen Verein beitreten könne.

Um Beitritte zur HJ zu verhindern, würden die Geistlichen aber auch noch "viel weiter" gehen. So habe Anfang April der Pfarrer von Baesweiler einer Frau damit gedroht, dass ihr Sohn in die Fürsorgeerziehung käme, wenn er Mitglied in der HJ würde. Träte er hingegen der Jungschar bei, würde es nicht dazu kommen.

Auch sei in Schulen und Betrieben eine sogenannte "Erklärung der katholischen Jugend" herumgereicht worden, auf der die Jugendlichen ihre Treue zu den katholischen Verbänden durch Unterschrift bescheinigen sollten.

Als besonders einflussreichen Ort für die katholische Gegenarbeit macht die Gebietsführung überdies den Schulunterricht und hier vor allem den Religionsunterricht aus. Darüber habe man immer wieder Beschwerden erhalten.

In Grefrath würden die Mitglieder der Jungschar vom Kaplan deutlich bevorzugt. Die Mitglieder des Jungvolks würden vom ihm hingegen "nach allen Regeln der Kunst verhauen". Zudem gebe der dem Jungvolk an den festgesetzten Tagen nicht aufgabenfrei. Und er ziehe öffentlich über das Jungvolk her, nenne den Jungvolkführer einen "jungen Schnösel" und frage, wie die Jungen nur einem "solchen Protestanten nachlaufen könnten". Dadurch, so die Gebietsführung erzürnt, werde der "alte religiöse Gegensatz im Volk, den der Nationalsozialismus überbrückt hat", erneut aufgerissen.

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